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Narr und Neonazi - NPD-Aktivist in Karnevalsverein engagiert

15.02.2012 | 19:45 Uhr
Narr und Neonazi - NPD-Aktivist in Karnevalsverein engagiert
Tristan K. (Mitte) bei einer Kundgebung der NPD am 27. November 2010 in Katernberg. Foto: Antifa Essen

Essen.   Ein hochrangiger Funktionär der Essener NPD ist als Mitglied des Karnevalsvereins Fanfarencorps Grün-Weiß Essen-Burgaltendorf von einem linken Nachrichtenportal geoutet worden. "Tristan K. ist alles andere als ein harmloser Mitläufer", heißt es von Seiten der Essener Antifa. Die Narren haben ihn aus ihrer Mitgliederliste gestrichen.

Eigentlich hätten sie beim Fanfarencorps Grün-Weiß Essen-Burgaltendorf allen Grund zur Freude, steht doch Rosenmontag vor der Tür. Doch vor dem alljährlichen Höhepunkt aller Narren, stand erst einmal ein Tiefschlag: Dass einer aus ih­ren Reihen in der rechten Szene aktiv sein soll, gar als Vorsitzender der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten, hielt Sascha Melchert, zweiter Vorsitzender des Fanfarencorps, wohl nur anfangs für einen ziemlich schlechten Scherz.

Wie das linke Nachrichtenportal „Indymedia“ berichte, ist mit Tristan K. einer der hochrangigen Funktionäre der Essener NPD Mitglied bei Grün-Weiß Essen-Burgaltendorf. Der Fanfarencorps reagierte am MIttwoch umgehend: „Da wir die politischen Ziele der NPD und somit des Herrn Tristan K. in keinster Weise unterstützen, haben wir mit sofortiger Wirkung Herrn K. von unserer Mitgliederliste gestrichen“, so der Vorstand in einer Stellungnahme. Recherchen im Internet ergeben, dass Tristan K. noch bis vor kurzem auf der Webseite des Fanfarencorps als Mitglied der Standarte aufgeführt wurde.

„Tristan K. ist alles andere als ein harmloser Mitläufer. Er ist seit Jahren in der rechten Szene aktiv und beteiligt sich regelmäßig an den Kundgebungen der NPD“, betont Tessa Kuijer, Pressesprecherin der Antifa Essen Z. Laut vertraulichen Unterlagen, die der NRZ vorliegen, trat K. im Juni 2011 bei einer Kundgebung der Junge Nati­onaldemokraten in Altenessen sogar als Organisator in Erscheinung. Kuijer: „Besonders schockierend ist die Tatsache, dass viele Kinder und Jugendliche im Burgaltendorfer Fanfarencorps aktiv sind und dort mit der neonazistischen Ideologie konfrontiert werden könnten.“

„Wir sind selber davon überrumpelt worden“

Im Verein sei nicht bekannt gewesen, dass Tristan K. rechte Ansichten vertritt, versucht Melchert Schaden vom Fanfarencorps abzuwenden: „Wir sind selber davon überrumpelt worden.“ Schon am 5. Februar sei eine E-Mail bei ihnen eingegangen, die auf K.s Aktivitäten hinwies. „Wir haben im Karnevalsstress nicht sofort darauf reagiert und hatten seither keine Sitzung, bei der wir das hätten thematisieren können“, so Melchert. Seit anderthalb Jahren sei K. Mitglied im Verein, habe vergangene Session die Standarte getragen, sich seither aber nicht mehr beim Fanfarencorps sehen lassen. „Der Kontakt ist abgerissen“, heißt es. Melchert bestätigt, dass K. in seiner aktiven Zeit auch mit Kindern und Jugendlichen zu tun hatte. Für die NRZ war K. gestern nicht zu sprechen.

Neben Tristan K. sind fünf weitere Mitglieder seiner Familie seit etwa sechs Jahren im Fanfarencorps aktiv und sollen es auch bleiben. Melchert: „Sie waren überrascht zu hören, dass Tristan sich in rechten Kreisen bewegt. Sie waren zu keiner Zeit auffällig und sind bei uns sehr engagiert.“ K. wurde untersagt, an offiziellen Terminen des Vereines teilzunehmen. „Dadurch greifen wir den Vorwürfen vor, dass die NPD unseren Verein untergräbt“, heißt’s in der Stellungnahme des Fanfarencorps.

Pascal Hesse



Kommentare
16.02.2012
13:13
Narr und Neonazi - NPD-Aktivist in Karnevalsverein engagiert
von shovel74 | #50

Ich hätte da noch ein neues Aufgabenfeld für die sog. Antifa:

http://www.sueddeutsche.de/panorama/soziale-spannungen-im-berliner-wedding-angriff-aus-der-falschen-richtung-1.1281636

Da können sie ihre solidarische Energie mal einsetzen. Aber halt, da gäbe es vileeeicht auf die Schn..ze.

16.02.2012
13:02
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Name von Moderation entfernt | #49

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16.02.2012
13:01
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Name von Moderation entfernt | #48

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16.02.2012
13:00
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16.02.2012
12:57
es ist interessant.
von Komisch66 | #46

Es ist interessant hier die unterschiedlichen Sichtweisen nachzulesen, allerdings sind diese meistens etwas realitätsfern. Es handelt sich hier um einen aktiven Neonazi. So steht es zumindest im Artikel und der Überschrift und da muss ganz klar gesagt werden, dass solche Menschen in kulturell wichtigen Vereinen wie einem Karnevalsverein fehl am Platze sind. Es bleibt nämlich die Frage nach dem "Warum" dieser Mensch in diesem Verein ist und hier wird deutlich, dass möglicherweise eine Unterwanderung kultureller Vereine und Institutionen geplant ist/war oder bereits teilweise erfolgt ist. Dies ist in einem Land, das gerade erst diue furchtbaren Taten einer bösen brauen Nazi-Terrorzelle zu verdauen hatte, nicht akzeptabel.
Eine weitere Frage ist doch, muss ein solcher Ausschluss des Menschen aus dem Verein auch öffentlich gemacht werden? Ich denke,nicht unbedingt. Mankönnte bereits bei Vereinseintritt die jeweilige politische Gesinnung erfragen und solches im Vorhinein verhindern. Die Änderung der politischen Gesinnung musste dann ebenfalls umgehend angegeben werden. Diese Daten könnten dann auch dem Verfassungsschutz zugänglich gemacht werden, der damit diese Menschen besser identifizieren und überwachen könnte. Dies klingt zunächst nach "Überwachungsstaat" aber ich denke wir als Deutsche haben eine Bringschuld und müssen dafür sorgen, dass Rechtsradikalismus in unserem Lande keine (auch nicht stillschweigende) Toleranz findet.
Was den Karnevalsverein angeht, so hat dieser ja umgehend reagiert und diesen Menschen ausgeschlossen. Auchhier muss man jedoch fragen: Genügt das?
Muss mannicht gerade jetzt die öffentliche Aufmerksamkeit nutzen und beispielsweise Aktionen wie eine Menschenkette oder ein Kerzenmeer gegen rechts veranstalten?
Dies wäre auch das Zeichen an die Öffentlichkeit, dass man sich seiner Fehler des Nicht-Erkennen des Nazis in ihren Reihen bewusst ist und dies wieder gut machen möchte.

16.02.2012
12:57
Interessant,
von bigkahuna | #45

was für eine Welle des Mitgefühls dem Standartenführer entgegenschlägt.
Selbst der peinliche Stürmervergleich fehlt nicht.
Wahrscheinlich weiß der User Schweinerollbraten nicht so ganz genau, was der "Stürmer " tatsächlich war.
Aber Neonazis haben nunmal nicht umsonst gern mal eine Fünf in Geschichte...

16.02.2012
12:52
Narr und Neonazi - NPD-Aktivist in Karnevalsverein engagiert
von Punisher123 | #44

Ich mag die NPD zwar auch nicht, aber ich finde es schon verwunderlich, dass das - so muss man es nennen - Denunziantentum von einem mehr oder weniger linksextremen Portal nahezu unkommentiert von der Redaktion hingenommen wird.

Das Verhalten des Vereins könnte juristisch ebenfalls grenzwertig sein, zumal das Vereinsrecht bzw. das BGB auch - ganz ernst - für Karnevalsvereine gilt. Natürlich kann ein Freizeitverein frei entscheiden wer bei ihm Mitglied wird und wer nicht. ABER wenn da schon jemand bereits als Mitglied aufgenommen worden ist, die Beiträge rechtzeitig gezahlt hat und im Vorfeld(!) kein expliziter Unvereinbarkeitsbeschluss zwischen einer Mitgliedschaft im Karnevalsverein und der NPD aufgestellt worden ist, dann kann man diese Person eigentlich nicht so einfach aus einem Verein ausschließen. Sollte der NPDler gegen seinen Rauswurf klagen, dann hätte er wohl beste Karten vor Gericht.

16.02.2012
12:46
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Name von Moderation entfernt | #43

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16.02.2012
12:23
Narr und Neonazi - NPD-Aktivist in Karnevalsverein engagiert
von Marcel1977 | #42

In der Tat krass, vor allem weil ihr Plan Menschen verhungern lassen zu wollen sie auf genau die gleiche Stufe stellt.

16.02.2012
12:13
Narr und Neonazi - NPD-Aktivist in Karnevalsverein engagiert
von FernerBeobachter | #41

Man stelle sich wirklich einmal vor, ein bekannter überzeugter Rechtsextremist geht zum Bäcker, und der Bäcker sagt nur, "Du kriegst hier nichts". Er geht, hungrig, weiter in den Lebensmitteldiscounter und hört da den gleichen Spruch. Irgendwann hat er alles Möglichkeiten zum Nahrungsmittelerwerb erfolglos durchprobiert und geht, immer noch hungrig, nach Hause. Und überlegt dort, warum er Hunger hat. Krass? Ja.

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