Diskussion in Essen-Frohnhausen schlägt auf den Magen

MdB Petra Hinz diskutierte mit Experten und Bürgern über die Gesundheitsversorgung in Frohnhausen. Foto Services
MdB Petra Hinz diskutierte mit Experten und Bürgern über die Gesundheitsversorgung in Frohnhausen. Foto Services
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Was wir bereits wissen
Ernährung in Schulen und Kitas stand am Freitagabend im Mittelpunkt einer spannenden Gesprächsrunde im Forum Café in Frohnhausen.

Essen-Frohnhausen..  Darf in Essener Schulen keine Mahlzeit frisch gekocht werden? Und welche Rolle spielt der Schul-Kiosk bei der oftmals ungesunden Ernährung von Kindern?

Fragen, die am Freitagabend plötzlich im Mittelpunkt der Diskussionsrunde standen, zu der SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Hinz ins Forum Café an der Apostelkirche eingeladen hatte. Als Mitglied des Haushaltsausschusses kümmert sie sich besonders um die Finanzen des Gesundheitsministeriums.

Dass Küche und Kiosk zum Thema wurden, hatte Petra Hinz mit der Einladung von VKJ-Geschäftsführer Oliver Kern vorprogrammiert. Denn Oliver Kern sprach deutlich die Missstände an, die aus seiner Sicht in Schulen und Kindertageseinrichtungen herrschten. Sie hingen meist mit der schlechten Ernährung zusammen, besonders von Kindern deutscher Eltern. Verursacht durch Mangelernährung, verringere sich die Kauleistung, die wiederum die Kiefermuskeln beeinflusst. Schlappe Muskeln ließen Kinder aber schlecht sprechen. Oliver Kern: „Kinder, die sich nicht äußern können, haben auch ein Gesundheitsproblem.“

Dagegen könnte gesundes Essen in Kitas und Schulen helfen. „Doch bei der Ernährung reden vor von Catering. Das Essen wird aber morgens um 5 Uhr gekocht und mittags erst gegessen. Für mich ist das ein Irrsinn. Wir leisten uns schon in staatlichen oder staatlich geförderten Einrichtungen eine schlechte Ernährung.“

Dass Kinder vor Schulbeginn nicht vernünftig essen, berichtete zuvor auch Rainer Kundt, Leiter des Gesundheitsamtes. Neben Übergewicht fielen auch unterernährte Kinder auf. Betroffen seien besonders deutsche Kinder aus sozial schlecht gestellten Haushalten auf: „Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund sind besser dran als Kinder von Deutschen.“

Wichtige Rollen, so Oliver Kern, spielten in Ernährungsfragen auch die Schul-Kioske, die nicht abgeschafft, sondern auf ihr Warenangebot überprüft werden müssten – sowie die Erzieherinnen und Lehrerinnen: „Sie müssten sich selbst fragen, wie sie sich verhalten.“ Eine Flasche Cola im Regal sei eben ein schlechtes Signal, so der VKJ-Geschäftsführer.

Mit den gesundheitlichen Folgen der schlechten Ernährung haben auch die Krankenkassen zu kämpfen. Oliver Hartmann, Leiter der AOK Essen/Rheinland: „Heute haben schon 15-jährige Krankheitsbilder, die wir früher erst von 40-Jährigen kannten.“

Petra Hinz und auch Bezirksbürgermeister Klaus Persch kündigten an, sowohl in Berlin als auch in der Lokalpolitik diesen Fragen nachzugehen. Ziel soll ein Ratsbeschluss sein, dass in den Schulen wieder gekocht werden darf. Und dass wieder Küchen gebaut werden. Im für 1,8 Mio. Euro umgebauten „Schwedenhaus“ in Frohnhausen habe man daran nicht gedacht.