Energiespar-Unterricht mit Eisbär Knut
18.02.2010 | 18:15 Uhr 2010-02-18T18:15:00+0100
Gerschede. Mitarbeiter der Stadtwerke Essen haben eine neue Schul-Reihe „Energie und Umwelt erleben“ begonnen und wollen Kinder für den Erhalt der Erde sensibilisieren.
Eisbär Knut muss mal wieder herhalten, um den Kindern der Klasse 4b in der Grundschule Gerschede zu erklären, wie schlecht Treibhausgase für die Klimaveränderung auf der Erde sind.
Der Umweltbeauftragte des Vereins „Deutsche Umweltaktion“, Lothar Franken, erklärt: „Wenn das Eis abschmilzt, muss Mama Eisbär immer weiter schwimmen. Dann hat sie keine Kraft mehr, um Nahrung für die kleinen Eisbärbabys zu fangen, denn die fressen keinen Salat. Was denkt Ihr, wer stirbt zuerst, Mama oder die kleinen Babys?“ Betretenes Schweigen in der 4b. Zaghaft antwortet ein Kind „Die Mama?“ Antwort: „Falsch, die Mutti hat Fettreserven, aber die kleinen Eisbären nicht!“
Dramatischer Höhepunkt im Sachkundeunterricht
Seit 2004 arbeiten die Stadtwerke mit zahlreichen Essener Schulen bei Umweltthemen und -projekten zusammen. In diesem Jahr sollen insgesamt 1300 Schülerinnen und Schüler in 40 Klassen erreicht werden. Andere Veranstaltungen thematisieren das Trinkwasser. In Essen fahren laut Stadtwerke derzeit mehr als 900 mit Erdgas betriebene Autos die 3600 Tonnen CO2 und 200 Tonnen krebserregende Stoffe ein- und ersparen.
Das Ganze ist der etwas dramatische Höhepunkt einer Informationsstunde im Sachkundeunterricht. Auf Einladung der Stadtwerke Essen geht Franken in Schulklassen und erzählt Kindern, warum Erdgas ein besserer Brennstoff als Kohle oder Öl ist, da es ein Drittel weniger Treibhausgase beim Verbrennen freisetzt.
Franke veranschaulicht dies, findet stets Beispiele aus dem Alltag der Kinder: „Gasherd in der Küche oder ein Erdgas-Auto - wer hat das von Euch zu Hause?“ Die Finger gehen nur spärlich hoch. Auch bei den Fragen: „Wer kennt welche Brennstoffe?“ und „Wo kommt eigentlich das Erdgas her?“ haben die Schüler noch Wissenslücken.
Zum Antworten ist Lothar Franken ja da, erzählt von Erdbeben und Fäulnisgasen aus verrottendem Meeresgetier, die sich vor Millionen Jahren unter Tonschichten gebildet haben, von Rohrleitungen („Pipelines“), die so groß sind, dass Pia - das mit 1,50 Metern größte Kind in der Klasse - darin aufrecht laufen könnte und die von der Länge her sechs Mal die gesamte Welt umspannen. Die Klasse 4 b hört gespannt zu, Franke trifft den richtigen Ton und lockert den Stoff auf - mit Luftballon-Aufblasen, Basteln und einem Experiment, bei dem der kleine Kevin als neuer Hausmeister eine kleine Gasheizung anschmeißt.
„Wir verkaufen den Kindern nichts“
„Ziel ist, den Kindern unterhaltsam zu zeigen, dass man verantwortungsbewusst und sparsam mit Energie umgehen sollte, da es immer wichtiger für unser Überleben auf dieser Welt ist“, sagt Ingeborg von der Linden von den Stadtwerken. Ein bisschen Werbung für das Geschäft ist es auch? „Wir verkaufen den Kindern nichts. Das Thema Erdgas gehört sowieso zum Sachunterricht. Warum den Schulen nicht dabei helfen und das Umweltfreundliche bei Kindern positiv besetzen? Bei den Erwachsenen ist das meist zu spät“, so die Projektbeauftragte.
Für Lena (10) ist das egal, wer das Erdgas liefert: „Ich weiß jetzt, dass Erdgas aus Fossilien aus dem Meer entstanden ist und dass es besser ist als Öl“. Will Lena mit ihren Eltern auch mal über ein Erdgasauto diskutieren? „Wir haben schon zwei Autos und im Moment kein Geld für ein neues. Aber wenn wir ein neues Auto kaufen, dann sage ich bestimmt, dass das mit Erdgas besser ist.“
So haben alle was davon – vielleicht auch Eisbär Knut, dem der Allerwerteste dann doch nicht auf Grundeis geht, wenn alle Kinder als Erwachsene fleißig Erdgas tanken. Falls es dann nicht zu spät ist.
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