Neue Straßenbahn in Essen mit Macken – nur jede zweite fährt

Mit der neuen Niederflurbahn NF 2 hat die Evag noch viel Arbeit.Einige der neuen Straßenbahnen mussten mit Kinderkrankheiten sogar wieder zurück ins Bombardier-Werk.
Mit der neuen Niederflurbahn NF 2 hat die Evag noch viel Arbeit.Einige der neuen Straßenbahnen mussten mit Kinderkrankheiten sogar wieder zurück ins Bombardier-Werk.
Foto: Evag
Was wir bereits wissen
Von den 27 neu gekauften Straßenbahnen der Evag sind neun Monate nach Einführung und kurz vor dem Fahrplanwechsel nur 14 einsatzbereit.

Essen.. Zum Fahrplanwechsel am Sonntag, 14. Juni, verspricht die Evag ihren Fahrgästen mehr Komfort „auf fast allen Linien“. Doch schon zur Pressekonferenz am Dienstag, auf der die Verkehrsplaner ihr neues Werk erstmals der Öffentlichkeit präsentierten, stand fest, dass das Nahverkehrsunternehmen dieses Versprechen nicht halten kann. Der Grund: Von den 27 für 70 Millionen Euro bestellten neuen Niederflurbahnen sind gerade einmal 14 einsatzbereit.

NF 2: Fahrertüren sind undicht, Bodenbeläge lösen sich

Hersteller Bombardier kämpft nach Angaben der Evag mit Kinderkrankheiten. Fahrertüren sind nicht dicht, Bodenbeläge lösen sich, berichtet Christoph Lademann vom Verkehrsmanagement.

Die ein oder andere Bahn sei sogar zurück ins Werk nach Bautzen geschickt worden. Bis Anfang kommenden Jahres will die Evag die letzte der rund zwei Millionen Euro teuren Bahnen aufs Gleis setzten. So lange können Fahrgäste nicht sicher sein, dass an der Haltestelle nicht doch ein „altes Möhrchen“ mit wenig komfortablen Klappstufen vorfährt. Das sollte mit wenigen Ausnahmen eigentlich nur noch auf der neuen „Linie 108“ der Fall sein.

ÖPNV Die wichtigsten Neuerungen zum Fahrplanwechsel im Überblick:

Die neue Linie 108. . .

. . . fährt von Bredeney über den Hauptbahnhof bis zum Bahnhof Altenessen auf dem Weg Linie 107. Da die modernen Niederflurbahnen mit der niedrigen Einstiegshöhe an den Hochbahnsteigen im U-Bahntunnel nicht halten können, fahren auf der Strecke veraltete Straßenbahnen mit ausklappbaren Stufen. Nach Einschätzung der Evag wird sich daran in den kommenden zehn Jahren nichts ändern. Der avisierte Umbau der U-Bahnhöfe entlang der Südstrecke liegt aus Kostengründen auf Eis.

Die Linie 107. . .

. . . fährt vom Hauptbahnhof mit modernen Niederflurbahnen im Zehn-Minuten-Takt zwischen Essen-Hauptbahnhof und Katernberg; dort geht es im 20-Minuten-Takt weiter nach Gelsenkirchen. Im Berufsverkehr fahren im Zehn-Minuten-Takt zwischen Bredeney und Katernberg zusätzliche Bahnen, allerdings handelt es sich um besagtes veraltetes Modell mit Klappstufen. Zu den Hauptverkehrszeiten bietet die Evag zwischen Essen-Hauptbahnhof und Katernberg einen Fünf-Minuten-Takt an.

Die „Kulturlinie“. . .

. . . bleibt als „Marke, verschwindet aber als durchgängige Verbindung zwischen Bredeney und Gelsenkirchen aus dem Fahrplan. Wer die kulturellen Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke entdecken möchte, muss am Hauptbahnhof umsteigen von der Linie 108 in die Linie 107.

Die „Ringlinie“. . .

. . . fährt als Linie 101 im Uhrzeigersinn von Borbeck kommend über die Helenenstraße, den Hauptbahnhof und weiter über Rüttenscheid wieder bis zur Helenenstraße. Als Linie 106 fährt sie die gleiche Strecke gegen den Uhrzeigersinn. In beide Richtungen fahren moderne Niederflurbahnen.

Die Evag hat zwei unterschiedliche Ziffern gewählt, damit Fahrgäste gleich beim Einsteigen erkennen, in welche Richtung sie fahren.

Das „neue Busnetz“. . .

. . . bedeutet, dass die Buslinie 147 nicht mehr nach Haarzopf und Frohnhausen fährt. Zwischen Berliner Platz und Haarzopf übernimmt die Linie 145 und wird ergänzt durch die Linie 196, die bis nach Frohnhausen fährt. Neu ist die städteübergreifende Buslinie 130 von Mülheim-Hauptfriedhof über Haarzopf zum Rhein-Ruhr-Zentrum.