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Religion und Integration

Freitagsgebete in Altenessen

18.01.2012 | 18:40 Uhr
Freitagsgebete in Altenessen

Altenessen.   Der islamische Kultur- und Bildungsverein verlässt Katernberg und baut eine neue Moschee an der II. Schnieringstraße

Der Informationsdienst im Internet weist aktuell 19 Moscheen und Gebetsräume im Essener Stadtgebiet aus – ohne dabei Wert auf Vollständigkeit zu legen. Sicher ist jedoch, dass die Liste um einen weiteren komfortablen Versammlungsort erweitert wird: in Altenessen-Nord wird schon bald die „Salah Eddin-Moschee“ entstehen.

Die baurechtliche Genehmigung für den Neubau im Gewerbegebiet, an der II. Schnieringstraße 50, hat der „Kultur- und Bildungsverein in Essen“ als Träger des Projektes bereits in der Tasche. „Vor einem halben Jahr haben wir den Antrag gestellt, nun wurde der Bau bewilligt“, erklärt Vereinssprecher Alaá El-Sayed.

Tradition und Moderne verbinden

Auf einer Fläche von knapp 2500 Quadratmetern, von der etwa 1500 qm überbaut werden, soll ein islamisches Kultur- und Bildungszentrum entstehen – mit Moschee, Versammlungssaal, Tagungsräumen, Kindergarten, Gastronomie und sogar einem Friseur. Das Gesamtbudget inklusive des Grundstücks beläuft sich auf circa 1,3 Mio Euro, einzig und allein aus Spenden finanziert. „Die Ausschreibung erfolgt zeitnah, denn im Sommer sollen die Bauarbeiten beginnen“, so El-Sayed. Geschätzte Bauzeit: sechs Monate.

Momentan steht das Gebäude einer ehemaligen LKW-Werkstatt auf dem Areal. Dieses Kopfhaus soll in den Neubau integriert werden und künftig der Moschee Platz bieten, die architektonisch Moderne und Tradition miteinander verbinden wird. „Die „Omar Moschee“ in Berlin ist ein gelungenes Beispiel dafür“, sagt Alaá El-Sayed.

„Das Gelände dort ist zwar nur 1000 Quadratmeter groß, doch dafür wurde siebenstöckig gebaut.“ Die angelagerte Werkshalle indes wird abgerissen und neu errichtet, um einem Versammlungssaal und Büros Platz zu bieten; geplant sind zudem 25 PKW-Stellplätze um das Zentrum herum.

"Bildung ist wichtig"

Bei der Wahl des Standortes spielte neben guter Erreichbarkeit vor allem ein ausreichendes Platzangebot die entscheidende Rolle: „Wir wollen Seminare für Jugendliche und Erwachsene anbieten, die auch eine Drogenberatung beinhalten“, erklärt Alaá El-Sayed. Nachhilfe für Schüler, aber auch Theaterkurse gehören ebenso zum Programm.

„Bildung ist wichtig“, sagt Alaá El-Sayed. Schon um den Migranten im Stadtteil die Integration zu erleichtern. Alaá El-Sayed, ein Autohändler aus Altenessen-Mitte, ist gebürtiger Libanese, verbrachte jedoch nur die ersten zweieinhalb Lebensjahre in seiner Heimat. In Essen besuchte er das Gymnasium, spricht Arabisch und fließend Deutsch.

Längst keine Selbstverständlichkeit – unter seinen Landsleuten nicht und auch nicht für die Türken, die in großer Zahl in Altenessen leben. Obwohl gerade dies so wichtig wäre, denn „die Sprache ist der Schlüssel zur Integration“, wie El-Sayed betont.

Ältere Türken, junge Libanesen

Während vornehmlich ältere Türken das Freitagsgebet wahrnehmen, sind es bei den Libanesen eher junge Gläubige, die in die Moscheen kommen. „Schon deshalb werden die Gebete bei uns simultan ins Deutsche übersetzt. Viele junge Migranten sprechen ihre Muttersprache nur schlecht oder überhaupt nicht mehr“, wie Alaá El-Sayed sagt.

Bislang beteten die Mitglieder seines Vereins in einem erweiterten Gebetsraum in Katernberg, doch dieser ist ihnen zu klein geworden. Der Anfang der 1990er Jahre gegründete Verein spielte eine wichtige Rolle für das friedvolle Zusammenleben von Einheimischen und Migranten in Katernberg.

Tag der Moschee

In den Jahren 2003 bis 2005 wurde das Netzwerk von Polizei, Jugendhilfe und Moschee-Vereinen dort mit dem Landespreis für innere Sicherheit prämiert. „In Altenessen wollen wir ähnlich erfolgreich zusammenarbeiten“, hofft Allá El-Sayed. Dies sei auch ein Grund dafür, warum man sich für diesen Standort entschieden habe. „Hier haben wir eine ähnliche Bevölkerungsstruktur, aber leider auch die gleichen Probleme.“

Aufklärung vor Ort

Die Schwierigkeiten sind bekannt: Hoher Ausländeranteil, hohe Arbeitslosigkeit und nur wenige Perspektiven auch und vor allem für jugendliche Migranten. Besonders El-Sayeds Landsleute sorgten zuletzt für negative Schlagzeilen. „Es wäre zu einfach, die sozialen Probleme auf die Libanesen zu reduzieren “, warnt El-Sayed. „Altenessen steckt voller Konfliktpotenzial. Hier wollen wir vor Ort Aufklärung betreiben und aufzeigen, dass dieser Stadtteil kein rechtsfreier Raum ist.“

Eine besondere Rolle kommt Imam Mohammad-Munir Rachid zu. „Für Muslime ist es etwas Besonderes, wenn der Imam zu ihnen spricht“, erklärt Allá El-Sayed. Das hat mit Respekt und auch Vertrauen zu tun. „Selbst Menschen, denen ihre alten Traditionen wichtiger sind als ihre Integration, hören auf ihn.“

Die Baugenehmigung für das Kultur- und Bildungszentrum wurde bereits erteilt. „Da es dort keinen Bebauungsplan gibt, greift Paragraf 34 Baugesetzbuch, die bundesweit gültige Vorschrift für Bauvorhaben im unbeplanten Innenbereich“, erläutert Stadtplaner Detlef Robrecht.

Für Moscheen und Gebetsräume gilt das normale Baurecht, allerdings auch die Sonderbauverordnung für Versammlungsstätten. „Die Baugenehmigung erlaubt angesichts der geplanten Rettungswege die zeitgleiche Anwesenheit von 315 Personen“, sagt Robrecht. „Dies wurde auch im Bauantrag so festgelegt.“

Michael Heiße

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Kommentare
20.01.2012
12:17
Freitagsgebete in Altenessen
von Sexygirl | #8

Ich versteh diesen aufstand nicht, wieso regt ihr euch alle auf kann uns dich egal sein und im gegensatz das ist doch für uns alle besser wenn dann auf den Straßen mehr Ordnung herrscht b.z.w. Respekt wenn der Imam das erreicht und vor Terrorismus warnt finde ich es klasse dann sollen sie die Moschee bauen.

19.01.2012
17:31
Freitagsgebete in Altenessen-Dokumentation über den Verein
von Loewe1987 | #7

http://www.youtube.com/watch?v=QieGol9ENDs

19.01.2012
17:26
Freitagsgebete in Altenessen
von Loewe1987 | #6

Man sollte differenzieren wer wo was machen möchte.
Ichh kenne diesen Verein seit knapp 20 Jahren Persönlich und verfolge seine Arbeit,
wir können uns Glücklich Schätzen solch einen Verein hier in Essen zu haben, denn dieser Verein hat einen einen Gemäßigten Weg eingeschlagen, und warnt bereits seit Jahren eindringlich vor den Terroristen und dies nicht erst seit dem 11.09.2001 sonder Jahre davor, auch Aktuell wird vor Extremisten wie den Hassprediger Pierre Vogel in aller öffenlichkeit gewarnt. Nicht Umsonst wurde die Arbeit des Vereins, in dem Netzwerk aus Polizei Jugendamt und anderen Institutionen mit dem Landespreis für innere Sicherheit ausgezeichnet.
Die Türen des Verein sind geöffnet, wenn jemand fragen hat so soll er sie direkt an den Verein stellen, und sich erst danach über diese Leute ein Urteil bilden.
Ich komme selbst aus Altenessen, und wir brauchen solch einen gemäßigten Verein der den Terrorismus bekämpft und sich traut in aller Öffentlichkeit vor Leuten wie Pierre Vogel zu Warnen, einemn Hassprediger der Kontakte zu Terroristen hat.

19.01.2012
12:22
Freitagsgebete in Altenessen
von moin-moin | #5

Es muß auch mal gut sein mit weiteren Moscheen in Essen!
Die Mehrheitsbevölkerung toleriert die bisherigen Gebetshäuser der Muslime, hat aber sicher wenig Verständnis für Animositäten von Muslimen in Katernberg und damit einem weiteren Neubau in Altenessen! Es könnte auch nur ein Vorwand sein für einen zugenehmigenden Neubau! Die Meinung von betroffenen Mitbürgern in Altenessen kann nicht außen vor gelassen werden!

19.01.2012
12:10
Freitagsgebete in Altenessen
von curney | #4

essen scheint sich ja zum Mekka des Ruhrgebiets zu entwickeln, Respekt ! aufstrebende region !
doch wer schützt uns später vor der übertriebenen" Toleranz "der Muslime, die ja auf ihren Fahnen steht?

19.01.2012
09:24
Blockierter Kommentar.
von stauffenberg | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

19.01.2012
06:10
Freitagsgebete in Altenessen
von immerrwe1907 | #2

Und noch eine! Klasse !

19.01.2012
03:06
Freitagsgebete in Altenessen
von DU-Kersten | #1

"Selbst Menschen, denen ihre alten Traditionen wichtiger sind als ihre Integration, hören auf ihn.“

Schöner wäre der Satz so:

Selbst Menschen, denen die Integration wichtiger ist als alte Traditionen, hören auf ihn.

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