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Eine Schule kämpft für ihr Gebäude

22.06.2010 | 16:18 Uhr
Eine Schule kämpft für ihr Gebäude
Herbartschule in Essen, Auf der Reihe 106 B, am 17.06.2010. Frau Franke von der Schulpflegschaft erläutert, warum die Grundschule erhalten bleiben soll. Foto: Arnold Rennemeyer WAZ FotoPool

Katernberg.Reger Widerstand in der Elternschaft regt sich gegen die Schließung eines Gebäudes der Herbartschule, wie es der Grundschulentwicklungsplan fordert. Die besonderen Fördermöglichkeiten der Katernberger Schule könnten dann nicht mehr realisiert werden, lautet die Kritik.

Eigentlich könnte Brigitte Franke die Zukunft der Schule egal sein. Ihr Sohn Marco geht in die vierte Klasse, nach den Ferien wechselt er auf eine weiterführende Schule. Dennoch kämpft sie an vorderster Front für die Erhaltung des Komplexes Auf der Reihe 100: Das Gebäude soll mit der geforderten Umstellung der Schule auf einen einzügigen Betrieb obsolet werden und nach dem Schuljahr 2013/2014 ganz aufgegeben werden.

„Mein Sohn hat hier exzellente Fördermöglichkeiten erhalten“, sagt sie, „und ich möchte anderen Kindern ermöglichen, die gleichen Chancen zu erhalten“, sagt Franke. So besitzt die Schule mit Projekten wie „Mus-e“, Resonanz und Akzeptanz“, der „Opera School“ und Trommel-AGs einen großen musikalisch-kulturellen Schwerpunkt, der auch schon mit zahlreichen Preisen gewürdigt wurde: Im vergangenen Jahr gab es mit dem „Echo Klassik“ sogar einen der renommiertesten Ehrungen Deutschlands für die Nachwuchsförderung,. Darüber erhielt das Projekt „Kinder lesen für Kinder“ den ersten Preis des Landeswettbewerbs „Hauptsache Lesen“, das nachhaltige Leseprojekte in Grundschulen auszeichnet.

Auch Sprachförderung ist in der Schule, die einen Migrantenanteil von fast 97 % besitzt, ein großes Thema — nicht nur für die Schüler. Auch Eltern können mit Hilfe des „Rucksackprojekts“ zu mehr Kompetenz in der deutschen Sprache gelangen. Möglich macht dieses Engagement das Extragebäude Auf der Reihe 100. „Werden wir auf die räumlichen Möglichkeiten eines Schulgebäudes begrenzt, so werden nahezu alle Projekte wegfallen müssen“, heißt es in einem Schreiben der Schulleitung.

Grund für die Schließungpläne seien die geringen Anmeldezahlen für das kommende Schulljahr. „Dieses Mal sind es tatsächlich nur 27 neue Schüler“, räumt Brigitte Franke ein, da hätten allerdings auch schon die Kindergärten darauf hingewiesen. „Das ist nun einmal ein extrem geburtenschwacher Jahrgang, im nächsten Jahrgang werden es wieder mehr.“ Dann würden die umliegenden Schulen nicht mehr ausreichen, um eine wohnortnahe Versorgung sicherzustellen.

Um auf die Misere aufmerksam zu machten, besuchte Franke zusammen mit anderen Eltern und Kindern die letzte Sitzung der Bezirksvertretung VI. Mit Plakaten und Trommel wollten sie lautstark für die Erhaltung des Gebäudes plädieren. Dort rannte man allerdings offene Türen ein. „In der Ratsvorlage zur Grundschulentwicklungsplanung stecken einige Ungereimtheiten“, stellt Bezirkbürgermeister Michael Zühlke fest. „Es muss sichergestellt werden, dass die Schule ihre Angebote auch weiterhin gewährleisten kann“, so Zühlke. Auch die Pläne, den Abzweig Grabenstraße 25 der Tuttmannschule in Stoppenberg aufzugeben, gehöre auf den Prüfstand. Unstrittig dagegen seien die Vorhaben, den Abzweig Schwanhildenstraße 34 der städtisch-katholischen Grundschule Nikolausschule zu schließen und den Betrieb der Wilhelmschule am Ende des Schuljahres 2012/2013 endgültig aufzulösen.

Die Empfehlung des Stadtteilparlaments ist allerdings nicht bindend: Entscheidungsgewalt besitzt der Rat der Stadt. Für die betreffende Sitzung am 30. Juni halten die Eltern und Kinder der Herbartschule jedenfalls schon mal die Trommeln und Plakate bereit.

Gordon K. Strahl

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