Naherholung unter Denkmalschutz

Borbeck..  Er ist eines der grünen Juwele in der Stadt, lockt jedes Jahr zehntausende – wenn nicht mehr – Besucher zum Entspannen und blickt zurück auf eine höchst wechselvolle Geschichte: Seit 2012 steht der Schlosspark in Borbeck unter Denkmalschutz und schaut in eine rosige Zukunft.

„Der Schlosspark Borbeck (...) ist einer der ältesten Landschaftsgärten im Rheinland“, schrieb Dr. Kerstin Walter vom Amt für Denkmalpflege im Rheinland anlässlich des Denkmalschutzverfahrens vor mittlerweile drei Jahren über das wohl beliebteste Naherholungsziel im Großraum Borbeck. Die Wurzel dazu legte schon die Werdener Fürstäbtissin Elisabeth II von Manderscheid-Blankenheim, die um 1590 hinter dem Schloss im Schlosswald einen frühen Waldpark anlegen ließ.

Vergnügungspark der 1920er

Der wuchs und wuchs, Fürstäbtissin auf Fürstäbtissin hinterließen ihre Spuren, ließen Wege, Gärten und Alleen anlegen, schließlich entstand vermutlich Mitte des 18. Jahrhunderts auch das ausgefeilte Wassersystem – u.a. floss in einer treppenartigen Kaskade die Borbecke vom heutigen Westen des Parks bis zum Parkteich und wahrscheinlich auch zum Schlossteich. Der Park erblühte im Barock mit langen geraden Wegen und weiten Sichtachsen. „Ein Hochwald wurde Stück für Stück zu einem Schlosspark. Praktisch dafür war das fließende Wasser“, erläutert Birthe Marfording, die seit 2005 historische Führungen im Park durchführt. Wo früher die Kaskade floss, schlängelt sich heute der Schlossbach.

Prägend – für den damaligen Park wie auch den gegenwärtigen und zukünftigen – wurde die Zeit ab 1783. Da kam zur starren und etwas kahlen Symmetrie des Barock der englisch-chinesische Naturgarten, Favorit der Fürstäbtissin Maria Kunigunda. Dichte Baumreihen wurden angelegt, auch heute noch prägende landschaftliche Elemente geschaffen. Der Borbecker Schlosspark erweckte mit Blickfängen wie einem Pavillon auf der Insel im großen Parkteich, einer künstlichen Ruine und vielem mehr das Interesse auch über Deutschland hinaus. Vieles davon ist heute verschwunden.

Denn die Zeit der Fürstäbtissinnen ging zu Ende. Im Zuge der Säkularisation war ab 1803 kurz der preußische Staat der Hausherr. Mehrfach wechselten Schloss und Park dann den Besitzer, bis die Familie von Fürstenberg 1826 zugriff. Wieder wurde verändert, gebaut und neu gepflanzt. Bis jemand auf die Idee kam, mit dem Schlosspark Geld zu verdienen. Im Jahr 1920 bekamen die Borbecker dann ihren „Prater“, durften zwar zum ersten Mal in den Park, mussten aber Eintrittsgeld bezahlen. An Sonn- und Feiertagen strömten bis zu 20 000 Menschen täglich zum neuen Kahnweiher, dem Freilufttheater, den Tennisplätzen oder einem Tiergehege.

Vergänglich war die Herrlichkeit, Wirtschaftskrise und verregnete Sommer drehten den Geldhahn zu, ganze Wege wurden gesperrt. Auf Druck der Bevölkerung kaufte die Stadt schließlich Gebäude und Park 1941 für 740 000 Reichsmark.

Die Sünden der 1950er und 1960er Jahre nach dem Krieg ließen viele historische Bauten verschwinden, der Gondelteich wurde zugeschüttet und auch die Wasserkaskade trug man 1952 ab. Terrassengarten, Baumgarten und Plantage westlich der Vorburg wurden Bauland für die Realschule Schloss Borbeck und die Siedlung Schlosswiese/Schlossgarten.

Erst 2002 nahm sich die Stadt wieder bewusst des historischen Erbes der mittlerweile rund 42 Parkhektar an. Ein Pflegewerk wurde verfasst, das Parkbetrieb und -pflege in die Tradition der Zeit der Maria Kunigunda stellt und Grundlage für den Denkmalschutz werden sollte. Die Zukunft ist gesichert.