Katernberger stellen Stadtteil künstlerisch dar

Textilien zu gestalten ist eine künstlerische Spielart von „Home sweet home“.
Textilien zu gestalten ist eine künstlerische Spielart von „Home sweet home“.
Foto: Socrates Tassos
Was wir bereits wissen
Die Materialien waren bei „Home sweet home“ frei wählbar. Das, was die Katernberger gestalteten, musste nur eine Beziehung zum Stadtteil haben.

Katernberg..  Sichtlich stolz dreht sich Karin Syska in ihrem Kleid, das ein Muster aus Fotografien Katernberger Hebäuden ziert – die Zechenhäuser an der Katernberger Straße, der Bergmannsdom, ein kleines Café. Mit dem Fotoapparat tourte sie durch den Stadtteil und nahm das auf, was sie an „ihrem“ Katernberg bedeutsam findet.

Das außergewöhnliche und zudem sogar modische Kleid ist nur eines von zahlreichen Arbeiten, die Katernberger Bürger unter professioneller künstlerischer Anleitung in den letzten Wochen angefertigt haben. „Home Sweet Home“ heißt das Projekt – und der Name ist Programm. Welche Erinnerungen verbinde ich mit meiner Heimat, was ist für mich besonders und was möchte ich mit anderen Menschen teilen? Diesen Fragen haben sich die Teilnehmer des Projektes gestellt und ganz persönliche Antworten gefunden. Sie sind nun in einem kleinen Ausstellungsraum im Hinterhof der Viktoria-Apotheke zu bestaunen: Frottagen, Videos, Gedichte, Fotos, Collagen – und eben die Kleider mit Katernberger Motiven. Die Liste ließe sich ergänzen.

Künstlerische Leiterin des bunten Schaffens ist Bea Kießlinger, Expertin für nachbarschaftliche Kulturprojekte. Sie ist mächtig stolz auf das, was die Katernberger erschaffen haben – aber auch darauf, dass es mit dem Projekt gelungen ist, „eine Nachbarschafts-Galerie aufzubauen“.

Spontane Besuche im Ladenlokal möglich

Entstanden ist diese in einem ehemaligen Eine-Welt-Laden hinter der Viktoria-Apotheke, der seit Jahren leer stand und dem Verfall ausgeliefert war. „Jetzt gibt es hier wieder Strom und eine Heizung und die Arbeiten der Katernberger können gebührend ins Licht gerückt werden.“ Und tatsächlich gibt es da einiges zu sehen. Ins Auge fallen spontan die Fotografien von Negar Foroughanfar, Folkwang-Studentin aus dem Stadtteil. Sie hat das Gemeindezentrum unsicher gemacht und ein Potpourri aus Licht und Schatten abgelichtet. Eine weiße Backsteinwand, daneben ein Fenster mit Spitzengardine, draußen der Bergmannsdom – das ist Katernberg in Reinform.

Gewissermaßen die DNA des Viertels haben Teilnehmer eingefangen, die Frottagen verschiedener Elemente Katernbergs erstellt haben. Dabei wird ein Tuch über eine Struktur – vielleicht ein Steinmuster an einer Fassade – gelegt und die Form mit Kohlestiften abgepaust.

Dass auch hierbei Kleines, Unscheinbares zu Tage treten kann, ist ein Aspekt des Projekts, der den Teilnehmerinnen Helga Henkel und Elke Fuchs gefällt. „Wir sind ganz offen durch den Stadtteil gegangen, haben auf die Details geachtet, an denen man sonst vorbeiläuft“, erklärt Helga Henkel. Dabei sei viel Schönes entdeckt worden, aber auch Dinge, die verbesserungswürdig sind. „Wir konnten alle Facetten Katernbergs wahrnehmen und diese auch porträtieren.“

Wegziehen ist keine Option

Unerwartetes im eigenen Quartier zu entdecken, wenn man dort schon sein ganzes Leben verbringt, ist eine außergewöhnliche Erfahrung, die Elke Fuchs machen durfte. „Ich hätte gar nicht gedacht, dass so viele Fassaden bunt gestaltet sind.“ Dabei ist sie ein Katernberger Urgestein: Im Haus gegenüber des Lidl-Supermarkts an der Katernberger Straße, ihrem Geburtshaus, ist sie auch heute noch zuhause. Und wird es bleiben: „Wegziehen? Das ist keine Option für mich. Ich gehöre hier hin.“