Neuer Fahrplan – keine neue Bahn

In der Warteschleife: Bisher sind nur 14 der 27 bestellten neuen Niederflurfahrzeuge NF2 in Betrieb. Die Evag pocht auf die Beseitigung aller Mängel. Deshalb verzögert sich die Auslieferung erneut.
In der Warteschleife: Bisher sind nur 14 der 27 bestellten neuen Niederflurfahrzeuge NF2 in Betrieb. Die Evag pocht auf die Beseitigung aller Mängel. Deshalb verzögert sich die Auslieferung erneut.
Foto: Herbert Höltgen
Die Auslieferung der Niederflur-Straßenbahn NF2 in Essen verzögert sich erneut. Erst 14 der bestellten 27 Züge sind einsatzbereit.

Essen.. Mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag sollte auch das neue Betriebskonzept umgesetzt werden. Heißt: Auf den Straßenbahnlinien fahren mit Ausnahme der Südstrecke nach Bredeney möglichst nur noch Niederflur-Bahnen, damit das Ein- und Aussteigen noch leichter fällt. Doch für den Starttermin ist die tiefer gelegte Flotte nicht vollständig. Die Fahrgäste müssen an zahlreichen Haltepunkten weiterhin über die Klapptrittstufen in die eckigen, älteren Bahnen steigen. Der Hersteller Bombardier konnte nicht alle neuen Züge des Typs NF2 rechtzeitig ausliefern.

Für 70 Millionen Euro hatte die Evag die 27 Fahrzeuge bestellt. Bereits Ende letzten Jahres sollten eigentlich alle in Betrieb genommen werden. Doch aufgetretene Mängel brachten den Zeitplan durcheinander.

Einige der mit Tiefladern nach Essen transportierten NF2-Fahrzeuge wurden sogar wieder zur Produktionsstätte in das weit entfernte Bautzen zurückgeschickt. Derzeit stehen erst 18 der 27 Fahrzeuge in den Essener Depots. Davon sind vier noch nicht einsatzfähig, weil letzte Einbauten vorgenommen werden müssen. Damit hat sich die Hoffnung des Evag-Vorsitzenden Michael Feller zerschlagen, dass die neue Flotte zum Fahrplan-Wechsel komplett ist. Erst Anfang 2016 werden die letzten NF2-Modelle nach Essen transportiert werden können.

Die Evag hatte Mängel vor allem bei den Fußböden und bei den Fahrertüren moniert. Für die Böden seien falsche Kleber verwendet worden, und bei den Türen beanstandete die Evag die Dichtungen. Sie beharrte auf Austausch. „Es gibt keine Bahnen von der Stange“, weiß Christoph Lademann, stellvertretender Via-Betriebsleiter. Insofern hat er Verständnis dafür, dass hier und da nachgebessert werden muss. Und die Evag-Inspekteure lassen nicht den kleinsten Fehler, der ihnen aufgefallen ist, durchgehen. „Diese Bahnen müssen 25 Jahre halten“, betont Lademann. Evag-Sprecher Olaf Frei ergänzt: „Wir wollen volle Gewährleistung. Auch wenn wir damit Bombardier auf die Nerven gehen.“

Wegen der erneuten Verzögerungen muss jetzt beim Fahrplanwechsel improvisiert werden. Nur die Linien 101, 106, 107 (teilweise) und die 109 können mit Niederflurbahnen bedient werden. Die Linien 103 und 105 werden sukzessive nachgerüstet.

Die wichtigsten Änderungen im Bahnnetz:

Die neue Ringlinie 101/106 führt von Borbeck über die Helenenstraße zum Hauptbahnhof nach Rüttenscheid zurück zur Helenenstraße und verbindet so mehrere Stadtteile mit Anschluss an die City. Die Bahnen, die im Uhrzeigersinn auf der Ringlinie fahren, zählen zur Linie 101, die Züge in Gegenrichtung gehören zur Schwester-Linie 106. Am Haltepunkt Helenenstraße ändert der Zug wieder seine Liniennummer. So will die Evag verhindern, dass die Fahrgäste versehentlich in die falsche Bahn steigen - wie auf der Ringlinie in Düsseldorf immer wieder geschehen.

Die neue Linie 108 ist die Hauptlinie auf dem Ast zwischen Bredeney und Hauptbahnhof und fährt dann weiter nach Altenessen.

Die Kulturlinie 107 fährt nicht mehr durchgängig von Bredeney zum Hauptbahnhof Gelsenkirchen. Wer alle Ziele der Kulturlinie erreichen will, muss hier am Hauptbahnhof zwischen 107 und 108 wechseln. Die 107 verkehrt mit Niederflurbahnen zwischen Essen-Hauptbahnhof und Katernberg und dann im 20-Minuten-Takt nach Gelsenkirchen. Während der Rushhour werden zusätzlich Hochflur-Bahnen zwischen Bredeney und Katernberg eingesetzt.

Auch das Buslinien-Netz wurde neu gestrickt:

Mit der neuen Linienführung der Straßenbahn-Linie 109 über den Berthold-Beitz-Boulevard nach Frohnhausen muss dort das Bus-Angebot reduziert werden. Das ist eine Vorgabe der Bezirksregierung, die die Evag nun mit dem Fahrplanwechsel erfüllt. Die Linie 147 aus Kray fährt nur noch bis zum Hauptbahnhof. Die Verlängerung nach Frohnhausen und Haarzopf wird gestrichen.

Die Verbindung nach Haarzopf übernimmt die Linie 145, die durch die Weststadt nach Frohnhausen und entlang des Südwestfriedhofes nach Haarzopf fährt. Zudem wird die Linie 196 bis Frohnhausen verlängert.

Den Anschluss von Mülheim (Hauptfriedhof) über Haarzopf zum Rhein-Ruhr-Zentrum ermöglicht die neue Buslinie 130.

Die Evag hat die Fahrzeiten überprüft, angepasst und hofft damit, pünktlicher zu werden. Der Verkehrsbetrieb rechnet nach dem Fahrplanwechsel auch mit Beschwerden und kündigte die Prüfung jedes Einzelfalles an. Gegebenenfalls werde nachgebessert, versichert Christoph Lademann.

Spätestens in einem Jahr. Zum Fahrplanwechsel.

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