Neue Wege ohne neue Autobahnen
17.01.2011 | 16:45 Uhr 2011-01-17T16:45:00+0100
Essen.Mobilität Werk Stadt: 500 Bürger suchten ein Verkehrs-Konzept für das Ruhrgebiet: Raus aus dem Stau!
Es war noch einmal Wasser auf die Mühlen der Bürgerinitiativen, der vielen Umweltvereine und Verbände, die am Samstag zur „Mobilität Werk Stadt“ ins Burggymnasium geladen hatten. Der Bund werde für die A 52 keine Tunnellösung bezahlen, lautete die Meldung in der Samstagsausgabe der NRZ. Die Autobahn werde Berlin nur in offener Bauweise finanzieren, für Lärmschutz müsse die Kommune schon selber Mittel bereitstellen. „Wenn das der Bundesverkehrsminister so sieht, werden wir den Bau der A 52 nicht mittragen“, sagte dazu Essens SPD-Chef Dieter Hilser am Rande der Veranstaltung: „Unter diesen Bedingungen nicht. Das ist in der Essener SPD nicht mehrheitsfähig.“
A 52 ohne Tunnel
Die Diskussion über die A 52 steht bei den Sozialdemokraten einmal mehr auf der Tagesordnung: Ob sie, wie Ende der ‘90er Jahre zuletzt beschlossen, an ihrer Zustimmung zum Weiterbau weiter festhalten, wollen sie unter anderem auf einer Fachtagung zum Thema Verkehr am 28. Januar klären; als Referent wird immerhin NRW-Staatssekretär Horst Becker erwartet, ein Grüner (siehe Info-Box Seite 3). Hilser zeigte sich enttäuscht über die Pläne Berlins für den Neubau von Straßen und den Ausbau der Bahn: „Nach jetziger Gefechtslage müssen wir befürchten, dass da gar nichts mehr kommt.“
Kein Geld für neue Autobahnen? Das wäre doch mal was, mögen sich da die im Netzwerk Bürgerinitiativen vereinigten A 52-Gegner freuen, die „Wege für Essen“-Streiter, die Vertreter von BUND, Nabu, VCD, ADFC, die vielen anderen Umweltvereine und Verbände, die Essener Grünen, die Evangelische Kirche, die sich noch im November 2010 auf ihrer Herbstsynode gegen den A 52-Weiterbau ausgesprochen hat. Kein A 44-Lückenschluss bei Velbert, kein Ruhrallee-Tunnel, kein A 52-Weiterbau durch den Essener Norden und über das Kreuz Essen-Nord hinaus an Gladbeck vorbei bis nach Gelsenkirchen Buer.
Und das alles ohne ein Stuttgart 21, das immer ein wenig über der Veranstaltung schwebte. „Das hat sicher noch einmal einen Schub gegeben“, meinte Georg Nesselauf, einer der Organisatoren von „Wege für Essen“, „aber wir haben uns schon im Mai an einen Tisch gesetzt und gesagt, wir müssen den Autobahn- und Tunnelplänen ein anderes, ein intelligenteres Mobilitäts-Konzept entgegensetzen. Da war von Stuttgart noch gar keine Rede.“
Kommunalpolitisches Handlungskonzept
Aber geholfen hat es schon, die Resonanz jedenfalls übertraf deutlich die Erwartungen: Knapp 500 Bürger wollten mitwirken am Verkehrskonzept Ruhr, das in zehn Arbeitsgruppen formuliert wurde, an dem der ehemalige NRW-Verkehrsminister Christoph Zöpel ebenso mitwirkte wie der Trierer Professor Heiner Monheim, der in den ‘80er und ‘90er Jahren im Düsseldorfer Städtebau-Ministerium Referent für Stadtverkehr und Verkehrsberuhigung war.
Im Kern sind es folgende Punkte, die den Weg aufs Arbeitspapier gefunden haben, und die, so kündigte Rolf Fliß, umweltpolitischer Sprecher der Essener Grünen an, „in ein kommunalpolitisches Handlungskonzept“ einfließen sollen, um Bestandteil Essener Politik zu werden:
– Vor allem geht es natürlich um einen Ausbau des Nahverkehrs, um „zeitnahe Bus- und Bahn-Anschlüsse“, gesonderte Schulbusse statt übervoller Buslinien, um flächendeckende Bürgerbusse für Menschen mit Handicap, die spontanes Ein- und Aussteigen ohne Bushaltestelle ermöglichen.
– Dem Fahrrad sollen mit beleuchteten Radwegen, breiteren Radstreifen an Straßen, Radständern an Haltestellen, mit mehr diebstahl- und witterungssicheren Abstellboxen der Weg bereitet werden. Betreuer für radfahrende Schüler halten die „Werk Städter“ ebenfalls für sinnvoll.
– Damit kein Lkw mehr halbvoll beladen durch Essen fährt, ist ein stadtweites Transportkonzept mit Logistikzentren angedacht.
Alternativpläne
– Die A 44 soll wieder zur B 227 zurückgewidmet werden.
– Das alles geht nicht einfach so: Kommunalpolitiker bekommen die Pflicht, Bürger frühzeitig vor dem formalen Verfahren zu beteiligen und mit ihnen alle Alternativpläne zu diskutieren und weitere Ideen zu entwerfen.
Fazit der „Mobilität Werk Stadt“: Ein stadtweites Gesamtkonzept soll her, damit jeder Essener seine Stadt erleben kann – barrierefrei, klimaneutral, mit kurzen Wegen, ohne Nahverkehrslücken, mit angenehmen Haltestellen und vielen Kleinprojekten wie Car-Sharing oder Rikschas.
Eine andere Meinung über Großprojekte
„Raus aus dem Stau“ wollen auch die sieben Bürgerinitiativen entlang der A 52-Route. Doch sehen ihre Großprojekte eben anders aus. Dass etwas getan werden muss, machten in ihren Beiträgen Umweltminister Johannes Remmel und Essens OB Reinhard Paß deutlich: „Wir zahlen einen hohen Preis für unsere Mobilität.“ Paß erinnerte an die Innovation City-Bewerbung, die bereits einen Weg aufgezeigt habe, wie das Auto ersetzt werden könnte.
Auch Ex-NRW-Verkehrsminister Christoph Zöpel forderte einen stärkeren Ausbau von Bus und Bahn, erinnerte an 1,5 Milliarden für Stuttgart 21: „Damit könnten wir die Situation hier drastisch verbessern.“ Wer an solchen Großprojekten festhalte, „beweist eine erschütternde Dummheit und will nicht erkennen, dass sich die Welt verändert hat“. Zöpel machte deutlich, dass es an Straßen im Revier nicht mangelt: „Zusätzliche Straßen lassen sich nicht bauen.“ Er bemängelte das Fehlen von Netzknoten, die ein Umsteigen ermöglichten, von gut ausgebauten Rad- und Fußwegen.
Fehlentwicklung
Der Trierer Professor Heiner Monheim forderte ebenfalls ein Umdenken: „Weg von der Autostadt.“ Er beklagte die Fehlentwicklung, dass man viel Geld ausgegeben habe, um die Oberfläche frei zu machen für das Auto und die Straßenbahn in die Röhre gesteckt habe: „Wir haben damit nur schlechteste Ergebnisse erzielt.“ Entstanden seien zu viele „kleine Rennpisten“, weit entfernt von der Verkehrsberuhigung, für die er damals in Düsseldorf angetreten sei.
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08:29
Dann sollten die Damen und Herren aber auch die DB mit in die Überlegungen einbeziehen. Überregionale Transporte von Gütern weitesgehend auf die Schiene und dann über regionale Logistikzentren per LKW weiterverteilen. Voraussetzung ist aber, die DB hat Ideen, wie sie mit vernünftigen, wettbewerbstauglichen Preisvorstellungen arbeiten kann.Hier könnten zumindest die Herren Zöpel und Monheim ihre Netzwerke für die Inputs auf Landes- und Bundeseben nutzen.
00:16
Wenn die Straßenbaumilliarden in den ÖPNV investiert werden, dann steigen die Leute um und für die LKW´s und PKW´s die wirklich fahren müssen ist genug Platz. Stau findet in der Regel ja nur für 3 Stunden Stadt einwärts bzw. Stadt auswärts statt. Wenn diese Spitzen gekappt werden, haben wir kein Problem mehr. Wenn durch Logistikzentren die innerstädtische Verteilung die Nutzlast der LKW auf 100% erhöht, dann sparen alle Geld und Rußpartikel.
23:20
Ich sach ett ja, auch nachm Schnee:
Individualverstopfern die Flächen rauben, Einschienbahnen ubnd Standseilbahnen her. Und die Fans der Stinkerchen dürfen im Schnee spielenUnd den Plärrern mit demDAS GEHT nicht.naja, ihr habt ja auch die Städte killen lassen, Zeit, euch still zu legen. (Gilt zunächst für das Ruhrgebiet)