Begeisterung für Natur und Poesie im Arboretum

Das Arboretum  in Schönebeck schlägt einen Boegen zwischen Natur und Kunst.
Das Arboretum in Schönebeck schlägt einen Boegen zwischen Natur und Kunst.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Osterspaziergang durch den Skulpturenpark weckte Begeisterung für Natur und Poesie.

Essen-Schönebeck..  „An Blumen fehlt’s im Revier“, lässt Goethe seinen Faust beim Osterspaziergang behaupten. Nun, damit kann er ja nicht „unser“ Revier gemeint haben, denn dieses blüht selbst an Ecken auf, wo man es kaum erwartet. Zum Beispiel nahe der A 40-Ausfahrt Essen-Borkeck/Mülheim-Winkhausen. Dort breitet sich das Arboretum aus, eine grüne Oase an der Stadtgrenze, die der Landschafts- und Gartenbauer Hermann Trautmann auf seinem Firmengelände geschaffen hat. Am Samstag hat er dort zum poetischen Osterspaziergang geladen: Neben den floralen Freuden stand die hohe Dichtung im Vordergrund.

Rund 50 Neugierige sind in den Privatpark, den Trautmann nun seit fünf Jahren der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt, gekommen. „Ich hätte gerne 150 gehabt“, räumt Trautmann ein, „aber das Wetter hat die letzten Tage wohl nicht viel Lust auf einen Osterspaziergang gemacht.“ Dabei hat sich die Sonne an diesem Vormittag extra durch die Wolken gekämpft.

Erinnerungen an Monet

Wissenwertes rund um den Park

Vorbei an akkurat gepflanzten Beeten, die Monets Kunst in Erinnerung rufen, genießen die Besucher nicht nur die Natur, sondern auch die Worte von Dr. Werner Haubrich: „Es dringen Blüten Aus jedem Zweig Und tausend Stimmen Aus dem Gesträuch Und Freud’ und Wonne Aus jeder Brust. O Erd’, o Sonne! O Glück, o Lust!“ Voller Inbrunst trägt er das Mailied des großen deutschen Dichters vor – und erzählt gleich, was den Poeten zu solchen Zeilen veranlasst hat: „Goethe ist verliebt!“

Mit Bedacht hat der Germanist Werke ausgesucht, die Natur und Lebensfreude miteinander verquicken. Doch kann es auch grausam zugehen, wenn Mensch und Natur aufeinandertreffen, wie Goethe es seinem „Heidenröslein“ beschreibt: „Hier findet eine Vergewaltigung statt“, deutet er die Zeilen: „Röslein wehrte sich und stach, Half ihm doch kein Weh und Ach, Musst es eben leiden.“

Doch schon Goethe war auf Gleichberechtigung bedacht: „Mit ,Das Veilchen’ hat er das Gegenstück geschaffen“, so Haubrich. In dieser Ballade sehnt sich die Blume danach, von einem Mädchen gepflückt zu werden – doch dieses „Ertrat das arme Veilchen“.

Die Besucher lassen sich gerne von Haubrichs literarischer Begeisterung anstecken: „Durch seine Vorträge merkt man, dass Poesie etwas Wunderbares ist“, freut sich Elisabeth Wandorf. „In meinem Berufsleben als Krankenschwester habe ich leider keine Zeit gehabt, mich mit Gedichten auseinanderzusetzen – und in der Schulzeit habe ich das als eher lästig empfunden.“ Nun freue sie sich umso mehr über die Gelegenheit, Goethe neu entdecken zu können.

Des Volkes wahrer Himmel

Doch auch das Arboretum selbst findet an diesem Vormittag neue Fans: „Ich bin zum ersten Mal hier – und finde es ganz fantastisch“, freut sich Helga Miarka über den Park. „Nie hätte ich gedacht, dass sich hier auf so weiter Fläche so viel Schönheit verbirgt.“ Oder, wie es Goethe sagen würde: „Hier ist des Volkes wahrer Himmel.“