Neues Zuhause dringend gesucht
19.07.2010 | 15:59 Uhr 2010-07-19T15:59:00+0200
Kettwig.Die Lage ist dramatisch, die Wartelisten sind lang. Die Kindergärten und Kindertagesstätten platzen aus allen Fugen, die vorhandenen Plätze reichen bei weitem nicht aus. Bei der Kinderinitiative Kettwig e.V. am Bögelsknappen „werden sogar schon Ungeborene angemeldet“, weiß Dr. Martin Fischer, Vorsitzender des Trägervereins. 45 Kinder in zwei Gruppen besuchen die Einrichtung, die von Eltern gegründet wurde und weit über die Grenzen des Stadtteils hinaus einen guten Ruf genießt.
Doch was nutzt das beste Konzept, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Und das bezieht sich im Fall der KiK auf den Pavillon, in dem die Kindertagesstätte untergebracht ist. Auf einem Waldstück hinter dem ehemaligen Kinderheim, das Prof. Werner Ruhnau vor vielen Jahren kaufte, steht das „Gebäude“. 1981 als Provisorium für das Kettwiger Jugendzentrum gebaut, sollte es eigentlich, als „Eckhaus“ fertiggestellt war, wieder abgerissen werden. Doch die KiK fand dort ein Zuhause, auf nur 190 Quadratmetern - als Übergang...
Zu Beginn gab es Querelen mit Prof. Ruhnau: „Es wurde ein Wegerecht eingeräumt - und so gingen und fuhren alle, die zur KiK wollten, über mein Grundstück.“ Und viele stellten ihre Autos einfach ab - die unzähligen Falschparker hat Ruhnau per Fotobeweis dokumentiert. „Kinder sind mir immer willkommen“, sagt der 88-Jährige. „Aber möchten Sie, dass jemand ständig durch ihren Garten läuft?“ Von den anfänglichen Meinungsschwierigkeiten ist heute nichts mehr zu spüren - die KiK und Prof. Ruhnau verfolgen gemeinsam ein Ziel: Die Initiative braucht einen neuen Standort.
Doch das gestaltet sich schon schwierig. Dr. Martin Fischer: „Seit einigen Jahren suchen wir mit großem Nachdruck, 2005 waren wir nah dran, hatten für eine alte Lagerhalle im Teelbruch schon verschiedene Pläne eingereicht. Doch letzendlich war die Miete zu hoch, und das Projekt war gestorben.“ Auch ein gemeinsamer Standort mit der Post an der Güterstraße war im Gespräch, doch auch das zerschlug sich.
2007 dann ein Anruf von der Stadt. Die vorhandenen KiTa-Plätze würden dringend gebraucht, ein Umzug sei die einzige Möglichkeit - und gleich drei Standorte waren im Gespräch. An der Icktener Straße, erneut im Teelbruch - und auf dem Gelände der Schmachtenbergschule.
2009 gab die Stadt ein Gutachten über den Standort neben der Grundschule in Auftrag. Grünes Licht für die Initiative - jedoch ohne finanzielle Unterstützung der Stadt. Alles schien perfekt, denn die KiK hatte bereits einen engagierten Investor gefunden. Der Bauherr aus Münster kennt Kettwig, hat bereits das Vorhaben Schmachtenbergstraße/Felkestraße umgesetzt.
560 Quadratmeter auf zwei Ebenen - so großzügig könnte die Zukunft der Einrichtung aussehen. Könnte - wenn da nicht die Tatsache wäre, dass die Stadt das Grundstück neben der Schule mit einem Verkehrswert von 264 000 Euro bewertet hat und sich daraus eine Miete von knapp 800 Euro ergibt.
Dr. Martin Fischer: „Das können wir auf keinen Fall stemmen. Wir refinanzieren uns zu 99 Prozent, müssen derzeit keine Mietkosten aufbringen.“ Ihm fehlt auch das Verständnis für die Tatsache, dass ein Grundstück, das niemals als „normales“ Bauland genutzt werden kann, so hoch bewertet wird.
Gedanken macht sich der Kettwiger Apotheker auch über die Tatsache, „dass wir für die alten Räumen vielleicht irgendwann die Betriebserlaubnis nicht mehr bekommen. Für die U-3-Kinder haben wir als Wickelauflage ein Brettchen in die Duschkabine gebaut. Die Kinder finden dieses Provisorium toll, aber wir müssen mittlerweile an zu vielen Ecken und Enden einfach nur flicken... - wenn es nach uns ginge, wären wir hier schon lange weg.“
Eine Notsituation - auch für Prof. Werner Ruhnau. „Die Kinderinitiative hat ein tolles Konzept, aber für mich ist die Situation sehr schwierig. Um das Haus zu unterhalten, muss ich vermieten. Die Situation auf dem Gelände trägt aber nicht dazu bei.“
Er wünscht der Einrichtung viel Glück - und beide Seiten hoffen auf Einsicht bei der Stadt und auf einen baldigen Umzug. Vom Bögelsknappen zur Schmachtbergstraße.
21:05
Das Problem der Kinderbetreuung muss gelöst werden. Sowohl die Bedingungen für bestehende Kitas und Elterninitiativen, als auch die Kitaplatz-Situation!
Wir (zwei betroffene Essener Mütter) haben ein Forum zum Thema gegründet, um etwas gegen die katastrophale Situation zu unternehmen.
http://keinkitaplatzessen.xobor.de/
Wir begrüßen gerne alle Betroffenen, Unterstützer und Sympathisanten.
Wir freuen uns über JEDES neue Mitglied. Nur in der Masse könne wir etwas bewegen!