Ein Festakt nur mit Gewinnern

Festakt 100 Jahre Eingemeindung Altenessen; Festsaal Zeche Carl Musikalsiche Begleitung durch den Madrigal Chor Essen Sonntag der 19.04.2015 Foto: Kerstin Kokoska / Funke Foto Services
Festakt 100 Jahre Eingemeindung Altenessen; Festsaal Zeche Carl Musikalsiche Begleitung durch den Madrigal Chor Essen Sonntag der 19.04.2015 Foto: Kerstin Kokoska / Funke Foto Services
Foto: Essen
Was wir bereits wissen
In der Zeche Carl feierten gestern rund 150 Festgäste die Eingemeindung Altenessens in die Stadt Esse.

Altenessen..  Dass in Altenessen zum Abschluss einer Feier das Steigerlied gesungen wird, ist zu erwarten. Wenn aber zu Beginn des Festaktes zur Eingemeindung des Stadtteils vor 100 Jahren der Madrigal-Chor in der Zeche Carl „Oh Happy Day“ anstimmt, dann hat das eine Aussage über den Anlass hinaus. „Wir in Altenessen feiern die Eingemeindung“, rief Peter-Arndt Wülfing. Vorsitzender der IG Altenessen, den rund 150 geladenen Festgästen mit Oberbürgermeister Reinhard Paß an der Spitze zu. Es wirkte leicht trotzig.

Von der Zeche Carl nach China

Denn die Stadt selbst wäre wohl nicht auf die Idee gekommen, die Erweiterung um die Stadtteile Altenessen, Bredeney und Borbeck zu feiern. So waren es „geschichtsinteressierte Einzelpersonen“, wie z. B. Werner Bussick vom Geschichtskreis, die bereits vor zwei Jahren auf das bevorstehende Jubiläum aufmerksam machten.

Dabei hat auch die Stadt Essen selbst von der Erweiterung um die drei Stadtteile, speziell Altenessens, profitiert. Oberbürgermeister Reinhard Paß: „Die Eingemeindung war ein großer Gewinn für Essen und Altenessen.“

Nach Schließung der letzten Altenessener Zeche Emil Fritz im Jahr 1973 habe sich der Stadtteil entlang der fünf Kilometer langen Hauptstraße positiv entwickelt, sei ein Ort, an dem man gut leben könne. „Aber die soziale Durchmischung stimmt nicht mehr“, bedauerte das Stadtoberhaupt auch.

Wenige Minuten nach seinem Grußwort brach Reinhard Paß übrigens an der Seite von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zu einer Chinareise auf. Dass er sich zuvor noch Zeit für den Festakt nahm, sei keine Frage. „A wie Altenessen kommt vor C wie China“, umschmeichelte er die Festgemeinde.

So blieb auch noch Zeit, aus der Hand von Peter-Arndt Wülfing das erste Exemplar von Christoph Wilmers Buch „Altenessen 1915 – 2015“ in Empfang zu nehmen.

Anschließend erzählte Stadtarchivar Klaus Wisotzky noch einmal von den letztlich gescheiterten Bemühungen der Landgemeinde Altenessen, eigenes Stadtrecht zu bekommen. Denn trotz des rasanten Anstiegs der Einwohnerzahl von 1111 im Jahre 1850 auf fast 30 000 zur Jahrhundertwende fand der zwei Mal gestellte Antrag keine Gnade bei der kaiserlichen Obrigkeit. Das ungeordnete Sammelsurium von Industrie, Siedlungen und Landwirtschaft ohne Ortskern und bürgerlichen Einwohnerstamm konnte nicht überzeugen.

Die Eingemeindung in die Stadt Essen habe die Menschen damals kaum interessiert. „Es gab keine Petition dagegen“, sagt Klaus Wisotzky. Heute berühre das Thema offensichtlich die Menschen viel stärker — wie der Festakt zeige.