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28.04.2008 | 14:40 Uhr

Diakonieläden schaffen Angebot für Bedürftige und eröffnen Wege heraus aus der Arbeitslosigkeit Der Laden in Katernberg entwickelt sich auch zum Treffpunkt im Stadtteil

Katernberg. Der neue Optimismus steht den Mitarbeitern des Diakonieladens Katernberg ins Gesicht geschrieben. Für viele von ihnen ist die Qualifizierungsmaßnahme an der Viktoriastraße 2 der erste Weg heraus aus der Arbeitslosigkeit. Dort verkaufen sie gebrauchte Bekleidung, Kinderspielzeug und Zeitschriften für Menschen mit kleinem Geldbeutel.

Die günstigen Produkte aus zweiter Hand - wie Kleidung, Kinderspielzeug, Bettwäsche oder Handtücher - stammen größtenteils aus Spenden von Privatleuten. Ein kleiner Teil stammt aus Kontingenten, die Unternehmen in unregelmäßigen Abständen aus überlagerten Restposten oder neuwertiger Fehlware an die Läden übergeben. "Gewisse Firmen wissen, dass wir solche Läden betreiben und melden sich dann bei uns", sagt Helga Glas, Leiterin der Diakonieläden der "Arbeit und Beschäftung in der Diakonie" (A.i.D).

In rund 50 Container können Bürger ihre Kleiderspenden geben, nach Bedarf kommen die Mitarbeiter der Diakonie auch nach Hause, um die Sachen abzuholen. Rund 530 000 Kleidungsstücke haben die Mitarbeiter im letzten Jahr empfangen und sortiert. Die Idee hinter den Läden besteht jedoch nicht nur aus der Versorgung mit günstigen, gebrauchten Waren, sondern gibt auch arbeitslosen Menschen und Hartz4-Empfängern eine neue Chance auf Beschäftigung.

Seit September 2005 besteht der Diakonieladen an der Viktoriastraße 2. Neu ist das Konzept nicht: vor fast 20 Jahren entstand die Möbelbörse des Arbeitsprojektes Haus-Wendelin-Straße. Das erste Geschäft startete 1997 an der Gerlingstraße. "Es gibt eine Bedürftigkeit nach Arbeit und nach gebrauchten Dingen", bringt Jens Schmalenberg, Betriebsleiter der "A.i.D", den Grundgedanken auf einen Punkt. Die Intention sei aber nicht, Geld zu verdienen, daher würden beispielsweise Verkaufsanfragen über größere Kleidermengen abgelehnt.

"Wir haben mittlerweile sehr viel Stammkundschaft", berichtet Helga Glas. Die große Nachfrage macht sie an der geringen Zahl von Bekleidungsgeschäften in den Stadtteilen fest. "Besonders beliebt und gefragt ist Kinderbekleidung", erzählt Roswitha Simonkovics, Leiterin des Diakonieladens Katernberg. Die Menschen seien sehr freundlich, brächten Kuchen und Plätzchen vorbei. "Die Ansprache wird geschätzt und bedeutet auch einen besonderen Zugang für ausländische Mitbürger", unterstreicht Schmalenberg.

Die großen Schaufenster zeigen die Offenheit des Angebotes. "Die Läden haben kein Schmuddelimage, die Leute haben keine Scheu hineinzugehen", meint Helga Glas. Dank der guten Lage in der Nähe des Katernberger Marktes habe sich auch ein gewisser Treffpunktcharakter entwickelt. Die Menschen kommen, plaudern oder schauen sich nach neuen Stücken im Sortiment um. "Auffallend ist, dass die Leute nicht nur zum Kauf kommen, sondern auch eigene Sachen bringen", findet Helga Glas.

Auch für Roswitha Simonkovics ist der Diakonieladen eine persönliche Erfolgsgeschichte. Die alleinerziehende Mutter aus Frohnhausen ist über die "Neue Arbeit" der Diakonie hinzugekommen und hat vorher eine zweijährige Qualifizierungsmaßnahme im Altendorfer Diakonieladen absolviert. "Ich habe damit angefangen, um vom Sozialamt wegzukommen und hätte nie gedacht, dass ich mal einen Laden leite", erzählt Roswitha Simonkovics stolz. Für viele ist die Gemeinwohlarbeit der Weg aus der Arbeitslosigkeit. Sie werden wieder an einen geregelten Arbeitsalltag gewöhnt und lernen, dass sie gebraucht werden.

"Man kommt in Kontakt mit den Menschen", schätzt Mitarbeiterin Helga Bengsch, die seit Januar in Katernberg tätig ist. Die gelernte Bekleidungsfacharbeiterin ist ebenso wie ihr Kollege Jacob Larbi über das Jobcenter der Arbeitsagentur an die "Neue Arbeit" des Diakoniewerkes Essen gelangt. Rund zehn Teilnehmer machen an der Viktoriastraße eine befristete Qualifizierungsmaßnahme, mit der sie später auch Chancen haben, in andere Betriebe vermittelt zu werden.

Von Tim Walther

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