Neues Jugendzentrum öffnet in der Weststadthalle
21.10.2011 | 11:58 Uhr 2011-10-21T11:58:00+0200
Essen. Für das marode Haus an der Papestraße gibt es seit Donnerstag offiziell Ersatz. Bei der Eröffnung des neuen Jugendzentrums in der Weststadthalle war die Stimmung jedoch noch etwas nüchtern. Denn noch fremdeln einige Besucher.
Eigentlich ist dies ein historischer Tag. Man kommt nur nicht gleich drauf, denn die Stimmung ist irgendwie nüchtern. Es gibt Laugenstangen und Salzbrezeln in großen Körben, es gibt Kaffee und Bier, und der Oberbürgermeister hält eine angenehm präzise und deshalb kurze Rede. „Ich bin sicher“, sagt Reinhard Paß , „dass die Weststadthalle den Nerv der Zeit treffen wird.“ Er sagt aber auch, dass diese Einrichtung „nichts mit dem zu tun hat, was man bisher kannte.“
Vielleicht hat die seltsam nüchterne Stimmung zu Beginn dieses, naja: Festakts, genau damit zu tun. Mit diesem Fremdeln, das viele Besucher beschleicht. Denn die meisten, die am Donnerstagnachmittag zur offiziellen Eröffnung gekommen sind, gehören nicht zur Zielgruppe. Es sind Menschen aus der Jugendverwaltung, dem Jugendhilfeausschuss, gleich drei Dezernenten des Verwaltungsvorstands sind gekommen. Irgendjemand mit grauen Haaren erzählt, dass er „dabei war, als das Jugendzentrum Papestraße eingeweiht wurde“. Ein anderer, der erkennbar älter ist als 50 Jahre, raunt: „Diesen Raum hier mocht’ ich noch nie.“
Teestubenhaft ist im neuen Jugendzentrum nichts
Neunziger Jahre: Seit 1987 gibt es erste Schließungsdiskussion fürs Jugendzentrum Papestraße. Die Bausubstanz bröckelt. 1964 war es eröffnet worden. Neben dem Colosseum zieht Ende der Neunziger ein Discobetrieb in die alte „Reparaturwerkstatt II“ ein. Name: „Halle 5 - 7“.
Ab dem Jahr 2000 wird die Halle aufwändig umgebaut für 12 Millionen Euro. Der Besitzer, die „Egib Grundstücksgesellschaft“, bezahlt und vermietet die Halle an die Stadt bis zum Jahr 2023. Jahresmiete plus Betriebskosten pro Jahr: Rund 240 000 Euro.
2003 beschließt die Stadt, ein neues, zentrales Jugendzentrum zu bauen. Möglicher Standort: der Berliner Platz. Im gleichen Jahr startet in der Weststadthalle die Doppelgängershow “Stars in Concert“. Zwei Jahre später ist die Show pleite. Es folgt ein Rockkonzertveranstalter. Auch er scheitert, meldet im Frühjahr 2008 Konkurs an. Lediglich die Folkwang-Musikschule, 2003 eingezogen, bleibt als Mieter in der einen Hälfte des Gebäudes.
2009 beschließt die Stadt erstmals, das Jugendzentrum Papestraße aufzugeben und die Weststadthalle zum neuen Jugendzentrum umzufunktionieren. Es regt sich breiter Protest: Das neue Domizil, so der Einwand, habe keine Seminarräume, sei für Jugendarbeit ungeeignet. Im Frühjahr 2010 werden erneut Bedenken gegen den Umzug laut. Über Alternativen wird laut nachgedacht: Zeche Carl. Oder City-Immobilien (Schossau, Möbel Kramm). Im Juni 2010 bekräftigt der Rat erneut der Beschluss: Die Weststadthalle wird das neue Jugendzentrum.
Mai 2011. Letzter Akt: Die Papestraße schließt. Einige „besetzen“ das Haus. Es ändert nichts.
Mit Verlaub: Das ist jetzt einigermaßen egal, denn es sind die jungen Menschen, die kommen sollen und das tun, was das neue Motto des Hauses vorgibt: „Vielfalt leben“. Eine mitreißende Show der Essener Streetdance-Formation Lunatics macht auf der Bühne den Anfang, und sogleich zeigt die Weststadthalle ihre Stärke: Die Präsenz der Bühne. Sie steht, anders als in allen anderen großen Veranstaltungsräumen, an der Längsseite des Raums. Der Effekt: Die Show ist ganz nah, und selbst ein kleines Publikum kann für gute Stimmung sorgen.
Man kann mit einigem Recht darauf hoffen, dass Jugendlichen so die Angst genommen wird, überhaupt erst mal diese Bühne zu betreten. Die neue, konsequente Ausrichtung auf Kinder-, Jugend- und Schulkultur wird hoffentlich genügend Anlässe bieten, auf genau diesen Effekt zu setzen.
Ansonsten wird an diesem ersten Abend all das geboten, das die Weststadthalle künftig ausmachen soll: Poetry Slam. Auftritte der Folkwang-Musikschule , die ja nebenan sitzt. Rockmusik. Und noch viel mehr. Die andere Stärke des neuen Hauses: „Weststadt Horizont“, die neue „Lounge“ in ansprechender und zeitgemäßer Optik, dunkles Holz, Grautöne an den Wänden, und Getränkepreise, die Jugendliche ansprechen sollten: Cola kostet zwei Euro das 0,3-Liter-Glas. Es gibt Spiele, etwas zu Lesen und einen Kicker, teestubenhaft ist hier nichts.
Zukunft, du kannst kommen. Jetzt fehlen nur noch ein paar Schilder, damit die Zielgruppe den Laden auch findet.

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