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Borbecker Fastenbier trotzt der Brauerei-Flaute

17.02.2010 | 17:08 Uhr
Borbecker Fastenbier trotzt der Brauerei-Flaute

Essen-Borbeck.Seit einem Vierteljahrhundert wird in der Borbecker Dampfbierbrauerei das Fastenbier ausgeschenkt. 20 Hektoliter des untergärigen Gerstensaftes stehen bereit - das einzige seiner Art in der Region, wie „Dampfe“-Chef Martin Grahl betont.

Drei heftige Hiebe, dann fließt das dunkle Gebräu. „O’zapft is!“, ruft Martin Grahl, Chef der Dampf-Bierbrauerei, und die Karnevalisten der „KG Klein aff“ applaudieren in freudiger Erwartung auf die Halbliter-Krüge mit nahrhaftem Fastenbier, welche die Kellnern reichlich herbeibringen.

Seit 25 Jahren beginnt in der „Dampfe“ jeweils am Aschermittwoch der Ausschank des traditionsschweren Fastenbieres. 20 Hektoliter, also 2000 Liter, des untergärigen Bieres stehen bereit, um zum Halbliterpreis von 3,60 Euro an durstige Kunden ausgeschenkt zu werden, die in der Fastenzeit auf „richtiges“ Bier verzichten wollen. Mogeln sich diese Zeitgenossen durch diese entbehrungsreiche Zeit, über die Papst Johannes Paul II. einst sagte: „Fasten ist ein unersetzliches Training, um in den Wettkämpfen des Lebens den Sieg davonzutragen?“ Zwar raten Mediziner, während des Fastens viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen, doch ob damit wirklich Bier gemeint ist, bleibt zu bezweifeln.

„Flüssiges bricht Fasten nicht“

Rein geschichtlich hat das Bier jedoch seine Existenzberechtigung: In den Klöstern galt von jeher das Bier als nahrhafte Ergänzung zur sonst eher kargen Klosterkost. Gemäß dem Motto „Flüssiges bricht Fasten nicht“ wurde besonders zwischen Aschermittwoch und Ostern ordentlich gepichelt. Doch dazu wurde eine Genehmigung aus dem Vatikan benötigt: Also schickte man ein Fässchen Fastenbier über die Alpen zum Heiligen Stuhl. Während der langen Reise wandelte sich das vorher köstliche Bier zu einer schalen Plörre. Der Papst kostete das Getränk, befand es als grässlich - und daher als dem Seelenheil der Mönche zuträglich. Es durfte gebraut werden.

Das heutige Borbecker Fastenbier - „das einzige in der Region“, wie „Dampfe“-Chef Grahl betont - wird in einem speziellen Brauverfahren, streng nach dem Reinheitsgebot, mehrfach im Sudhaus gekocht. „So kommen die Hopfen- und Röstaromen optimal zur Geltung“, erklärt Braumeister Stefan Junk. 5,5 Prozent Alkohol habe das etwas stärkere Bier, und etwa 20 Prozent mehr Kalorien als klassisches Pils. So kann der Fastende Energie zu sich nehmen, die er anderswo einspart.

Das Fastenbier und seine lange Geschichte passe ins „Dampfe“-Konzept erklärt Grahl: „Wir setzen auf Tradition und Bodenständigkeit. Bei uns isst und trinkt das Vorstandsmitglied mit dem Maurer an einem Tisch.“

Übrigens, von Krise keine Spur: Trotz der allgemeinen Flaute in der Braubranche sei der Bierabsatz in der „Dampfe“ durchgehend konstant. „Bier verkauft sich nur mit Leidenschaft“, sagt Grahl - und besonders dies werde in der traditionsreichen Dampf-Bierbrauerei Borbeck versucht - nicht zuletzt durch Sonderaktionen, wie etwa dem Ausschank des Fastenbieres.

Tobias Appelt

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