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Ein Zirkus mit Zukunft Zirkus an Schulen

20.06.2007 | 09:35 Uhr

An der Theodor-Goldschmidt-Schule werden Schüler zu kleinen Artisten.Beim Zirkusprojekt "Paradiso" wurde acht Monate für die große Vorstellung geprobt.

Frillendorf. Zum ersten Mal zeigen die Artisten des Schülerzirkus "Paradiso" an der Theodor-Goldschmidt-Schule ihr Können. Im Laufe des letzten Schuljahres sind die Schüler des fünften und sechsten Jahrgangs bei der Zirkus-AG über sich selbst hinaus gewachsen. In acht Monaten haben sie es vom einfachen Radschlag zum Diabolo-Spiel auf Stelzen und zur Menschen-Pyramide gebracht.

Sozialpädagoge Rainer Andres, ehrenamtlicher Leiter der Arbeitsgruppe, überraschte diese Entwicklung nicht. "Man sollte Kinder nicht unterschätzen. Sie können mehr als man ihnen zutraut", erklärt er. Andres hat Erfahrung mit Zirkus-Projekten. Er hat viele Kinder am Anfang zaudern sehen, die dann später ganz oben auf der Pyramide standen - in vollem Vertrauen auf Kraft und Geschick der unteren Träger.

Seit 28 Jahren bringt Andres Kindern solche Akrobatik-Nummern bei. Kraft ist dabei weniger erforderlich, eher angewandte Physik. Andres kennt die Tricks und ist bei allem mittendrin. Dabei können sich die Kinder völlig auf ihn verlassen. 1969 war er mit 19 Jahren der jüngste Jugendleiter in Deutschland und seine Energie hat in all den Jahren nicht nachgelassen. Er ist Spielplatzpate und betreut passend dazu die Spielplatz-AG an der Theodor-Goldschmidt-Schule. Da war der Schritt zur Zirkus-Gruppe nicht weit. Gemeinsam mit Lehrerin Monika Börgmann lud er die Schüler zu waghalsigen Artisten-Nummern und wundersamen Zauberstücken. 16 Jungen und Mädchen blieben bis zum Schluss begeistert. Milissa (11) fährt das Einrad. Eddy ist mit zehn Jahren das jüngste AG-Mitglied. Patrick (12) behält auf seinen Stelzen den Überblick und lässt gleichzeitig das Diabolo flitzen. "Diabolo konnte ich vorher schon, habe mich aber wesentlich verbessert. Auf Stelzen zu laufen, war aber eine ganz neue Erfahrung", erzählt er. Lehrerin Monika Börgmann hat selbst keine Zirkus-Erfahrung. Sie unterstützt aber mit Hilfestellung und Organisationstalent.

Für den großen Auftritt hat sie Schule und Umgebung mobil gemacht. Die Spielplatz-AG bastelte das Zauber-Zubehör. Rainer Andres hatte noch einige Tierkostüme in seinem Fundus. Für den Vorhang sorgten die Mitarbeiter der Nähstube in der Nähe. "Für dieses Projekt zeigen alle Einsatz", sagt Monika Börgmann. "Der Zirkus hat an unserer Schule auf jeden Fall eine Zukunft." Mit dabei sind auch zwei Schülerinnen aus der achten und neunten Klasse. Melanie (15) kennt sich mit Geräteturnen aus und ist eine echte Unterstützung. Ob Handstand, Überschlag oder Flick Flack - einige Übungen kann sie selbst vorführen und sonst Hilfestellungen geben. Jessica (14) hilft besonders bei den Auftritten der Clowns und bei den Zaubereien mit. Dabei macht den Kindern das Verkleiden unglaublichen Spaß. Zu den Bären- und Löwen-Kostümen haben sie passende Masken aus der Spielplatz-AG erhalten. Dominik (11) ist ein Eisbär. "Im Kostüm ist es verdammt heiß", sagt er. Einsatz zeigen auch die beiden ehrenamtlichen Jugendleiterinnen Nora (16) und Eva-Maria (16). Sie waren früher selbst Zirkuskinder, kennen die Abläufe aus eigener Erfahrung. "Ohne so viel Hilfe wäre all das nicht zu schaffen", sagt Andres. "Alle Kinder müssen die ganze Zeit beschäftigt sein. Langeweile darf nicht aufkommen." Damit auch das Publikum bei der Premiere gute Unterhaltung findet, haben die Kinder ein abwechslungsreiches Programm aus lustigen Szenen, Zaubertricks und Akrobatik vorbereitet. Clowns und Akrobaten üben auf alle Kinder eine große Anziehungskraft aus. Selbst in die Rolle eines Artisten zu schlüpfen, ist für viele spannend. Zirkuskunststücke bieten allen etwas: Eltern können später eine amüsante Aufführung genießen, Kinder können sowohl einzeln als auch in der Gruppe Neues lernen. Dabei ist es reizvoll, verkleidet unterschiedliche Rollen zu spielen und die Tricks der großen Zauberer zu enthüllen.

Von Sonja Pizonka

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