Das aktuelle Wetter Essen 18°C
Verkehr

Nord-Süd-Autobahn - das endlose Pläneschmieden

18.03.2010 | 12:33 Uhr
Nord-Süd-Autobahn - das endlose Pläneschmieden

Essen. Die Nord-Süd-Autobahn bleibt ein Streitthema. Seit mehr als 30 Jahren herrscht keine Einigkeit. Wann mit einer Realisierung des Verkehrsgroßprojektes A52-Weiterbau und Ruhralleetunnel zu rechnen ist, kann auch Straßen NRW nicht sagen: Es könnte in sechs Jahren soweit sein, vielleicht aber auch nie.

Über 30 Jahre wird nun diskutiert, und noch immer ist sich die Stadtgesellschaft in der Frage der Nord-Süd-Autobahn nicht einig, wird es wohl auch niemals sein. Entsprechend melancholisch war hier und da die Stimmung als Jörg Reißing vom Landesbetrieb Straßenbau NRW jüngst dem Essener Arbeitskreis für Architektur und Stadtkultur den aktuellen Planungsstand für den A 52-Weiterbau und für den Ruhrallee-Tunnel erläuterte. Auf die Frage, wann denn mit einer Realisierung dieser Verkehrsgroßprojekte zu rechnen sei, konnte Rei­ßing nur auf die Unwägbarkeiten der Planung verweisen: Es könnte in sechs Jahren soweit sein, vielleicht aber auch nie.

Info
Teure Ausfahrt

Soll der Ruhrallee-Tunnel für die Westfalenstraße eine Extra-Ausfahrt erhalten? Der verkehrliche Nutzen rechtfertigt nach Ansicht von Straßen NRW eine solche Mehrausgabe nicht. In der Variante II (direkte Tunnelführung) kostet die Ruhrallee-Röhre „nur“ 265 Millionen Euro, die Variante 1 mit Ausfahrt hingegen 322 Millionen Euro.

Nach den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte tendieren viele Essener eher zu letzterer Annahme. Neben der politischen Durchsetzbarkeit, die vor allem bei der A 52 trotz einiger Tunnel immer noch fraglich ist, stellt sich natürlich auch die Frage der Finanzierbarkeit.

Beide Projekte befinden sich zwar beim Bund in der Kategorie „vordringlicher Bedarf“, allerdings steht dort so manches Wichtige, dessen Realisierung in weiter Ferne liegt. Projektleiter Reißing ließ durch die Blume anklingen, dass die Begeisterung vor Ort größer sein könnte: „Wie sich die Stadt zu diesen Bauvorhaben stellt, spielt für den Bund als Geldgeber eine wichtige Rolle.“ Im Klartext: Wenn es vor Ort zu viel Ärger und Endlos-Debatten gibt, dann wandert das knappe Geld für Investitionen womöglich dahin, wo es willkommen ist.

Straßennetz unter Druck

Der geplante Ruhrallee-Tunnel beginnt in beiden Varianten an der Wuppertaler Straße in Höhe Heisingen und endet kurz vor der A52-Anschlussstelle Bergerhausen.

Dennoch treibt Straßen NRW beide Projekte voran, und zwar im Stil der Salamitaktik, zu der die Autobahnämter mit der ihnen eigenen Zähigkeit gerade im Ruhrgebiet übergegangen sind: Man baut Stück für Stück immer da, wo es Baurecht gibt, und erhöht so den Druck, auf die noch nicht gebauten Teile der Gesamttrasse. Durch die Autobahn A 44, die jetzt noch lückenhaft, in wenigen Jahren aber durchgängig von Düsseldorf bzw. Wuppertal bis an die Kreuzung Frankenstraße/Maria-Juchacz-Straße in Rellinghausen führt, ist schon jetzt mächtig Druck entstanden. Faktisch ist es so: Eine vierspurige Schnellstraße endet an einer städtischen Ampelkreuzung, wodurch zehntausende Autos täglich in das Stadtstraßennetz eingestöpselt werden, ohne dass dieses darauf ausgelegt wäre. Ein Zustand, der zwangsläufig Staus und eine Überlastung der nach der Kreuzung folgenden Ruhrallee zur Folge hat.

Ein Tunnel unter der Ruhrallee würde helfen, darüber sind sich alle einig. Derzeit befahren rund 64 000 Fahrzeugen oberirdisch die Straße, wobei es sich in drei von vier Fällen um Durchgangsverkehr handelt, der zur A 52/A 40 oder in Richtung Innenstadt strebt. Laut Gutachten ist in den nächsten Jahren noch mit einer weiteren Steigerung von acht Prozent zu rechnen - eher ein Mittel- als ein Maximalwert, so Reißing

Von der Stadtpolitik wird demnächst eine Entscheidung erwartet, welche der beiden Tunnel-Varianten sie will: die komplizierte und teurere, die sich am Verlauf der Ruhrallee orientiert und womöglich noch eine Abfahrt zur Westfalenstraße erhält, oder eine einfacher zu bauende Röhre quer durch Bergerhausen. Straßen NRW hält diese für erheblich realistischer. Die Stadt wäre wohl klug beraten, sich am Pragmatismus der Autobahnplaner zu orientieren, bevor sie am Ende leer ausgeht.

Frank Stenglein

Facebook
 
Kommentare
19.11.2010
18:24
Nord-Süd-Autobahn - das endlose Pläneschmieden
von marcwause | #22

@1:
Ein Schlag ins Gesicht aller Berufspendler, die hier und woanders täglich im Stau stehen.
Man muß auch mal etwas globaler denken.
Wer wohnt und arbeitet schon gerne in einer Stadt, in der man nicht vorran kommt?
Mobilität gehört heute zu unserer Gesellschaft. Und Autobhnen gehören in das Stadtbild einer jeden Metropole.
Besser, Sie ziehen auf Land. Ein Neinsager weniger.

19.03.2010
12:45
Nord-Süd-Autobahn - das endlose Pläneschmieden
von mao | #21

#20
Bis auf den ersten Satz kann ich vollkommen zustimmen.
U-Bahnbau ist auch teuer, aber prestigeträchtig, musste daher fast jede kleine Großstadt haben. Das Geld fehlt in vielen kleinen Dingen, da brauch ich nicht 3 Mrd. € in 2 Bahnhöfe (Stuttgart, Berlin) versenken, sondern kann alle Haltepunkte ordentlich mit Informationstechnologie, Notrufsäulen u.ä. ausstatten, kostet aber nur ein Bruchteil.

19.03.2010
09:57
Nord-Süd-Autobahn - das endlose Pläneschmieden
von 0_0 | #20

Wieso kann man als Alternative die U-Bahn nicht ausbauen? Der ÖPNV muss ausgebaut und sicherer gemacht werden. Wenn die Städte insgesamt vernünftig vernetzt wären bräuchte man nicht unbedingt weitere Autobahnen. Die Pendlerpauschale gehört auch abgeschafft, warum ziehen denn viele Leute aus der Stadt? Ich kauf mir ein Eigenheim im Umland und fahre mit dem Auto in die Stadt zu meinem Arbeitsplatz, es trifft natürlich nicht immer zu, aber es trägt meiner Meinung nach auch zum erhöhten Pendlerverkehr bei.

19.03.2010
07:55
Nord-Süd-Autobahn - das endlose Pläneschmieden
von aktivbiker | #19

Wann ist der Tunnel fertig? In 15-20 Jahren? Für wen dann? Fahrradfahrer? Ein Normalmensch wird sich dann kein Auto mehr leisten können!!

19.03.2010
07:32
Nord-Süd-Autobahn - das endlose Pläneschmieden
von autobahngegner | #18

Wenn man aufmerksam liest, wird man feststellen, dass man mit diesem Tunnel keineswegs in die Essener Innenstadt kommt, wo aber morgens die meisten Leute hinwollen. Die Vorzugsvariante (auch gleichzeitig die billigste) erhält nämlich keine Abfahrten bis zu A52. Man wird auf der Ruhrallee also weiterhin Stoßstange an Stoßstange stehen!

@5 Der Verkehr verschwindet zwar im Tunnel; aber ermuss auch dorthin kommen, und bis dahin fließt er oberirdisch durch das Ruhrtal. Das macht enorm viel Krach und durch den Tunnel wird dann zusätzlicher Verkehr erzeugt.

@7 Die Ampelanlage an der Kreuzung Wuppertaler Straße / Frankenstraße wird ab ca. 6.30 Uhr so umgeschaltet, dass auf der B227 immer nur ein paar Autos durchflutschen können, damit sich der Verkehr nicht auf der Frankenstraße und der Maria-Juchaz-Straße zurückstaut. Dafür gibt es im Hauptverkehrsstrom auf der B227 einen Rückstau bis zur Abfahrt Heisingen. Bis 6.30 Uhr ist die Ampelanlage so geschaltet, dass der Verkehr auf der B227 optimal fließt. Ich bleibe bei meiner Meinung: Ampelschaltung verbessern, die Verkehrsströme von Frankenstraße und Maria-Juchaz-Straße anders lenken oder dort Stau riskieren und dann läuft es. OHNE Tunnel!

18.03.2010
23:18
Nord-Süd-Autobahn - das endlose Pläneschmieden
von Ruhrkritiker | #17

Die Belastung auf der A52 wird geringer sein. Warum?
Nun an der A40 liegen Duisburg, Mülheim, Essen, Bochum, Dortmund...
An der A52 Gladbeck, Bottrop,Essen,Velbert.... Nuuun warum da die A40 höher belastet sein wird dürfte klar sein.

18.03.2010
20:42
Nord-Süd-Autobahn - das endlose Pläneschmieden
von Sam | #16

Zunächst ein paar Fakten, die dazu beitragen sollen, das Unternehmen Ruhrallee-Tunnel und die Durchstreckung der A 52 durch den Essener Norden etwas besser zu verstehen:
1. Die ursprüngliche Absicht des Bundes, die A 44 von Düsseldorf bis nach Bochum zu leiten, um von dort die Anbindung nach Norden herzustellen, dieser Plan ist gescheitert und wird nicht weiter verfolgt. Statt dessen hat man nun vor, den überregionalen Durchgangsverkehr über eine Durchstreckung der A 52 nach Norden, d.h. durch die nordöstlichen Quartiere der Großstadt Essen zu führen.
2. Der Ruhrallee-Tunnel hat im Grunde nur in diesem Zusammenhang einen Sinn. Mit der Fertigstellung der A 44 bei fehlender Weiterleitung in Richtung Bochum käme ein enormer Druck auf die Stadt Essen selbst zu. Und genau damit würde sich die bestehende Situation verschärfen. Wenn nur der Ruhrallee-Tunnel gebaut würde, würde sich nach den veröffentlichten Prognosen überirdisch auf der Ruhralle zwar die Verkehrsbelastung von ca. 60 tsd Autos pro 24 Std. halbieren, aber für den Tunnel rechnet man mit ca. 40 tsd. Autos pro 24 Std. Im Saldo drücken dann nach Fertigstellung rund 70 bis 80 tsd Autos pro Tag auf den Flaschenhals Kreuz A 52 / Ruhrallee! Wo sollen die hin?
3. Daher die Forderung der Stadtverwaltung, daß der Tunnel nur zusammen mit der Durchstreckung der A 52 parallel zur Altenessener Str. nach Norden einen Sinn macht.

Nun aber genau aufgepaßt: Die Planung sieht vor, daß im südlichen Teil der A 52 100 tsd. Autos pro Tag und in nördlichen Teil 75 tsd Autos die vierspurige Trasse befahren werden. Etwa 1/3 der etwa 7 km langenStrecke soll dabei untertunnelt werden. Nebenbei: Alles zusammen mit einem enormen Kostenaufwand.

Die Frage, die man stellen muß, ist es eine win-win-Situation, von der sowohl die Stadt Essen als auch der überregionale Durchgangsverkehr profitieren wird, oder überwiegen für Essen eher die Nachteile? Könnten die Nachteile abgefedert werden, z.B. indem man eine (fast) vollständige Untertunnelung verlangt?

Mich stimmt auch der folgende Punkt nachdenklich: Wer sich die Karte der Bundesautobahnen einmal anschaut, wird sehen, daß die A 52 eine neue Nord-Süd-Pipeline darstellt. Die Navi-System werden dazu beitragen, daß diese neue Pipeline bis zur Belastungsgrenze ausgereizt wird. Nur zum Vergleich: Die A 40 , die auch schon unsere Stadt unsäglich trennt, fährt mit einer Belastung von rund 150 tsd Autos pro 24 Std. Wer sagt, daß es mit der A 52 so anders sein wird? (Hinzu käme die Info von # 15)

# 13 hat in diesem Zusammenhang nicht ganz Unrecht: Wie lange wird schon von der Abdeckelung der A 40 geredet, ohne daß etwas geschehen ist?

18.03.2010
18:11
Nord-Süd-Autobahn - das endlose Pläneschmieden
von mao | #15

#14
Klar Duisburg ist auch die einzige Stadt, die ich München, London oder Rom vorziehen würde, bei so vielen tollen Autobahnen im Zentrum.
Die Autobahn ist dafür geplant mehr Verkehr durch Essen zu bekommen und nicht weniger. Als ob Gladbecker-u.Altenessener Straße sich in beruhte Zonen verwandeln würden.
MAn lese z.B. zu Navis in der letzten ADAC-Motorwelt, dass allein 10%, die von einer Autobahn einen Stau umfahren innerstädtisches Chaos produzieren.
Jetzt schon beim Stau Essen-Ost über Ruhraallee, Westfalenstraße praktiziert. Wenn der Tunnel ger nicht an die Westfalenstraße abgeht, dann geht es weiter wie bisher.

18.03.2010
17:23
Nord-Süd-Autobahn - das endlose Pläneschmieden
von Stefan112 | #14

@qman: Danke für diese hilfreiche Aussage; es macht natürlich viel mehr Sinn, daß die Anwohner der Ernestinenstraße den ganzen Mist Tag für Tag oberirdich mitkriegen; von der Gladbecker-u.Altenessener Straße ganz zu schweigen. Baut endlich diese verdammte A 52 durch, damit die innerstädtischen Straßen entlastet werden, hat in Duisburg (A59) ganz hervorragende Effekte gehabt. Allerdings scheint in Essen immer noch die Mentalität Kleines gallisches Dorf zu herrschen, wie immer Provinz bleibt Provinz, da hilft auch der Kulturhauptstadt-Quark nichts...

18.03.2010
14:49
Nord-Süd-Autobahn - das endlose Pläneschmieden
von mao | #13

Die Stadt wäre gut beraten, sich nicht nur als Verkehrsknotenpunkt zu begreifen.
Warum soll der Transitverkehr durch Essen gehen?
Stau im Straßenverkehr ist ein städtisches Phänomen, da hilft keine Extra-Autobahn. Gibt es in London eine Autobahn im Zentrum, nein weil die keiner will und nicht, weil es keinen Stau gibt.
Man führt den Verkehr großräumig um Ballungsgebiete herum und nicht mitten durch.
Wo haben wir denn die seit Jahren verspochenen Deckel an der A40/A52 zum Lärmschutz. Dafür ist kein Geld da und man fängt die nächste Baustelle an.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3447066/create

Aktuelle Fotos und Videos
Raucher als Kunstwerke
Bildgalerie
Ausstellung
Remis gegen Vizemeister
Bildgalerie
Frauenfußball
Mini Europameisterschaft
Bildgalerie
Fußball
Der FC Kray ist Meister
Bildgalerie
Fußball
Aus dem Ressort
In sicherer Entfernung
Landespolitik
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Rolf Hempelmann wird als NRW-Minister gehandelt.
Geeignet, aber unerwünscht
Personal
Der Essener Westen soll eine neue Verwaltungsbeauftragte bekommen, doch die Bezirkspolitiker sind damit nicht einverstanden. Nun schießen sie scharf gegen OB Paß und die Verwaltung.
Foto 1 Kommentare 1