Erstes Flüchtlingsheim in Altenessen

Außenansichten der ehemaligen Boecker-Verwaltung Hülsenbruchstraße 30.
Außenansichten der ehemaligen Boecker-Verwaltung Hülsenbruchstraße 30.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Mit der ehemaligen Boecker-Verwaltung an der Hülsenbruchstraße bekommt der Bezirk V (Altenessen, Karnap, Vogelheim) seine erste Flüchtlingsunterkunft.

Altenessen..  Mit der ehemaligen Boecker-Verwaltung an der Hülsenbruchstraße bekommt der Bezirk V (Altenessen, Karnap, Vogelheim) seine erste Flüchtlingsunterkunft. Im Gegensatz zu anderen Standorten in Essen in der Vergangenheit, wird das von den Politikern vor Ort begrüßt. Allerdings raten sie zu einer schnellstmöglich organisierten Informationsveranstaltung für die Nachbarn.

„Die Anmietung der Hülsenbruchstraße durch die Stadt ist aufgrund der Dringlichkeit der jüngsten Ereignisse bereits beschlossen worden“, brachte Sozialamtsleiter Hartmut Peltz in der vergangenen Sitzung der Bezirksvertretung (BV) V noch einmal die jüngsten Entwicklungen in Erinnerung, die sich in den vergangenen Wochen überschlagen hatten. War man in der Verwaltung zum Ende des Jahres noch von einer Lücke von 458 fehlenden Plätzen für Flüchtlinge in 2015 ausgegangen, steht mittlerweile der zusätzliche Bedarf bei 748 (wir berichteten).

130 werden derzeit in der alten Boecker-Verwaltung geschaffen. „Der Eigentümer bereitet derzeit die Räumlichkeiten vor. Das Ganze wird keine Behelfseinrichtung, wie etwa in Frintrop. Die Menschen sollen an der Hülsenbruchstraße selber kochen und in eigenen Wohneinheiten untergebracht werden“, erläuterte Peltz. Ein Sicherheitsdienst soll die Einrichtung rund um die Uhr betreuen. Zunächst soll die Dauer auf fünf Jahre angelegt werden.

Runder Tisch soll entstehen

Das wird begrüßt im Bezirk, eine Erfahrung, die Peltz in der Vergangenheit nicht unbedingt bei jedem Standort machte. „Die Menschen aufzunehmen, ist ein Muss“, so Bezirksvertreter Friedrich Frentrop (EBB). SPD-Sprecher Theo Jansen merkte an: „Wenn an den noch nicht ausreichenden Sanitäranlagen Umbauten vorgenommen werden, können wir gut damit leben. Es ist unsere Pflicht und Aufgabe, die Flüchtlinge menschenwürdig aufzunehmen“, stellte er fest.

Dass das zukünftige Flüchtlingsheim an der Stadtteilgrenze Altenessen/Vogelheim auf Gegenliebe im Bezirk stößt, war nicht unbedingt zu erwarten. Gerade in der BV V wird immer wieder auf die Benachteiligung des Nordens geschimpft. Aufgrund der negativen Sozialdaten hatte die Stadt bislang von Einrichtungen in Altenessen, Vogelheim und Karnap abgesehen. Doch nach dem enormen Anwachsen der Flüchtlingszahlen hat die Sozialverwaltung das bislang gültige Prinzip einer „gerechten Verteilung auf dem Stadtgebiet“ fallen gelassen. „Wir möchten vor Ort einen runden Tisch initiieren, wie er sich bereits an anderen Standorten hervorragend bewährt hat. Es wäre gut, wenn der von Ehrenamtlichen getragen würde“, sagte Pelz. Die kommen häufig aus Gemeinden oder Vereinen.

Doch bevor es so weit ist, wird man wohl erst eine Bürgerversammlung organisieren müssen. Die Akzeptanz der Politik bedeutet nicht auch die vor Ort – das wissen die Stadtmitarbeiter. Möglichst „zeitnah“ soll dies geschehen, einen Termin gibt es noch nicht.