Barbara Jorring malt wie die alten Ägypter

Barbara Jorring.
Barbara Jorring.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Enkau... Was? Bis vor sechs Jahren kannte Barbara Jorring den Begriff Enkaustik nicht. Seitdem malt sie in der Technik, die die alten Ägypter schon kannten.

Borbeck.. Das hellblaue Gerät mit dem schwarzen Kabel in der Hand von Barbara Jorring sieht einem Miniatur-Bügeleisen zum Verwechseln ähnlich. „Das ist ein Mal-Eisen“, sagt die Borbeckerin. Für ihr künstlerische Werken ist es unerlässlich. Die 54-Jährige malt in Enkaustik-Technik, einer Technik, die bereits die alten Ägypter vor 3200 Jahren kannten und anwandten. „Zum Beispiel auch bei Wandzeichnungen im Grab von Tutenchamun“, erzählt die Borbeckerin.

Fürs Malen hat Barbara Jorring schon seit Kindesbeinen etwas übrig. „Im Kunstunterricht war ich immer sehr gut“, erzählt sie. Auf die vorchristliche Maltechnik kam sie allerdings viel später. Nachdem die 54-jährige frühere Arzthelferin nach einer Schaffenspause vor sechs Jahren wieder intensiver mit dem Malen begann, sah sie bei Tanja Hausmann, die ein Geschäft für Malbedarf in Borbeck hat, erstmals ein Werk in dieser Technik. „Den Begriff hatte ich zuvor noch nie gehört. Ich war gleich begeistert und habe einen Kurs bei Tanja gemacht“, erzählt Barbara Jorring. Seit vier Jahren stellt sie auch gemeinsam mit Tanja Hausmann und Karin Koopmann unter dem Namen „Crea-Diven“ aus.

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Die Technik ist eigentlich recht schnell erklärt. Mit dem erwärmten Maleisen wird mit Hilfe von Wachsstiften die Farbe auf den jeweiligen Untergrund gebracht. Das kann Leinwand sein, aber ebenso auch Metall oder Holz. Bei den alten Ägyptern war die Technik nicht ganz ungefährlich, denn in die Mischung der Wachsfarben kam auch Arsen. „Da sind einige dran gestorben“, sagt Barbara Jorring.

Die Zeiten sind längst vorbei. Das immerwährende Plus der Enkaustik-Technik ist geblieben: die Intensität der Farben. Das sieht man den Werken von Barbara Jorring an. Ob das Rot der Rosen, das Bunte in ihrem Lebensbaum oder das Fliederfarbene in „Man at Work 3“ – die Farben sind stets kraftvoll und strotzen vor Leben. Und sollte die Farbe wirklich mal ein wenig verblassen, hat die 54-Jährige einen einfachen wie wirkungsvollen Trick. „Das geht ganz schnell“, sagt sie, nimmt einen Seidenstrumpf, wischt kurz über das vor ihr liegende Bild, das sofort wieder in alter Frische strahlt.

Ein weiterer Vorteil der Enkaustik gegenüber Ölgemälden ist, dass die Bilder nicht ausbleichen oder Risse bekommen. „Die sind praktisch für die Ewigkeit“, sagt Barbara Jorring. Preislich können es Enkaustik-Bilder hingegen durchaus mit Werken anderer Techniken aufnehmen. Die amerikanische Flagge, gemalt von US-Amerikaner Jasper Johns, dem bekanntesten Vertreter der Enkaustik, wurde auf einen zweistelligen Millionenbetrag in Dollar taxiert.

Natürlich verkauft auch Barbara Jorring ihre Werke, will sich aber nicht dem Mainstream unterordnen. „Wenn es mir nur ums Verkaufen ginge, müsste ich ausschließlich Blumen malen. Die gehen immer“, sagt die Borbeckerin und lächelt.

Sie will weiterhin ihre Gefühle in Farbe ausdrücken. Und das geht oftmals nur abstrakt. Und am besten mit der Enkaustik.