Neues Terminsystem ab 1. Juli in Essener Bürgerämtern

Selbst auf den Treppen sollen die zahlreichen Besucher im Altenessener Bürgeramt ihre Wartestunden verbracht haben. Essens Personaldezernent Christian Kromberg: „Zu den Spitzenzeiten vor den Sommerferien werden wir auch in Zukunft mit erhöhten Wartzeiten rechnen müssen.“
Selbst auf den Treppen sollen die zahlreichen Besucher im Altenessener Bürgeramt ihre Wartestunden verbracht haben. Essens Personaldezernent Christian Kromberg: „Zu den Spitzenzeiten vor den Sommerferien werden wir auch in Zukunft mit erhöhten Wartzeiten rechnen müssen.“
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Bürgerämter in Essen starten am 1. Juli ein neues Terminvergabesystem. Was Bürger nun beachten müssen.

Essen.. Die gute Nachricht zuerst: Die Bürgerämter in Essen nutzen ab sofort eine neues Terminvergabesystem. Wer ab dem 1. Juli also einen Termin braucht, um beispielsweise seinen Personalausweis zu verlängern, wer sich ummelden möchte oder eine Beglaubigung braucht, der ist künftig unter der Adresse www.essen.de/rathaus/meintermin.de genau an der richtigen Adresse.

Der passende Link zur neuen Software ist auf dem Portal der Stadt schon seit mehr als einer Woche aktiviert und verweist ausdrücklich auf Terminvergaben ab dem 1. Juli dieses Jahres. Doch die Sache hatte zuletzt einen Haken. Da Termine bis Ende Juni noch von der bislang verwendeten Software verarbeitet wurden, liefen zuletzt das alte und das neue Vergabesystem parallel – und kamen sich mitunter mächtig ins Gehege, wie auch Stadtsprecher Stefan Schule auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte: „Einige Terminwünsche konnten durch das alte System nicht mehr berücksichtigt werden, weil sie schon in den Bearbeitungszeitraum des neuen Vergabesystems fielen.“ Kunden, die also im Juni einen Termin für Juli beantragen wollten, wurden von der Software ignoriert. (heiss)

Vorausplanung für den Reisepass

Wer beim Bürgeramt einen neuen Personalausweis oder Reisepass benötigt, der muss vorausplanen: Mit dieser unpopuläre Wahrheit besuchte Essens Personaldezernent Christian Kromberg die vergangene Sitzung der Bezirksvertretung (BV) V. Gerade hier war er immer wieder indirekt für lange Wartezeiten und kurzfristig geschlossene Ämter kritisiert worden. Ab heute muss man für jedes Anliegen einen Termin Online oder im Amt selbst vorab vereinbaren.

Ein Mann, der unangenehme Fakten beschönigt oder bis zum Letzten unter Verschluss hält, ist Christian Kromberg eigentlich nicht. Andererseits hätte er auch schon im vergangenen Jahr in die BV nach Altenessen kommen können, da war das Bürgeramt an der Altenessener Straße 196 und sein Tandem am Stoppenberger Platz für kurze Zeit bereits unplanmäßig zu und die Kritik laut. Nun, nachdem vor den Sommerferien 2015 überfüllte Wartebereiche und ausgebuchte Mitarbeiter wieder für Ärger sorgten (wir berichteten), kam er dann doch.

Und sprach Klartext. „Zu den Spitzenzeiten wie jetzt vor den Sommerferien werden wir auch in Zukunft mit Rückständen und erhöhten Wartezeiten rechnen müssen. Wir werden aber mit dem neuen System sicher eine bessere Verteilung hinbekommen“, stellte Kromberg fest. Entweder zu Hause oder in einem Terminal im Amt bucht man sich nun einen Termin, ist die favorisierte Anlaufstelle besetzt, kann man sich an eines der anderen acht Bürgerämter der Stadt wenden. Gleiches gilt für die Straßenverkehrsbehörden in Steele und Borbeck. Ebenfalls nur mit Termin arbeitet die Ausländerbehörde an der Schederhofstraße.

Einen Personalpool wird es nicht geben

Ein Personalpool mit Springern, wie in der BV V gefordert, wird nicht kommen. „Weil ich einfach nicht mehr das Personal dazu habe“, sagte Kromberg: „Die Bürgerämter sind von den Sparzwängen der Stadt betroffen. Zu den 690 Stellen, die wir bis Ende 2015 einzusparen haben, haben die Bürgerämter fünf beigetragen“, erinnerte der Personaldezernent an die kontroverse Diskussion vor einigen Jahren, als auch das Aus für einige Außenstellen möglich schien.

Dass sich die Personaleinsparung auch in Zukunft fortsetzen wird, scheint sehr wahrscheinlich. Kromberg erinnerte an die rund eine Millionen Euro im städtischen Haushalt 2015/16, die für den Aufbau von Online-Dienstleistungen vorgesehen ist. Auch hier beschönigte er nichts: „Das bedeutet, dass Arbeit der Verwaltung, so das Ausfüllen von Formularen, auf den Bürger verschoben wird. Trotzdem wird es so kommen.“