„Buntstifte“ geben rechtzeitig Rat

Der Verein Buntstifte in Altenessen informiert und berät Mitbürger in Sachen Patientenverfügung und übernimmt die Betreuung. Foto v.l.: Vera Schmidt, Karin Wilczopdski, Manuela Joschka.
Der Verein Buntstifte in Altenessen informiert und berät Mitbürger in Sachen Patientenverfügung und übernimmt die Betreuung. Foto v.l.: Vera Schmidt, Karin Wilczopdski, Manuela Joschka.
Foto: Funke Foto Services

Altenessen..  Seit mehr als 20 Jahren – seit 1. Januar 1992 – gibt es das so genannte Betreuungsgesetz. Dass es für Laien schwer zu durchschauen ist, zeigen heute noch täglich die Erfahrungen des Betreuungsvereins Buntstifte e.V. in Altenessen. Er ist exakt so alt wie das Gesetz ist. „Im vergangenen Jahr hatten wir 620 Beratungen zu Vollmachten. Diesen Stand haben wir jetzt schon fast wieder erreicht“, sagt Karin Wilczopolski. Die 56-Jährige ist seit Gründung des Vereins dessen Vorsitzende.

Die Menschen, die anrufen oder in das Büro an der Altenessener Straße kommen, drängt meist die eine Frage: Was passiert, wenn ich meine persönlichen Angelegenheiten z. b. wegen einer Krankheit nicht mehr selbst regeln kann?

Das Gericht wird – wenn keine Vorsorge getroffen wird – einen Betreuer bestellen. Der hilft bei zuvor festgelegten Aufgaben. „Die Betreuer werden vom Gericht nicht nur eingesetzt, sondern auch von ihm kontrolliert“, erklärt Karin Wilczopolski. Buntstifte e.V. selbst führt Betreuungen durch und begleitet zudem ehrenamtliche Betreuer. Zurzeit werden 114 Menschen von geschulten Ehrenamtlern des Vereins betreut, zusätzlich 235 von den Hauptamtlichen. Betroffene können auch selbst einen Betreuer benennen, den das Gericht aber bestätigen muss.

Das Gesetz bietet zudem die Möglichkeit, durch eine Vollmacht Vorsorge zu treffen. Eine Person des Vertrauens (Ehepartner, Verwandter, Freund usw.) wird als Bevollmächtigter eingesetzt. Dieser muss nicht – im Gegensatz zum Betreuer – vom Gericht (formell) bestellt werden. Die Vollmacht, die sich über Entscheidungen in Fragen der Gesundheit, des Aufenthaltsorts und des Vermögens erstreckt, wird bei der Bundesnotarkammer in Berlin registriert.

„Es ist falsch, einfach zu glauben, das macht mein Ehepartner. Fehlt eine Vollmacht, wird erst ein Betreuer bestellt“, erklärt Vera Schmidt (50), ebenfalls seit Vereinsgründung eine Beraterin.

Vollmachten übernimmt Buntstifte e.V. nicht. „Da sind wir nur beratend tätig. Wir schauen gemeinsam, dass aus dem Kreis des Menschen jemand da ist, der Bevollmächtigter werden kann“, sagt Karin Wilczopolski.

Die dritte Säule der Vorsorge ist die Patientenverfügung. In ihr können Wünsche der medizinischen Behandlung bzw. Nichtbehandlung schriftlich festgelegt werden, die auch für einen Bevollmächtigten bindend sind. Einmal ausgefüllt, ist die Patientenverfügung aber nicht für immer und ewig gültig. Das liegt in der Natur der Sache. „Man kann sie jederzeit ändern. Einerseits macht die Medizin ständig Fortschritte, die man heute ja noch nicht in seine Entscheidung einbeziehen kann. Andererseits sieht man manches mit 70 Jahren vielleicht anders als noch mit 30“, erklärt Vera Schmidt.

Trotzdem: Der Altersdurchschnitt sinkt. Karin Wilczopolski: „Immer mehr jüngere Menschen treffen Vorsorge für den Fall, dass sie ihre persönlichen Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln können.“