Neuer Schwung für den Radverkehr in Essen

Radeln über die Trasse „Rheinische Bahn“ entlang des Niederfeldsees in Altendorf: Diese populäre Strecke nutzten auch Teilnehmer des diesjährigen „Stadtradelns“.
Radeln über die Trasse „Rheinische Bahn“ entlang des Niederfeldsees in Altendorf: Diese populäre Strecke nutzten auch Teilnehmer des diesjährigen „Stadtradelns“.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
500 000 Euro sollen künftig jährlich in neue Wege investiert werden. Die Stadt will Radler vermehrt über Straßen statt über Bordsteine führen.

Essen..  Mit einer neuer Ernsthaftigkeit plant die Verwaltung, den Radverkehr im Stadtgebiet auszubauen. In den nächsten fünf Jahren sollen 20 Kilometer Radwege entstehen. Erstmals wird dabei eine Summe genannt, die jährlich investiert werden soll – 500 000 Euro. „Das hat es so noch nie gegeben“, lobt Jörg Brinkmann, der Vorsitzende des Essener Radclubs ADFC. Ob die neu errungene Auszeichnung „Grüne Hauptstadt Europas“ dabei eine nennenswerte Wirkung entfalten kann, wird sich allerdings erst zeigen.

Die Stadt plant konkret, weitere wichtige Autostraßen mit Radwegen zu versehen – als weiße Streifen, die einen Seitenbereich für Radler reservieren. Dass Radwege über Bordsteine führen, soll es künftig nicht mehr geben. Dies führt immer wieder zu Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern. Weiße „Radstreifen“ sollen zum Beispiel auf der Frankenstraße zwischen Stadtwaldplatz und Bredeney entstehen, auf der Hafenstraße vor dem Fußballstadion oder in Borbeck an der Schlossstraße. Auch bestehende Radwege, in die Jahre gekommen, sollen möglichst bald saniert werden – zum Beispiel Teile der Frintroper Straße oder der Aktienstraße in Borbeck. „Dass hier immer nur Teilstücke für Sanierungen vorgesehen sind, ist eigentlich ein Unding“, kritisiert Jörg Brinkmann.

Eine weitere Maßnahme, die den Radverkehr in Essen nennenswert nach vorne bringen soll, ohne, dass es viel kostet, ist die Einrichtung so genannter Fahrradstraßen. Blaue Schilder weisen auf sie hin. 36 gibt es derzeit im Stadtgebiet, rund 100 sollen es werden. „Kaum einer weiß zwar, was sie bedeuten, doch sie sind symbolisch wichtig für die bessere Wahrnehmung“, findet Brinkmann. Auf Fahrradstraßen dürfen Radler nebeneinander herradeln, sind grundsätzlich bevorrechtigt, und es gilt für alle Verkehrsteilnehmer Tempo 30. So sind die Bergerhauser Straße, der südliche Teil der Altenessener Straße oder der Laurentiusweg parallel zur Steeler Straße schon jetzt als Fahrradstraße ausgewiesen, genau wie einige Teile Rüttenscheids. „Das bringt effektiv aber nur etwas“, gibt Brinkmann zu bedenken, „wenn ganze Quartiere in Fahrradstraßen umgewandelt werden, so wie in Rüttenscheid an den Schulen.“

Die neue Radverkehrsplanung, kürzlich im Bauausschuss vorgestellt, wandert jetzt als Konzept durch die Bezirksvertretungen, soll endgültig im Herbst verabschiedet werden. Die 500 000 Euro sollen investiert werden „vorbehaltlich der Berücksichtigung im Haushaltsplan“, heißt es in der Vorlage. Das bedeutet: Das vorletzte Wort hat der Kämmerer, das letzte die Kommunalaufsicht. Erst dann zeigt sich, ob „Green Capital“ wirklich etwas bringen kann.