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Geschichte erlaufen Spurensuche

11.02.2008 | 16:35 Uhr

Geschichtsinteressierte machten sich auf zu einem Rundgang durch den Krupp-Stadtteil Frohnhausen.Nach der historischen Wanderung wärmten sich die Teilnehmer in der alten Schmiede im Berufskolleg.

Frohnhausen. Mit Regenschirmen und dicken Jacken gegen alle Eventualitäten gewappnet, machten sich zehn historisch interessierte Bürger auf, um mit Exkursionsleiter Robert Welzel den Essener Westen zu erkunden.

Treffpunkt und zugleich erster Schauplatz der eineinhalbstündigen historischen Stadtführung war das Berufskolleg West. Als Schule für Industrieberufe gebaut, beheimatet das Berufskolleg heute etwa 1700 Schüler in gewerblich-technischer Ausbildung. Neben geschichtlichen Fakten erläuterte Welzel auch architektonische Besonderheiten des Gebäudes, wie etwa die monströse schwarze Einfahrt.

Nur 100 Meter weiter die Straße entlang, gab es gleich das nächste interessante Gebäude zu sehen: Die Lutherkirche. "Dies ist mit 125 Jahren das älteste Gebäude, das wir heute zu sehen bekommen.", sagte Welzel. Die Teilnehmer lauschten interessiert den Worten des kundigen Exkursionsleiters. Robert Welzel unterfütterte seine Ausführungen mit zahlreichen Zeichnungen und Bildern aus der damaligen Zeit und erzählte zudem überlieferte Anekdoten. "Es gibt eine nette Geschichte zum Eingang der Lutherkirche", berichtete er. Hiernach mussten Brautpaare, die in der Lutherkirche geheiratet hatten und im Anschluss die Bahngleise in der Nähe der Kirche überqueren wollten zunächst Münzen unter die schon wartende Kinderschar werfen, damit sich die Schranken für sie öffneten. Den Anwesenden gefiel die Geschichte. "Diese Führung ist wirklich sehr interessant", urteilte Exkursionsteilnehmerin Gerda Frick. Die Mülheimerin und ihr Mann, die ursprünglich aus Norddeutschland kommen, sind fasziniert von der hiesigen Industriekultur. "Wir kennen das Ruhrgebiet besser als viele Menschen, die hier geboren wurden", erzählte Gerda Frick. Noch nicht so vertraut mit dem Ruhrgebiet sind Sonja Medler und ihr Freund Dirk Langhammer. Eben erst aus dem hessischen Fulda nach Essen gezogen, wollten sie sich mit ihrer neuen Umgebung bekannt machen. "Es ist sehr spannend, was es hier so zu entdecken gibt", sagte Sonja Medler.

Neben vielen anderen Bauten zählten auch die Alfred-Krupp-Schule und das Sparkassengebäude zu den Haltepunkten des historischen Ausfluges. Auch zum Friedrichsbad, auf den ersten Blick eher ein unscheinbares Gebäude, hatte Robert Welzel viel zu erzählen. Von Margarethe Krupp im Jahr 1912 gestiftet, sollte es vor allem der Hygiene der Anwohner dienen. "Ursprünglich war es nicht etwa ein Freizeitbad, sondern ein Ort für die vielen Bürger die kein eigenes Badezimmer besaßen", führte Exkursionsleiter Welzel aus. Damit auch jeder Bürger das Angebot nutzen konnte, durfte man sich nicht länger als 20 Minuten im Bad aufhalten. Nachdem sie den Rundgang durch Frohn-hausen beendet hatten, kehrten die durchgefrorenen Teilnehmer zum Ausgangspunkt der Stadtführung zurück. Im Berufskolleg West war es Zeit sich aufzuwärmen und eine weitere Besonderheit des Stadtteils kennen zu lernen.

Die Berufsschule beherbergt nämlich eine der letzten erhaltenen Schmiede-Lehrwerkstätten des Ruhrgebietes. Eitel Mantowski, der vor 50 Jahren hier seine Schmiedeausbildung absolviert hatte, begeisterte die Anwesenden mit einer Kostprobe seines Handwerks. Er entfachte das Feuer in der Esse und bearbeitete vor den neugierigen Augen der Besucher glühende Werkstücke. Die Führung durch den "Krupp-Stadtteil Frohnhausen" erwies sich als eine spannende und durchaus lohnende Entdeckungstour.

Die historische Stadtführung "Der Krupp-Stadtteil Frohn-hausen - Spurensuche zwi-schen Westbahnhof und Altendorfplatz" wird am 02. März wiederholt.

Die Exkursion durch den Stadtteil leitet Robert Welzel, die Schmiedevorführung wird von Eitel Mantowski durchgeführt. Die Teilnehmer treffen sich um 14 Uhr 30 vor dem Berufskolleg West. Die Exkursion kostet drei Euro pro Person, eine Voranmeldung ist nicht nötig.

Von Kristin Skoberne

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