Nicht unter Generalverdacht

Sicherheitsschleusen in städtischen Ämtern, bei der Arbeitsagentur oder den Jobcentern halten die Verantwortlichen in Essen nicht für den richtigen Weg, um die Mitarbeiter vor gewalttätigen Übergriffen und Aggressionen zu schützen. Eine solchen Forderung hatte in dieser Woche der Vorsitzende des Deutschen Beamtenbundes geäußert.

„Solche Schleusen sind das Letzte, was wir wollen“, sagt Katja Hübner, die Sprecherin der Arbeitsagentur. „Denn wir möchten unsere Kunden nicht unter einen Generalverdacht stellen.“ Der Personalratsvorsitzender der Stadt, Kai Uwe-Gaida, sieht in den Schleusen, wie es sie zum Beispiel am Flughafen und den Essener Gerichten gibt, nur einen begrenzten Nutzen. „Dadurch können zwar gefährliche Gegenstände entdeckt werden, aber die Schleusen machen einen Menschen ja nicht weniger aggressiv“, sagt Gaida, der die städtischen Behörden in puncto Sicherheit für gut aufgestellt hält.

So sind Mitarbeiter der Ämter mit Alarmknöpfen an ihren Computern ausgestattet, mit denen sie im Notfall einen stummen oder lauten Alarm auslösen können. Außerdem werden die Angestellten und Beamten geschult, wie sie in Konfliktsituationen reagieren können. In der Arbeitsagentur und den Jobcentern sind die Büros durch eine sogenannte „Fluchttür“ miteinander verbunden. Zudem sind in den Eingangsbereichen der Jobcenter ständig Sicherheitsleute im Einsatz.

Trotz dieser Vorkehrungen können Zwischenfälle nicht ausgeschlossen werden. „Es gibt keine absolute Sicherheit“, so Gaida. Tätliche Übergriffe sind in den Essener Behörden selten, vielmehr kommen die Aggressionen auf der verbalen oder symbolischen Ebene: Beleidigungen, aus Wut abgeräumte Schreibtische der Sachbearbeiter, bis hin zu nach der Arbeit abgepasste Beamten. Gaida selbst beobachtet in den vergangenen Jahren eine Zunahme der Aggressivität und macht dafür als Ursache unter anderem ein hausgemachtes Problem der Stadtverwaltung aus: „Die deutlich zugenommenen Wartezeiten sorgen bei vielen Leuten für Frustration.“