Neues Wohnen und Raum für Sozio-Kulturelles in der Schule Bärendelle

Die ehemalige Hauptschule Bärendelle in Frohnhausen steht seit 2011 leer.
Die ehemalige Hauptschule Bärendelle in Frohnhausen steht seit 2011 leer.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Eine Stiftung will bis zu acht Millionen Euro in das denkmalgeschützte Schulgebäude in Essen-Frohnhausen investieren, das durch eine Besetzung Schlagzeilen machte. Neben den 51 Wohnungen soll Raum sein für Sozio-Kulturelles.

Essen.. Mehr als eineinhalb Jahre nach der spektakulären Räumung der besetzten „Bärendelle“ durch die Polizei, hat die Stadt eine neue Nutzung für die ehemalige Hauptschule in Frohnhausen gefunden. Die Stiftung „Mein Wohnen“ wird das denkmalgeschützte Gebäude von 1914 von der Stadt erwerben und umbauen. Vorgesehen sind 51 Mietwohnungen mit Loggia oder Balkon für Singles wie auch für Familien. Der Clou: Im Erdgeschoss will „Mein Wohnen“ 500 Quadratmeter für kulturelle oder soziale Zwecke herrichten. Eine solche Nutzung hatten Hausbesetzer im Sommer 2013 eingefordert. Inzwischen macht sich eine Bürgerinitiative für dieses Ziel stark.

Die Stiftung „Mein Wohnen“ kann sich nach den Worten ihres stellvertretenden Vorsitzenden, Reinhard Fleurkens, sehr gut vorstellen Räumlichkeiten einem noch zu bennenden Träger für eine sozio-kulturelle Einrichtung für einen symbolischen Mietpreis zu überlassen. Allenfalls die Betriebskosten wären zu tragen. „Wir sind da offen“, sagte Reinhard Fleurkens. Vorausgesetzt, es handele sich um eine „wohnverträgliche“ Nutzung. Im Klartext: „Trompeten- oder Schlagzeugunterricht wird schwer werden.“

Im Herbst könnte der Umbau des seit 2011 leerstehenden Schulgebäudes beginnen, Ende 2016 könnten die ersten Mieter einziehen. Der Rat der Stadt muss dem Verkauf noch zustimmen. Gespräche mit der Baubehörde und dem Denkmalschutz verliefen aber bereits vielversprechend, so Fleurkens. Kritik baut der Investor vor: „Wir machen keine Luxuswohnungen.“ Der Mietpreis soll sich je nach Wohnungsgröße zwischen sechs und acht Euro pro Quadratmeter bewegen. Sieben bis acht Millionen Euro wird „Mein Wohnen“ in die Bärendelle investieren. Über den Kaufpreis schwiegen sich beide Seiten am Donnerstag aus.

Städtische Einrichtungen nicht wirtschaftlich

Vor drei Jahren hatte die Stiftung von der Immobiliengesellschaft Immeo-Wohnen 830 Wohnungen übernommen, 200 davon im unmittelbaren Umfeld der Bärendelle. Deshalb habe die Stiftung sich auch dieser Immobilie angenommen. Überlegungen, städtische Einrichtungen dort unterzubringen, waren an der mangelnden Wirtschaftlichkeit gescheitert, so Stefan Schwarz vom Amt für Stadterneuerung.

CDU und SPD reagierten am Donnerstag geradezu euphorisiert auf die Pläne. Dass die Stiftung bereit sei, eine große Fläche für kulturelle Zwecke günstig zur Verfügung zu stellen, sei phantastisch. Gerade im Essener Westen gebe es kein entsprechendes Raumangebot für Kunstschaffende. Dieser nachvollziehbare Wunsch der Bürgerinitiative werde damit aufgegriffen.

Udo Seibert von der Bürgerinitiative äußerte sich gegenüber der WAZ weniger euphorisch. Sein Eindruck: Der Denkmalschutz werde ausgehebelt, eine soziokulturelle Nutzung sei allenfalls mit Einschränkungen möglich. Von der Bärendelle bleibe „nichts mehr übrig“. Bezirksvorsteher Klaus Persch (SPD) ficht diese Kritik nicht: Wenn der Bürgerinitiative nichts vernünftiges einfalle, „werden wir etwas anderes finden“.