Neonazi-Laden "Oseberg" darf doch bis 2019 in Essener Nordcity bleiben

Das Geschäft "Oseberg" an der Viehofer Straße in Essen ist Anlaufpunkt für Rechte und Neonazis aus ganz NRW. Der Betreiber hat den Mietvertrag durch eine einseitige Option bis 2019 verlängern können.
Das Geschäft "Oseberg" an der Viehofer Straße in Essen ist Anlaufpunkt für Rechte und Neonazis aus ganz NRW. Der Betreiber hat den Mietvertrag durch eine einseitige Option bis 2019 verlängern können.
Foto: Sebastian Konopka/WAZ FotoPool
Die Händler in der Essener Nordcity sind irritiert, linke und antifaschistische Gruppen empört: Das Bekleidungsgeschäft "Oseberg", das als einziger Laden westlich von Hannover die Marke „Thor Steinar“ führt, darf bis 2019 an Ort und Stelle bleiben. Am Samstagmittag demonstrieren antifaschistische Gruppen gegen das Geschäft.

Essen.. Der Mann am anderen Ende der Leitung klingt ernsthaft verzweifelt. „Solch ein Fehler wird mir nie wieder passieren“, sagt er. „Ich prüfe jetzt jeden Mieter auf Herz und Nieren.“ Das hat der 55-Jährige, dem das Haus an der Viehofer Straße 20 gehört, im Frühjahr 2009 versäumt.

Seither nämlich ist die Adresse Anlaufpunkt für Rechtsradikale und Neonazis aus ganz NRW: In dem Ladenlokal betreibt die Firma Mediatex mit dem „Oseberg“ den einzigen Laden westlich von Hannover, in dem die rechte Szene ausschließlich ihre Erkennungskleidung der Marke „Thor Steinar“ einkaufen kann. Im Bundestag und in vielen Stadien ist diese verboten. Der Vermieter hatte 2010 gar mit einer Räumungsklage versucht, die Mieter loszuwerden. Vergebens. Im März 2014 läuft der Fünf-Jahres-Vertrag aus. Was Geschäftsleute der aufblühenden Nordcity nun irritiert und antifaschistische Gruppen empört: Das „Oseberg“ darf trotzdem bis 2019 bleiben.

„Es tut mir wirklich leid“

Zwei Tage vor der Demonstration, bei der linke Gruppen am Samstag vor dem „Oseberg“ Stellung beziehen wollen (siehe Kasten), erklärt der Vermieter „diese ärgerliche Option im Vertrag“. Mediatex könne einseitig um fünf Jahre verlängern. „Es tut mir wirklich leid. Mir sind die Hände gebunden.“ Auch die erfahrenen Fachanwälte seiner Hausverwaltung sähen kein mietrechtliches Mittel gegen das Geschäft. Für Jürgen Bessel klingt das plausibel: „Solche Optionen sind im Einzelhandel durchaus üblich“, weiß der Vorsitzende des Einzelhandelsverbandes Ruhr. „Da kann man nichts machen.“

Dennoch wird der Vermieter, dessen Makler die Händler aus Brandenburg seinerzeit ins Haus geholt hatte, von Antifa-Gruppen kritisiert: „Wir sind bitter enttäuscht“, sagt Stefan Sander von der Antifa Essen Z. Demonstrieren wollten sie heute ursprünglich, damit der 55-Jährige den Vertrag kündigt, ehe die Frist dafür Ende September abläuft. Nun stehe die dritte Demonstration gegen das „Oseberg“ vor allem im Zeichen der Aufklärung, so Sander.

Der Hausbesitzer selbst gibt übrigens auch der Stadt und der Politik eine Mitschuld „an der Misere: Warum erlauben die denen denn, hier zu verkaufen?“ Auch das Bündnis „Essen stellt sich quer“ hatte diesen Akteuren vorgeworfen, sich nicht einzumischen. Stadtsprecher Stefan Schulze entgegnet: Die Stadt „hat keine Handhabe“, könne „etwa bei Ordnungswidrigkeiten oder Sicherheitsgefährdungen eingreifen“. Solche aber gab es an der Viehofer Straße – bislang nicht.

„Oseberg“ passt nichts ins Konzept der aufblühenden Nordcity-Händler

Dass das „Oseberg“ nun wohl bis 2019 Erkennungskleidung der Neonazi-Szene an der Viehofer Straße verkaufen darf, passt auch der Interessen- und Standortgemeinschaft Nördliche Innenstadt (ISG) nicht ins Konzept.

„Diese Klientel, die da angezogen wird, kann nicht in unserem Interesse sein“, sagt ihr Vorsitzender Andreas Hausner. Beschwerden von Kunden oder Anwohnern über das Geschäft seien der ISG zwar nicht bekannt. Hausner aber glaubt dennoch, dass gerade die als Rechtsradikale erkennbaren Mitglieder der rechten Szene „das subjektive Sicherheitsgefühl unserer Kundschaft negativ beeinflussen“.

Wo sich doch das dauerhafte Engagement von Geschäftsleuten, Gastronomen, Immobilienbesitzern, Polizei und Wirtschaftsförderung gegen Kriminalität und Leerstand im Quartier mehr und mehr auszahle, wie der Großhändler für Industrieteile berichtet.

Obendrein konnte die Nordcity von neuen Besuchern durch Reinhard Wiesemanns „Generationen-Kult-Haus“ und das GOP Varieté profitieren, auch die Nähe zum Uni-Viertel und zum Limbecker Platz verbessert die Situation der Händler und Vermieter. Das bestätigt Andreas Hausner. Ein Nachmieter für das „Oseberg“ wäre also vermutlich schnell gefunden. Vor 2019 aber wird das Ladenlokal wohl nicht frei.