Gutes Rad ist teuer

Julian Ganser ist ein professioneller Downhill Radfahrer ihm wurde das Rad gestohlen, nun fallen Sponsoren weg und er muss sein Hobby aufgeben.
Julian Ganser ist ein professioneller Downhill Radfahrer ihm wurde das Rad gestohlen, nun fallen Sponsoren weg und er muss sein Hobby aufgeben.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Julien Ganser benötigt ein Spitzenrad für sein Hobby „Downhill“-Fahren. Jetzt wurde ihm das Rad gestohlen.

Stoppenberg..  Nur noch schnell in den Supermarkt um die Ecke, um eine Dose Sprudel zu kaufen, danach dann mit dem Mountainbike zum Training in den Wald – doch daraus wurde nichts. „Ich hatte das Rad die ganze Zeit im Blick, ich stelle es immer fast in den Eingang des Ladens. Von der Kasse aus konnte ich es sehen“, erinnert sich Julien Ganser (18). Dann ein kurzer Moment der Ablenkung, das Piep-Signal am Ausgang ertönt und Juliens Aufmerksamkeit wendet sich für eine Sekunde von seinem abgeschlossenen Rad ab. Als er vor das Geschäft tritt, ist das Rad weg – und damit das Kernstück seines Hobbys.

Mit 80 Sachen den Berg runter

Julien Ganser ist ein ruhiger, sympathischer junger Mann. Seine Leidenschaft: Im Affenzahn bewaldete Berghänge hinab rasen. Mit bis zu 80 Sachen düsen die Radfahrer auf den Trails steil nach unten, wo andere nicht einmal zu Fuß gehen wollen. „Downhill“ heißt die Extremsportart, in der es darum geht, mit speziellen Rädern auf unwegsamem Gelände und in möglichst kurzer Zeit das Ziel am Fuß des Berges zu erreichen. Die Verletzungsgefahr ist Julien bewusst, und einige Blessuren hat er auch schon davon getragen.

Derzeit absolviert er ein Praktikum in einem Fahrradgeschäft in der Innenstadt. Dort findet er Gleichgesinnte wie etwa Heiko Rüdiger. „Das Verletzungsrisiko ist uns bewusst, aber die Vorteile des Sports überwiegen“, versichert der selbst begeisterte Downhill-Fahrer. „Es geht um viel Spaß, um Aktion und Adrenalin bei dieser Sportart.“

Julien liegt sein Hobby sehr am Herzen. Er schwärmt geradezu von der Zeit, als er mit dem Sport angefangen hat. „Es war bizarr“, sagt er, „ich hatte Geld zur Konfirmation bekommen und wusste nicht so recht, was ich damit anstellen sollte. Weil ich immer gerne Fotos gemacht habe, bin ich mit der Kamera unterm Arm nach draußen. Ich lief zu einer Mountainbikestrecke in Stoppenberg.“ Dass er schließlich die Kamera zur Seite legte und statt Bilder zu schießen selbst auf dem Gefährt saß, war ein Zufall. Einer der Radler sprach ihn an: „Setz dich doch mal drauf!“ Und los gings.

Abgestiegen ist Julien seit dem nicht mehr. Bis jetzt, denn nun ist sein blau-weißes Giant Glory 0 2012 mit goldenem Schriftzug weg. „Ich glaube nicht, dass ich es zurück bekomme“, sagt er traurig und das bedeutet das Aus für ihn und sein Hobby. „Wer nicht an den Rennen teilnimmt, fliegt aus dem Team, so ist die Regel“, erklärt er. Sein Club, die „Gravity Freakz“ werden zwar gesponsort, aber ein neuer fahrbarer Untersatz kostet fast 3400 Euro. Das sitzt nicht drin.

Julien geht nun neben der Schule jobben, um sich ein neues Downhill-Rad leisten zu können. „Ich bin mir für keine Arbeit zu schade. Hauptsache, ich kann bald wieder radfahren“, so Julien Ganser bedröppelt. Nun muss er schnell sparen oder findet einen Gönner. Denn wenn er erst aus dem Team raus ist, dann geht es für den Downhill-Fahrer wirklich bergab.