Abgefahren
19.11.2007 | 20:17 Uhr 2007-11-19T20:17:01+0100Engpass mit einem Gleis an einer Bahnsteigkante bleibt. Schnellfahrweiche soll beim Halten des Taktes helfen.Planer arbeiten jetzt zum zweiten Mal für Neugestaltung der Station "Dellwig-Ost"
Dellwig. Wer an der Station "Dellwig-Ost" auf Verbesserungen - abgesehen von bekannten Verschönerungen - hofft: Dieser Zug ist abgefahren. Vom zweigleisigen Ausbau oder gar einer Zusammenlegung der Nord-Süd-Strecke mit der Ost-West-Verbindung auf der Nordseite der Donnerstraße redet in den Büros der "Deutschen Bahn AG" inzwischen niemand mehr. Was vor einigen Jahren noch als machbar galt, erscheint den Netzbetreibern, Immobilienverwaltern und Stationsmanagern bei "Die Bahn" inzwischen als zu teuer und auch "nicht notwendig". Das erklärte Karl-Wilhelm Drews, Manager des Essener Hauptbahnhofs und der umliegenden Haltepunkte, den Mitgliedern der Bezirksvertretung IV.
Diese staunten darüber nicht schlecht. Hatten sie doch extra Vertreter der "Deutschen Bahn AG" in ihre Sitzung eingeladen, um endlich Klarheit zu bekommen, was entlang der Gleistrassen in Dellwig und Bergeborbeck passiert und welchen Lärmschutz die Anlieger in Zukunft erwarten können. Der erste, Klaus Kowalewski, erläuterte, wer, wann und unter welchen Bedingungen aktiven oder passiven Lärmschutz in Anspruch nehmen kann und diesen, wenn der Bund aus seinem Topf dafür bezahlt, auch bekommt. Aber eigentlich sei er als "Mann von DB Netz" für Bauten neben der Strecke unzuständig. Fahrbetrieb und Bauten hätten abteilungstechnisch bei der Bahn nichts miteinander zu tun. "Aber sie sprechen doch miteinander über Planungen und Kosten?", hakte Klaus Pfahl (CDU), vorsichtshalber nach. Eine konkrete Antwort für Bergeborbeck oder Dellwig erhielt er von Kowalewski nicht. "Die Bundestagabgeordneten haben dafür gesorgt, dass die Deutsche Bahn AG heute in aus verschiedenen Zuständigkeitsbereichen besteht."
Karl-Wilhelm Drews konnte mehr berichten, sorgte aber auch nicht für hellere Mienen im Raum. Klar ist: Die verfolgten Ideen für einen zweigleisigen Ausbau der S-Bahn-Verbindung zwischen Gerschede und Bottrop bleiben auf der Strecke. Vor dem Prellbock gelandet sind damit auch teure Brückenbauwerke über Donnerstraße und Kanal. Die Widerlager stehen immer noch. Um Verspätungen - auf dieser Strecke auch ohnen Lokführerstreik fast normal - zukünftig vermeiden zu können, wollen Netzplaner der Bahn zwischen den Stationen "Ger-schede" und "Dellwig-Ost" eine schlanke Weiche einbauen lassen. Diese so genannte Schnellfahrweiche - bekannt von den ICE-Pisten - ermölicht Zügen einen flotteren Gleiswechsel. "Danach bleibt in ,Dellwig-Ost' nur ein Gleis wie bisher", beschreibt Karl-Wilhelm Drews die neuen Pläne. Für deren Verwirklichung holte er sich letzten Freitag in Bon bei einem Treffen mit weiteren Verantwortlichen und Zuschussgebern grünes Licht. Abwer er werde noch einigen Jahre dauern, bis wirklich in Dellwig etwas passiert. frh-Siehe auch: "Wand beruhigt"
Kommentar: Augenwischerei
23:15
Das die Deutsche Bahn das S-Bahn-Netz Rhein-Ruhr wegen des vergleichsweise hohen Aufwands (separate Streckenführung, Langstreckentaugliche und zugleich sprintstarke Fahrzeuge) auf der einen Seite und des geringen Takts (weniger Bestellerentgelte) auf der anderen Seite wenig schätzt und vernachlässigt weiß doch jeder.
Da hilft nur eins: Endlich das S-Bahn-Netz ausschreiben und - wie in Niedersachsen - die Fahrzeuge mit Landesmitteln erwerben und den Betreibern zur Verfügung stellen.
Nur so gibt es einen Wettbewerb und verbesserte Bedingungen für die Fahrgäste.