Das aktuelle Wetter Essen 14°C
Bibliotheken

Neues Kapitel im Streit um Personalkürzungen

10.10.2012 | 06:02 Uhr
Neues Kapitel im Streit um Personalkürzungen
Foto: Tietz

Essen.   Das Bürgerbegehren „Erhaltet die städtischen Bibliotheken“ kommt dem Rat zuvor: Statt auf dessen Entscheidung Ende November zu warten, beginnen die Unterstützer nun mit der Unterschriftensammlung.

Aktionismusvorwurf hin oder her – bevor der Stadtrat über das Job-Sparpaket der Verwaltung entscheidet, wollen die Initiatoren des Bürgerbegehrens „Erhaltet die städtischen Bibliotheken“ selbst aktiv werden: Auf einer Versammlung am Montagabend in der Zeche Carl, dominiert von Vertretern des linken Spektrums (Die Linke, Bürgerliste Nord, DKP, MLPD), votierte eine klare Mehrheit der rund 30 Anwesenden für den Start des Begehrens.

Das Unterschriftenformular mit der rechtlich zulässigen und vom Wahlamt geprüften Frage samt Begründung hatte Mit-Organisator Patrik Köbele, der sich bereits seit dem Frühjahr in Lauerstellung befand, als Druckvorlage zur Vervielfältigung da bereits in der Aktentasche. Die Unterschriftensammlung wurde am Dienstag eingeläutet. Nur die Entscheidung, ob man noch mehrere parallele oder ein zusammengefasstes Begehren gegen Einsparungen bei der Volkshochschule, den Schulhausmeistern und dem offenen Ganztag oder gegen die Schließung der sechs Bürgerämter folgen lässt, wurde erst einmal vertagt.

Zumindest ein Teilerfolg

„Es wird verdammt viel Arbeit, aber ich bin mir sicher: Wir schaffen das“, sagt Köbele, der mit der evangelischen Pfarrerin Dagmar Kunellis und Gisela Kühn (Verein zur Förderung der Kinder- und Jugendliteratur) vertretungsberechtigt ist. Die genaue Zahl der Wahlberechtigten – bei der Kommunalwahl 2009 waren es rund 460.000 Bürger – ermittele man, so das Wahlamt, am Stichtag, an dem man die Unterschriften erhalte. Köbele geht von 14.000 Unterschriften aus, um die für einen Erfolg des Begehrens notwendigen drei Prozent der Stimmberechtigten hinter sich versammeln zu können. Um Luft zu haben, peilt man 17.000 an. Folgt der Rat Ende November dem Plan der Verwaltung, hätten die Unterstützer drei Monate Zeit zum Sammeln – bis Ende Februar.

Den Beschluss des Viererbündnisses aus der Mai-Ratssitzung, der den Erhalt aller Standorte bis zum Ende der Ratsperiode 2014 garantiert, sah Köbele stets nur als Teilerfolg. Die selbst ernannten Bibliotheken-Schützer – ihr Symbol ist ein als Robin Hood verkleideter Bücherwurm – betonten am Montag erneut ihre Furcht vor einem „Kahlschlag“ durch Personaleinsparungen und Budgetkürzungen – trotz gestiegener Ausleihzahlen. Das Job-Sparpaket, das zum Wegfallen von 16,19 der 111 Stellen bei den Bibliotheken führe, gab den Ausschlag für den Start. Weiter geht’s vorerst am 16. Oktober in der Zeche Helene bei einem Planungstreffen des Koordinierungskreises.

Erste Reaktionen von den Parteien blieben aus. Oberbürgermeister Reinhard Paß sagte am Rande der Münchener Immobilienmesse „Expo Real“: Dass Bürger auf eigene Initiative ein Begehren starten, „ist ihr gutes Recht. Ich wäre aber auch dankbar, wenn das bürgerschaftliche Engagement dazu beiträgt, Alternativen zu erarbeiten, die das kompensieren, was man nicht einsparen will.“

Die Fragestellung im Wortlaut

„Sollen die städtischen Bibliotheken (Zentralbibliothek, Stadtteilbibliotheken, französische Bibliothek) hinsichtlich der existierenden Standorte (17 Standorte), der Öffnungszeiten, der Personalausstattung (Stellenplan Haushalt 2012: 111 Stellen) und des Budgets für den Medienerwerb mindestens im heutigen Stand erhalten werden?“ Begründet wird dies mit wohnortnaher Medien-Versorgung, dem Zugang zu Bildung und Information, der Freizeitgestaltung sowie bereits erfolgten Ausdünnungen in der Vergangenheit. Die Kosten zum Aufrechterhalten des Status quo beziffern die Initiatoren auf 9,4 Millionen Euro.

Tim Walther

Facebook
 
Kommentare
01.11.2012
08:15
Neues Kapitel im Streit um Personalkürzungen
von wenco | #4

In einer Großstadt wie Essen sind Stadtteilbibliotheken kein "Luxus", sondern dringend notwendig. Man kann nicht erwarten, dass Senioren, Kinder, Eltern mit kleinen Kindern und sozial schwache Menschen für ein Buch oder eine CD immer in die Innenstadt pendeln können. Stadtteilbibliotheken sind Kulturorte, die erhalten und gefördert werden müssen!

10.10.2012
13:25
Neues Kapitel im Streit um Personalkürzungen
von tuecking | #3

so wichtig das anliegen auch ist, durch die vorherrschaft des linken spektrums ist es in der breiten öffentlichkeit schon zum scheitern verurteilt. warum nehmen sich vertreter der demokratischen parteien nicht dieses themas an? oder unabhängige personen und gruppen? warum diese extremen gruppierungen, die nur politisches kapital aus der sache schlagen wollen?

1 Antwort
Warum...?
von subrev | #3-1

...weil die Vertreter der ach so "demokratischen Parteien", allen voran die Ratskoalition von CDU/Gruenen/FDP/EBB diese Kuerzungen im November beschließen wollen und das dann faelschlicherweise auch noch "Sparen" nennen. Sparen an Bildung und Kultur allerdings.
Was ist demokratischer als die Buerger entscheiden zu lassen?

10.10.2012
09:54
Neues Kapitel im Streit um Personalkürzungen
von CaptainFuture | #2

Leider gibt es in Deutschland kein Bibliotheksgesetz wie in Skandinavien. Bibliotheken sind wie Schwimmbäder freiwillige Leistungen der Städte. Und bei denen spart man zuerst.

10.10.2012
08:32
Neues Kapitel im Streit um Personalkürzungen
von Ruhrkritiker | #1

Nun ich denke man sollte schon die Sparpläne genauer betrachten.
Ich finde, dass in einer schrumpfenden Stadt nicht zwingend neben der Stadtbibliothek auch noch Stadtteilbibliotheken vorhanden sein müssen. Das ist blanker Luxus für einige wenige Stadtteile.
Die Stadtbibliothek ist zentral gelegen und das reicht in meinen Augen.
Das gleiche gilt für die Bürgercenter, da reicht es wenn ein zentrales in entsprechender Größe vorhanden ist.
Anders sehe ich das, bei VHS und vor allem beim Stadt Archiv. Das sind einzigartige Einrichtungen die auch zur Bildung in der Stadt beitragen!
Das nenne ich sparen am falschen Ende. Beim Stadt Archiv wird es adabsurdum geführt, da ja erst kürzlich das neue Magazin für die Archivalien eröffnet wurde.

1 Antwort
Neues Kapitel im Streit um Personalkürzungen
von KritischeBuergerin | #1-1

Für uns Erwachsene ist dies in der Tat so. Aber es wird doch immer wieder gefordert, dass unsere Kinder mehr lesen sollen etc. Ein Kind der 2./3. Klasse z.B. Ist durchaus in der Lage, zu Fuß in die Stadtteilbibliothek zu gehen, aber auch, eine halbe Stunde mit Bus und Bahn allein quer durch die Stadt zu fahren? Wohl kaum.

Ich denke, es wird wieder eine Entscheidung auf Kosten der Schwächsten - nämlich der Kinder - werden.
Es ist schon sehr verwunderlich, wie die Finanzen der Stadt auf die einzelnen "Töpfe" verteilt sind. Und dazu muss man noch nicht einmal die fragwürdigen Leuchtturmprojekte wie Stadion, Philharmonie oder Zollverein betrachten.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/7180634/create

Umfrage
Die Stadt Essen geht konsequent gegen Schwänzer vor. Fehlen Schüler unentschuldigt, werden die Eltern oder die Schule selbst zur Kasse gebeten - mit beachtlichem Erfolg. Was halten Sie davon?

Die Stadt Essen geht konsequent gegen Schwänzer vor. Fehlen Schüler unentschuldigt, werden die Eltern oder die Schule selbst zur Kasse gebeten - mit beachtlichem Erfolg. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos
Kettwig von oben
Bildgalerie
aus der Luft
Essen aus der Luft
Bildgalerie
Luftbilder
Parade und     Zapfenstreich
Bildgalerie
Werdener Schützenzug
Konferenzsaal auf sechs Rädern
Bildgalerie
EVAG Alphaliner
Aus dem Ressort
Fußgängerin nach Zusammenstoß mit Auto im Krankenhaus
Unfall
Am Donnerstagmittag kam es im Essener Nordviertel zu einem Zusammenstoß zwischen einer Fußgängerin und einem Pkw. Dabei verletzte sich die 59-jährige Frau so schwer, dass sie ins Krankenhaus gebracht werden musste.
Radfahrer treten mit 1,6 Promille und mehr in die Pedale
Verkehrskontrollen
Radeln im Rausch: 23 von 36 Radfahrern, die die Essener Polizei in den vergangenen beiden Jahren aus dem Verkehr gezogen hat, hatten 1,6 Promille oder mehr Alkohol im Blut - und lagen damit deutlich über der noch erlaubten Promille-Grenze. Immer wieder hat das Fehlverhalten spürbare Folgen.