Der KZ-Befreier aus Katernberg

Ehemalige Häftlinge und US-Soldaten, links vorne Herman Cohn aus Katernberg, kehren zurück ins KZ Dachau.
Ehemalige Häftlinge und US-Soldaten, links vorne Herman Cohn aus Katernberg, kehren zurück ins KZ Dachau.
Foto: History
TV-Sender „History“ stellt gebürtigen Essener vor. Herman Cohn kam als US-Soldat zurück nach Deutschland.

Katernberg..  Hermann Cohn, ein Katernberger Junge, spielt eine der Hauptrollen in der Fernseh-Dokumentation „Die Befreier“. Der Pay-TV-Sender „History“ zeigt den einstündigen Film über den letzten Tag des Konzentrationslagers Dachau am Sonntag, 31. Mai, 22 Uhr.

Das nahe München gelegene KZ Dachau wurde am 29. April von Soldaten der US-Armee erreicht. Was diese zum Teil erst 20-jährigen jungen Männer an diesem Tag erlebt haben, prägte sie ihr gesamtes Leben. Viele konnten erst Jahrzehnte später über die Grauen sprechen, auf die sie damals unvermittelt gestoßen waren. Denn ursprünglich sollten sie nur ein vermeintliches Waffen- und Benzinlager in Dachau zerstören. Doch was sie vorfanden, waren Zugwaggons voller Leichen und ein Lager mit 32 000 fast verhungerten Menschen. Der Sender „History“ hat aus Anlass des 70. Jahrestags der Befreiung noch lebende Zeitzeugen zu Wort kommen lassen.

Einer der Befreier war Herman Cohn, der am 8. September 1921 in Katernberg geboren wurde. Als er fünf Jahre alt ist, stirbt seine Mutter, so dass er mit seinem Bruder Walter bei der Großmutter aufwächst. Später zieht die Familie nach Gelsenkirchen, wo der Vater eine Textilmanufaktur übernimmt. Schon kurz nach der Machtübernahme leidet die Familie unter dem Nazi-Terror. Während Walter Cohn 1937 zu Verwandten in die USA geschickt wird, werden Vater Siegfried und Sohn Hermann im Zuge der Reichspogromnacht 1938 schwer misshandelt. Im Dezember 1939 erhält die Familie endlich Visa, um über die Niederlande nach Amerika flüchten zu können.

Im Frühjahr 1944 kehrt Herman Cohn als Soldat der US-Armee nach Europa zurück. In Süddeutschland wird er als Dolmetscher im kurz zuvor befreiten Konzentrationslager Dachau eingesetzt.

Bei der Vorpremiere des Films „Die Befreier“ lud der Fernsehsender den gebürtigen Essener nach München ein. In einer ergreifenden Szene zeigt History-Autor Emanuel Rotstein, wie er zusammen mit den damaligen Gefangenen und Soldaten erstmals nach 70 Jahren wieder durch das Eingangstor des KZ tritt. „Sie kümmerten sich um uns wie um Babys“, erinnerte sich Joshua Kaufman, der bei seiner Befreiung 17 Jahre alt war. Er wollte seinem Befreier eigentlich die Füße küssen, doch damals war er sogar dafür zu schwach.

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