Neues Essener Hallenbad am Thurmfeld ist zu klein für großen Sport

Für die Öffentlichkeit nur werktags in den frühen Morgenstunden geöffnet, für große Schwimmveranstaltungen zu klein: Das neue Bad am Thurmfeld in Essen ist ultramodern, aber kein echter Ersatz für das geschlossene Hauptbad.
Für die Öffentlichkeit nur werktags in den frühen Morgenstunden geöffnet, für große Schwimmveranstaltungen zu klein: Das neue Bad am Thurmfeld in Essen ist ultramodern, aber kein echter Ersatz für das geschlossene Hauptbad.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
  • Neues Hallenbad am Thurmfeld droht am ersten Praxistest zu scheitern
  • Bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften muss ein Zelt aufgestellt werden
  • Kanupolo-Vereine müssen mit Wettkämpfen künftig ins Freibad ausweichen

Essen.. Wenige Wochen nach der Eröffnung des städtischen Hallenbades auf dem Thurmfeld nahe der Universität offenbart sich, was zu erwarten war: Ein echter Ersatz für das inzwischen geschlossene Hauptbad an der Steeler Straße kann das neue Schwimmbad nicht sein. Die Sport- und Bäderbetriebe und die Sportvereine sind gezwungen zu improvisieren – oder müssen Veranstaltungen absagen. Derweil sähe es die Politik gerne, wenn die Stadt das neue Bad für die breite Öffentlichkeit länger öffnet als nur werktags in den Morgenstunden. Doch dahinter steht bis auf Weiteres ein Fragezeichen.

Wenn sich Anfang Februar die deutsche Schwimm-Elite zu den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften auf dem Thurmfeld einfindet, wird die Startgemeinschaft Essen als Ausrichter neben dem Bad ein 150 Quadratmeter großes Zelt aufstellen. Denn die SG Essen erwartet zu den Wettkämpfen 400 Teilnehmer. „Da kommen ausgewachsene Kerle von zwei Metern. Die bringe großen Taschen mit, ihre Physiotherapeuten und große Liegen“, erläutert SGE-Vorsitzender Bernhard Gemlau. Auch bei den Jugendmannschaftsmeisterschaften, die der Bezirk Ruhrgebiet im November im neuen Hallenbad austrägt, wird man sich mit einem Zelt behelfen; 700 Sportler werden dann erwartet. Für solch einen Andrang ist das Bad nicht ausgelegt. Was ist machbar? „Wir sammeln jetzt Erfahrungen“, sagt Gemlau. Von den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften, die früher regelmäßig im Hauptbad ausgetragen wurden, mag man bei der SG Essen allenfalls träumen.

Einladungsturnier erstmals abgesagt

Die Kosten für den „luftigen Anbau“ beziffern die Sport- und Bäderbetriebe übrigens auf 10.000 Euro. Mit einem Zelt wäre den Aktiven vom KV Rote Mühle Essen nicht geholfen. Erstmals seit 24 Jahren muss der Kanupolo-Verein sein traditionelles Einladungsturnier, zu dem Teams aus ganz Europa anreisen, absagen. Die Sportler der KG Wanderfalke aus Werden sind ebenfalls betroffen. Auch ihr für Februar geplantes Nachwuchsturnier, der „Youngster Cup“, fällt diesmal ins Wasser.

„Das Bad am Thurmfeld ist kleiner“, bedauert Jürgen Konrad, Ehrenvorsitzender und Organisationschef: „Im Hauptbad hatten wir zwei Spielfelder, am Thurmfeld wäre nur Platz für eins.“ Großes Verständnis hat Konrad nach eigenen Worten für die Sorgen der Bäderbetriebe, es könnte etwas zu Bruch gehen. „Das ist ein neues Bad mit hochwertiger Technik. Da will man nichts riskieren.“ Ab dem kommenden Jahr wollen die Kanuten deshalb ins Grugabad ausweichen, im April oder September soll das Traditionsturnier unter freiem Himmel stattfinden. Dann muss nur noch das Wetter mitspielen.

Bei Öffnungszeiten nachlegen

Während sich die Sportvereine mit den neuen Gegebenheiten arrangieren, will die Politik bei den Öffnungszeiten nachlegen. Der Gedanke mag sich aufdrängen, hat der Steuerzahler doch den Neubau mit 9,7 Millionen Euro finanziert. Auch das Hauptbad stand der Öffentlichkeit nur in den Morgenstunden offen, den Rest des Tages war es durch Schulklassen und Vereine belegt. Daran orientierten sich auch die Planungen für das Bad am Thurmfeld. Auf Antrag von SPD und CDU soll die Verwaltung nun prüfen, unter welchen Voraussetzungen sich die Öffnungszeiten erweitern ließen, insbesondere an Wochenenden und in den Schulferien – wohl gemerkt „unter Berücksichtigung der finanziellen Rahmenbedingungen“. „Wir wollen kein Spartenbad“, sekundiert die FDP.

Ist der Wunsch realistisch? Der Vorsitzende des städtischen Personalrats, Kai-Uwe Gaida, verweist auf den geltenden Tarifvertrag. Die Kollegen in den Bädern arbeiteten schon am Limit. Spielraum für eine weitere Öffnung sieht Gaida nicht. Es sei denn, die Sport- und Bäderbetriebe stellten mehr Personal ein. Anders formuliert: Mehr als Trockenschwimmen ist unter den gegebenen Bedingungen nicht drin.