Bremer Stadtplaner entdecken in Essen viel Neues

Hoch oben auf Zollverein, v.l. Eberhard Mattfeldt, Andreas Walter, Michael Schwamborn (EBB), Susanne Boltz, Stefan Boltz und Ingo Pohlmann.
Hoch oben auf Zollverein, v.l. Eberhard Mattfeldt, Andreas Walter, Michael Schwamborn (EBB), Susanne Boltz, Stefan Boltz und Ingo Pohlmann.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Bergbau und Currywurst hier, Werften und Fischbrötchen dort. Essen und Bremen haben nicht viel gemeinsam. Von einander lernen können sie aber doch.

Essener Norden..  Essen und Bremen – zwei Großstädte, die auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben: Die eine im Westen, die andere im Norden; die eine wichtiger Teil des Ruhrgebiets zwischen Rheinland und Westfalen, die andere gar ein eigenes Bundesland. Mit anderen Worten: Die Städte scheinen so unterschiedlich wie Currywurst und Fischbrötchen. Doch verbindet die beiden Städte mehr als nur eine Freundschaft zwischen den Anhängern ihrer bekanntesten Fußballvereine, denn sie stehen vor ähnlichen Herausforderungen.

Das erkannten auch Michael Schwamborn vom Essener Bürger Bündnis (EBB) und Stefan Boltz, als sie sich auf einem Seminar in Bremen kennenlernten. Boltz ist Referent für Stadtentwicklung der Stadt Bremen und erklärt das Zusammenkommen: „Die Einwohnerzahl ist fast gleich, und beide Städte stehen finanziell schlecht da. Der Bergbau und der Schiffbau sind außerdem zwei Industriezweige, die unsere Städte einst geprägt haben und mittlerweile fast komplett eingestellt wurden.“

Verschiedene Projekte

Also lud Michael Schwamborn den Bremer nach Essen ein. Am vergangenen Wochenende folgte Boltz mit vier weiteren Stadtplanern und Architekten der Einladung und besichtigte dabei an drei Tagen verschiedene Projekte, wie die Internationale Bauausstellung Emscher Park, die „Grüne Mitte Essen“, den Niederfeldsee, die Asylbewerberunterkunft des Landes (früheres Kutel), das Quartiersprojekt von Vivawest in Altenessen, Zeche Carl und das Gelände für eine mögliche Marina in Karnap. Bei dem Besuch stehe der Erfahrungsaustausch im Mittelpunkt, wie Schwamborn betont: „Wir wollen das Rad nicht ständig neu erfinden. Man kann von Ideen in anderen Städten lernen und so eigene Projekte verbessern und neue starten.“

Bei einem Besuch der Kokerei Zollverein zeigte sich Boltz beeindruckt von der Dimension der Industrieanlagen. Ingo Pohlmann, der die Führung leitete, hatte zugleich einen praktischen Tipp für die Bremer Delegation parat: „Das direkte Einzugsgebiet der Stadt ist gar nicht so entscheidend. Vielmehr geht es um ein klares, deutschlandweites Image.“ Er habe beispielsweise wenig Besucher in den Führungen, die aus dem Ruhrgebiet stammen, betonte Pohlmann.

Positives Fazit

Die Vermarktung der Industriekultur, wie sie in Essen in den letzten Jahren auch durch verschiedene Veranstaltungen gestärkt wurde, fehle in Bremen noch. Viele der großen Kräne von den Werften seien schon früh abgebaut worden. „Mit dieser Industrielandschaft kann man natürlich Touristen anlocken. Andererseits sind hier in Essen und auch in Bremen dadurch unglaublich viele Jobs verloren gegangen, was wiederum neue Probleme für die Struktur einer Stadt schafft“, überlegte Boltz.

Am Ende des Wochenendes zogen beide Seiten ein äußerst positives Fazit. Man habe jede Menge Inspiration gewonnen, freute sich Boltz, der sich zugleich für das umfangreiche Programm und die Gastfreundschaft bedankte. Selbstverständlich seien solche Einladungen nicht. Michael Schwamborn sieht die Zusammenarbeit erst am Anfang: „Unser Dialog hat jetzt begonnen und wir wollen auch weiter überregional denken. Es sind Herausforderungen wie die Unterbringung von Flüchtlingen, die heute fast alle großen Städte betreffen und bei denen wir uns mit Lösungen gegenseitig unterstützen können.“

Ein Gegenbesuch an der Weser ist bereits in Planung. Im Herbst möchte Stefan Boltz einer Essener Delegation Projekte der Hansestadt präsentieren.

Dann muss sich Michael Pohlmann, aller Voraussicht nach, wohl auf Fischbrötchen einstellen.