Flashmob am Bahnhof Altenessen – „Kümmert euch endlich!“

Mit buntem Pulver verwandelten Jugendliche des Bündnisses „Dein Block, deine Meinung“ den Bahnhof Altenessen gestern in ein Farbenmeer.
Mit buntem Pulver verwandelten Jugendliche des Bündnisses „Dein Block, deine Meinung“ den Bahnhof Altenessen gestern in ein Farbenmeer.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Das Jugendbündnis „Dein Block, deine Meinung“ hat mit einem Flashmob auf die Missstände am Bahnhof Altenessen aufmerksam gemacht.

Essen-Altenessen.. Es war ein kurioses Bild: In Rollstühlen, mit Krücken und Rollatoren machten sich gestern Nachmittag rund 20 kerngesunde Jugendliche auf den Weg vom Palmbuschweg zum Bahnhof Altenessen. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass die Rolltreppen und Aufzüge hier ständig ausfallen“, sagte Jaber Bennadi.

Ältere Menschen oder auch Mütter mit Kinderwagen seien am Bahnhof ständig aufgeschmissen, „und niemand tut etwas dagegen“, beklagt der 20-Jährige, „wir wollen, dass sich endlich jemand um den Bahnhof kümmert!“ Dort angekommen, bewarfen sich die Jugendlichen begleitet von sommerlichen Klängen und noch sommerlicheren Temperaturen mit buntem Farbpulver. „Der Altenessener Bahnhof soll bunter werden“, war dabei auf ihren farbigen Plakaten zu lesen.

Denn auch das gefällt den Jugendlichen am längst zum sozialen Brennpunkt stigmatisierten Bahnhof nicht: „Es ist alles so grau hier. Das Gebäude gegenüber dem Bahnhof verfällt, abends fallen die Lampen in der gruseligen Unterführung ständig aus. Das ist kein Ort, wo man gerne hinkommt“, sagt Chantal Fausten, die seit ihrer Geburt in Altenessen lebt. Für sie sei der Bahnhof Altenessen immer schon ein Angstort gewesen, sagt die 18-Jährige.

Bündnis besteht seit 2013

Gemeinsam mit ihren Mitstreitern des Jugendbündnisses „Dein Block, deine Meinung“ möchte sie das ändern – und wenigstens gehört werden. Ins Leben gerufen wurde dieses Bündnis im Jahr 2013 in Kooperation mit dem Jugendzentrum „Palme 7“ am Palmbuschweg. „Wir unterstützen die Jugendlichen lediglich. Die Ideen, was sie an ihrem Stadtteil verändern und verbessern wollen, gehen aber von ihnen aus“, erklärt Tehmile Erdogan, Sozialarbeiterin in der „Palme 7“, die Idee.

Der sogenannte Flashmob gestern war die erste politische Aktion der Jugendlichen, „und es werden noch einige folgen“, weiß Erdogan. An dem Bündnis sind zurzeit rund 20 Jugendliche beteiligt, die an unterschiedlichen Themen arbeiten. Dabei geht es unter anderem um das Miteinander in Altenessen oder auch um „öde Ecken“. „Die Jugendlichen sind zum Beispiel mit Kameras durch Altenessen gezogen und haben die besonders tristen Ecken fotografiert“, sagt Erdogan.

Welche Nachhaltigkeit der Flashmob am Bahnhof Altenessen haben werde, müssten die nächsten Wochen zeigen. „Uns geht es darum, den Jugendlichen grundsätzlich zu zeigen, dass sie nur etwas verändern können, wenn sie sich selbst auch dafür einsetzen. Bislang ist Politik noch nicht auf uns zugegangen. Wir hoffen aber, dass sich das bald ändert. Ideen haben unsere Jugendlichen genug“, ist die Sozialarbeiterin überzeugt.