Nicht noch mehr Grün versiegeln

Reservefläche: Die Kleingartenanlage am Weidkamp in Borbeck steht auf der neuen Nutzungsliste für Wohnungsbau.
Reservefläche: Die Kleingartenanlage am Weidkamp in Borbeck steht auf der neuen Nutzungsliste für Wohnungsbau.
Foto: Remo Bodo Tietz, NRZ
Was wir bereits wissen
Der Runde UmweltTisch lehnt das neue Flächenkonzept des Planungsdezernenten, deutlich mehr Flächen für neue Gewerbe- und Wohngebiete zur Verfügung zu stellen, rundweg ab. Stattdessen sollten alte Wohnviertel attraktiver gestaltet und Gewerbe auf vorhandenen Flächen angesiedelt werden

Essen.. Der Vorstoß des Planungsdezernenten Hans-Jürgen Best, deutlich mehr Flächen für neue Gewerbe- und Wohngebiete zur Verfügung zu stellen, ist beim Runden UmweltTisch Essen (RUTE) auf heftige Kritik gestoßen. Auch deshalb, weil im Vorfeld Bürgerinitiativen sowie Teile der Verwaltung nichts davon erfahren hätten. Die Informationspolitik des Stadtdirektors sei „nicht akzeptabel“, erklärte Moderator Dieter Küpper beim RUTE-Neujahrsempfang im Forum Kunst und Architektur.

Diese „Geheimniskrämerei“ sei soweit gegangen, dass Grün und Gruga sowie Bau- und Umweltdezernentin Simone Raskob „offensichtlich bewusst umgangen wurden“, so der RUTE-Moderator. Der Oberbürgermeister müsse laut Küpper die Einbeziehung der zuständigen Beigeordneten bei einem solch wichtigen Thema sicherstellen.

Konzept für „bedarfsgerechte Flächennutzung“ vorgestellt

Wie berichtet, hatte Dezernent Best vor knapp drei Wochen das Konzept für eine „bedarfsgerechte Flächennutzung“ vorgestellt und will zu den 119 Hektar, die für den Wohnungsbau reserviert sind, weitere 55 Hektar hinzufügen. Ebenso weitere 82 Hektar zu den 125 Hektar, die für Gewerbegebiete vorgehalten werden. Dabei geht es zum großen Teil um Flächen im Essener Süden – betroffen sind auch Kleingartenareale, Grünflächen und Ackerland.

Hans-Jürgen Best kündigte an, sich auf „kritische Diskussionen“ einzulassen. Die bekommt er jetzt. Der Runde UmweltTisch in Essen will sich mit dem Naturschutzbund Nabu zusammentun, um das neue Flächenkonzept zu verhindern, erklärte Dieter Küpper gestern der NRZ. Dies sei zuletzt 2008 erfolgreich geschehen, als zusätzliche Flächen für Wohnungsbau und Gewerbe-Areale bereitgestellt werden sollten. Die damaligen Pläne würden „in wesentlichen Teilen“ den heutigen Vorschlägen der Verwaltung entsprechen, stellte der Runde UmweltTisch fest. Der NABU will möglicherweise schon in der nächsten Sitzung der Unteren Landschaftsbehörde eine Stellungnahme dazu abgeben.

Mehr als 10.000 Wohnungen sollen leer stehen

Der Runde UmweltTisch weist darauf hin, dass Essen Ende 2011 mit 2739 Einwohnern pro Quadratmeter unter den 50 größten deutschen Städten die fünfthöchste Bevölkerungsdichte hatte – an den ersten Stellen standen München (4300) und Berlin (3800). Wegen der prognostizierten Bevölkerungsabnahme versuche die Stadt Essen mit neuen Bauflächen die Zahl der Bürger konstant zu halten. Dafür müssten, so der UmweltTisch, aber keine weiteren Freiräume und Grünflächen versiegelt werden. Stattdessen aber die vorhandenen Viertel attraktiver gestaltet und Gebäude, die für eine Sanierung nicht mehr geeignet sind, abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden. Zudem würden derzeit mehr als 10.000 Wohnungen leer stehen.

Neue Gewerbeansiedlungen seien auch auf vorhandenen Flächen möglich. „Unattraktiver Bestand“ müsse abgerissen werden, um dort neu planen zu können, so der Vorschlag vom UmweltTisch.