Neubauflächen fürs Wachstum: Ein klares „Ja“ und erste Kritik

Die umfangreiche Liste mit möglichen Neubauflächen für Wohnquartiere und Gewerbegebiete ist gestern auf das erwartete Echo gestoßen. So appellierte etwa die Industrie- und Handelskammer (IHK) mit Blick auf die Engpässe bei der Ansiedlung von Firmen, die Pläne „nicht in der Schublade verstauben“ zu lassen: Sie böten Entwicklungschancen für Unternehmen, brächten Steuereinnahmen und sicherten Arbeits- wie Ausbildungsplätze. Dass man mit Neubauten auf Grün- und Ackerflächen „nicht bei jedem Begeisterung auslösen“ könne, sei allen bewusst. Es gelte aber, so IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Püchel, „die gesamtstädtischen Chancen für Essen nicht aus dem Blick zu verlieren: Essen kann sich den Luxus nicht leisten, Arbeitsplätze zu verschenken.“

Eher zurückhaltend, wenn auch mit hörbarem Wohlwollen reagierten SPD und CDU auf die 30 ausgeguckten Bauflächen. Schon am Tag danach die Bebauung einzelner Grundstücke rigoros auszuschließen, „können wir uns angesichts des absehbaren Flächenbedarfs nicht leisten“, sagte SPD-Fraktionschef Rainer Marschan. Die Liste biete eine „gute Grundlage für eine offene und tabulose Diskussion.“

Für die CDU betonte deren Planungssprecher Uwe Kutzner, man werde „jede einzelne Fläche auf den Prüfstand stellen“. Er warnte zugleich davor, einen alten Fehler aus früheren Flächen-Debatten zu wiederholen, wo man Stadtteile oder Stadtbezirke „gegeneinander ausgespielt“ habe.

Harsche Kritik ernteten Essens Stadtplaner gestern von den Grünen, die mit Blick auf die vorgelegte Grundstücksliste von einem „konzept- und ideenlosen“ Vorgehen sprachen. Fraktionschefin Hiltrud Schmutzler-Jäger erinnerte zudem daran, dass OB Reinhard Paß einst als SPD-Fraktionschef vehement gegen die Bebauung diverser vorgeschlagener Flächen eingetreten sei. Die Grünen kündigten gestern an, sie wollten sich weiter „massiv gegen die Versiegelung wertvoller Grün- und Ackerflächen einsetzen“.