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Neue Vorwürfe gegen Essener Nachhilfe-Institut Animus/Cogito

01.03.2016 | 11:00 Uhr
Neue Vorwürfe gegen Essener Nachhilfe-Institut Animus/Cogito
Der Markt boomt. Nicht nur die Eltern von Nachhilfeschülern sollten vor Vertragsabschluss genau hinschauen. Auch gutgläubige Nachhilfelehrer können auf unseriöse Institute hereinfallen.Foto: Christian Charisius

Essen.   Nach dem Bericht in dieser Zeitung haben sich weitere mutmaßliche Betrugsopfer gemeldet. Auch der Inhaber von Topnoten hat Anzeige erstattet.

Kein gutes Haar lassen Dutzende Nachhilfe-Lehrer an Rhein und Ruhr an dem Essener David K. Sie werfen dem Geschäftsführer und Inhaber des Nachhilfe-Instituts „Animus Group & Franchise UG“ (früher „Cogito“) vor, zu betrügen. Seitdem diese Zeitung über den Abzocke-Fall Animus berichtete, haben sich weitere mutmaßliche Opfer zu Wort gemeldet – darunter auch Christopher Affelt, der Inhaber des Essener Nachhilfe-Instituts „Topnoten“, in dem David K. einst das Nachhilfe- und Franchise-Handwerk erlernte.

Von November 2009 bis Januar 2012 habe K. in Diensten von Topnoten gestanden, zu Beginn als einfacher Nachhilfelehrer, dann als Assistent der Geschäftsführung. „Er verdiente rund 2000 Euro und hatte einen Dienstwagen“, gibt Affelt zu Protokoll. Zu Beginn sei die Zusammenarbeit noch sehr fruchtbar gewesen, doch bei K.’s Abschied stand Affelt vor einem Scherbenhaufen. Der Topnoten-Geschäftsführer hat seinen ehemaligen Assistenten angezeigt. Die Liste der Vorwürfe reicht von Unterschlagung, Erpressung und gewerbsmäßigem Betrug bis zu Datendiebstahl mit gewerblicher Nutzung und übler Nachrede. „Die Zusammenarbeit mit meinem ehemaligen Geschäftspartner zählt zu den größten Enttäuschungen meines Berufslebens“, sagt Affelt.

Nach dem Ausstieg bei Topnoten gründete David K. zuerst „Cogito“, das er von 2012 bis Ende 2014 in der Hoffnungsstraße 2 betrieb. Danach eröffnete er das Institut Animus.

Animus-Opfer haben sich zusammengeschlossen

Auf den Abzocke-Bericht in dieser Zeitung hat auch der Essener Jan Herling reagiert. „Einige der in diesem Artikel beschriebenen Machenschaften kommen mir aus eigener Erfahrung sehr bekannt vor“, schreibt der ehemalige Nachhilfelehrer des Instituts „Cogito“. „Inklusive Anwalts- und Gerichtskosten schuldet K. mir aktuell weit über tausend Euro“, behauptet der 35-Jährige. Über seinen Anwalt erwarb Herling in der Zwischenzeit einen Titel zur Zwangsvollstreckung. An die außergerichtlich vereinbarte Ratenzahlung habe sich K. jedoch – von einer ersten unvollständigen Rate abgesehen – nicht gehalten. „Bis zum heutigen Tage habe ich kein weiteres Geld erhalten“, fügt Jan Herling hinzu.

In einer Eidesstattlichen Versicherung vom 27. Januar 2015 soll David K. erklärt haben, über keinerlei Vermögen zu verfügen, von seiner Mutter unterstützt zu werden und mit „Cogito“ lediglich 200 Euro Umsatz gemacht zu haben. Animus-Opfer, die sich jetzt zusammengeschlossen haben, gehen allerdings davon aus, dass David K. in dieser Eidesstattlichen Versicherung „vorsätzliche Falschangaben“ über seine Vermögens-und Einkommensverhältnisse gemacht hat. Mit dem Hinweis auf das erst im Januar 2016 von 4000 auf 4200 Euro erhöhte Animus-Stammkapital hat der Siegener Nachhilfe-Lehrer Michael Ohrndorf den Cogito- und Animus-Geschäftsführer deshalb bei der Polizei angezeigt. Denselben, der sich gerne damit gerühmt habe, „Deutschlands jüngster Franchise-Geber“ zu sein.

Topnoten-Inhaber Christopher Affelt beschreibt David K. als einen Mann mit verschiedenen Gesichtern. „Er kann Leute begeistern, aber auch manipulieren. Ein Gespür für Unrecht scheint er nicht zu besitzen.“ Affelt wünscht sich nichts sehnlicher, als dass „Leuten wie K. das Handwerk gelegt wird, denn sie beschmutzen das Image der gesamten Nachhilfe-Branche“.

Gerd Niewerth

Kommentare
02.03.2016
09:42
Bildung und Teilhabe
von Her-Bert | #2

Es ist leider so, dass etliche Anbieter von Nachhilfe von den Mitteln leben die die Bundesregierung für den Bereich Bildung und Teilhabe bereitstellt...
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1 Antwort
Fortsetzung
von Her-Bert | #2-1

erstattet werden, ist man bei der Stadt Essen froh, seine Gelder hierüber auch wieder zu bekommen. Jede Leistung die nicht bewilligt wird, schmälert die Erstattung an die Stadt Essen.
Dies ist jetzt nur vereinfacht dargestellt, soll aber zeigen, dass die Stadt ein eigenes finanzielles Interesse daran hat, möglichst viele Leistungen zu bewilligen, da sonst die Gelder nicht ausgeschöpft werden für den Bereich BUT und im nachfolgenden Jahr dann gekürzt werden. Kurzum, je mehr Kohle für BUT rausgehauen wird ( für Leistungen die eher das Schulwesen betreffen und somit Landessache sind) umso mehr hat die Stadt Essen was davon.
Wie letztlich der Erfolg solcher Nachhilfen aussieht ist fraglich.
Zumal so mancher "Kultureller Verein" Nachhilfe anbietet für seine Schäflein. Man hilft auch beim Beantragen der Leistungen :)
Was mit diesen Mitteln letztlich finanziert wird ist m.E. nicht das Wohl des Kindes sondern das Wachsen von dubiosen Organisationen. Man sollte hier wachsam sein. ...

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Neue Vorwürfe gegen Essener Nachhilfe-Institut Animus/Cogito
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2016-03-01 11:00
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