Nahkampf ohne Hemmungen

Der SPD scheint mittlerweile egal zu sein, welchen Eindruck sie in der Öffentlichkeit vermittelt. Den Oberbürgermeister in der heißen Phase des Kandidatenrennens vorzuführen mit Zahlungsversäumnissen, die ihm offenbar wirklich nicht bekannt sein konnten, ist schlechter Stil. Am 9. Dezember 2014 erhielt Reinhard Paß in einem forschen Schreiben eine fünfstellige Beitrags-Nachzahlung ins Haus, nicht aber der ebenfalls säumige Stadtdirektor Hans-Jürgen Best. Der blieb - Stand gestern - völlig unbehelligt. Alles Zufall? Wer so offen mit zweierlei Maß misst, nährt den Vorwurf, es gehe nicht um Geld, sondern um politischen Nahkampf mit schmutzigen Tricks.

Diese Zeitung hat die gesamte bisherige Amtszeit von Reinhard Paß kritisch begleitet, sie hat klare, auch harte Worte gefunden, wenn es dafür Gründe gab - und die gab es reichlich. An dieser Haltung wird sich nichts ändern. Es ist legitim, die inhaltliche Arbeit und den Amtsstil des OB zu kritisieren und eine personelle Alternative ins Spiel zu bringen, wie es die SPD-Chefin tat. Etwas anderes ist es, ihn auf Nebenkriegsschauplätzen mürbe zu machen. Wer mitbekommt, wie die Akteure der SPD-Lager verbittert übereinander reden - auch die Paß-Leute bilden da keine Ausnahme -, wundert sich allerdings über nichts mehr.