Ein Zuhause für Suchtkranke

Ddas Immanuel Haus, in dem Suchtkranke eine Eingliederungshilfe bekommen. Die meist alkoholkranken Menschen leben gemeinsam in dem Haus des diakonischen Werks.
Ddas Immanuel Haus, in dem Suchtkranke eine Eingliederungshilfe bekommen. Die meist alkoholkranken Menschen leben gemeinsam in dem Haus des diakonischen Werks.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
In Essen-Schönebeck werden Suchtkranke seit 60 Jahren betreut.

Essen-Schönebeck..  Heinrichs* (Name geändert) Aufgabe ist die Pflege des Gehweges. Tag für Tag fegt er mit großer Ausdauer und Freude die Pflastersteine vor dem Haus Immanuel. Die Nachbarn in der gutbürgerlichen Gegend, in der es viel Grün und verkehrsberuhigte Straßen gibt, bleiben oft stehen und halten ein Schwätzchen mit dem freundlichen Mann mit der Schirmmütze, der schon seit 15 Jahren in dem Langzeitheim für chronisch suchtkranke Menschen wohnt. Jahrzehntelanger Alkoholmissbrauch hat den inzwischen 78-Jährigen gezeichnet, doch nach dem sozialen Absturz und der folgenden Obdachlosigkeit hat er in dem vom Diakoniewerk betriebenen Heim endlich ein Zuhause gefunden.

„Bei uns leben nur ältere Suchtkranke, die langfristige Hilfe benötigen und gesundheitlich bereits eingeschränkt oder behindert sind“, erklärt Einrichtungsleiter Erwin Beran. Hier werden die insgesamt 49 Bewohner nicht nur professionell betreut, „manche sind zum ersten Mal Teil einer Gemeinschaft und genießen das“. Auf sieben Wohngruppen verteilt, leben die meisten in Doppelzimmern zusammen. Nicht alle agieren so selbstständig wie die Gruppe von Jochen Heyn: „Wir bekommen am Anfang der Woche unser Verpflegungsgeld, planen gemeinsam, gehen einkaufen und kochen zusammen“, erzählt der 63-Jährige, der die Interessen der Bewohner im Heimbeirat vertritt.

Auch sein Leben wurde jahrzehntelang von der Alkoholsucht bestimmt, „jetzt bin ich seit dreieinhalb Jahren trocken“, sagt er stolz, „ich hätte nie gedacht, dass ich das mal schaffen werde.“ Der gelernte Kaufmann wohnt seit elf Jahren im Haus Immanuel, „das hat mich gerettet“, ist er überzeugt. Doch ist es nicht nur die Suchtkrankheit, mit denen die Menschen zu kämpfen haben, „viele hatten überhaupt keine sozialen oder gesellschaftlichen Kontakte mehr, waren Ausgestoßene und total vereinsamt“, so Beran. Das trifft auch auf Jochen Heyn zu, der heute sagt: „Ich möchte nicht mehr alleine leben. Dann würde ich sofort wieder mit dem Trinken anfangen.“

27 Mitarbeiter – von der Hauswirtschaftskraft, über die Pflegekraft bis zum Sozialpädagogen – betreuen die meist älteren Bewohner, sorgen für eine geregelte Tagesstruktur, für Beschäftigung und fungieren als Alltagsbegleiter und Ansprechpartner. „Wir begegnen den Menschen auf Augenhöhe und geben ihnen ihre Würde und ihr Selbstwertgefühl zurück“, sagt Beran. Eine einheitliche Methode gibt es nicht, die Betreuung ist individuell auf die Fähigkeiten und Bedürfnisse des jeweiligen Bewohners zugeschnitten. Manche brauchen Hilfe bei den kleinsten Alltagsverrichtungen wie Rasieren oder der Gebisspflege.

„Unser Ziel ist es auch, dass alle so gesund und abstinent wie möglich hier zusammenleben.“ Gibt es dennoch Rückfälle, „gehen wir damit gut um. Denn sie gehören zur Krankheit dazu“.

Manche schaffen nach Jahren den Schritt raus in die Selbstständigkeit, leben dann im Betreuten Wohnen. Doch für viele ist das Haus Immanuel, das am morgigen Mittwoch sein 60-jähriges Jubiläum feiert, mehr als ein Zuhause auf Zeit. „Die meisten wollen hier in Ruhe ihren Lebensabend verbringen.“.