Nachbarn stehen nach Bluttat in Essen unter Schock

Die Bluttat in dem gepfegten Viertel in Essen-Burgaltendorf hat Nachbarn schockiert.
Die Bluttat in dem gepfegten Viertel in Essen-Burgaltendorf hat Nachbarn schockiert.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Liebenswert nennen Nachbarn die 79-Jährige, die offenbar vom Ex-Mann im gemeinsamen Haus erschossen wurde. Anwohner berichten auch von Streitereien.

Essen.. Nachdem die Polizei die Leichen eines geschiedenen Ehepaares in einem Zweifamilienhaus in Burgaltendorf gefunden hat, stehen die Menschen unter Schock. Das einstige Paar lebte unter einem Dach in zwei Wohnungen „Im Brauke“. Nach derzeitigen Ermittlungen soll der 78-Jährige seine Frau und dann sich erschossen haben. Die Waffe lag neben ihm.

Eine Verwandte hatte die tote 79-Jährige entdeckt und die Polizei gerufen. Die Mordkommission ermittelt, während Nachbarn Worte für die Tragödie suchen: „Es tut weh, weil man sich so lange kannte“, sagt einer. Nennt die furchtbare Tat Explosion, denn Streit hätten die beiden immer wieder gehabt. Manches böse Wort drang bis auf die Straße. Die Scheidung liege Jahre zurück. Ob der Streit noch mit dieser zusammenhänge? „Den Grund für die Trennung und die Streiteren kennen wir nicht.“ Fest steht, dass die beiden zwar getrennte Wohnungen hatten, sich aber durchaus Räume wie den Keller teilten. Dort lag das Opfer. Mögliches Motiv und die Herkunft der Waffe, sind noch ungewiss. Einen Waffenschein hatte er laut Polizei nicht.

"Sie war ein besonders liebenswerter Mensch"

Beziehungstat „Die Frau hat nie ein böses Wort über ihn verloren“, versichert eine weitere Nachbarin. Sie habe gar nicht über ihre Beziehung gesprochen, nachgebohrt habe keiner. Sie sei einfach außergewöhnlich hilfsbereit gewesen und habe andere etwa mit ihrem Auto gefahren: „Sie war ein besonders liebenswerter Mensch, ich kann nur das Allerbeste über sie sagen.“ Oft hätten sie beim Kaffee über alte Zeiten in Ostpreußen gesprochen. Denn in die Siedlungen zogen ab 1972 Menschen, „die Hof und Heimat verloren haben, weil sie nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben worden sind.“ Am Montag noch hätten sie geplaudert, wollten sich wieder treffen, sagt sie. Den Mann aber kenne sie kaum, aber er solle wie seine Ex-Frau den Kontakt zu ihren beiden Söhnen gepflegt haben.

Andere mutmaßen, der 78-Jährige sei bei der Tat möglicherweise betrunken gewesen: „Es war ja Silvester.“ Dass das Ex-Paar um Mitternacht nicht zum Anstoßen auf die Straße kam wie üblich, wunderte einige, andere sagen: „Sie hätten auch auswärts feiern können.“ Als aber Polizei und Leichenwagen anrückten, gab es Gewissheit.

Nun fangen Nachbarn sich gegenseitig auf, beschreibt eine Seniorin: „So eine Nachbarschaft habe ich noch nie erlebt“, sagt eine Seniorin, die seit 30 Jahren dort wohnt: „Unsere Gärten haben keine Zäune.“ Die 79-Jährige hat in ihrem Gemüse angebaut. Wenn sie länger in Urlaub fuhr, habe sie ihr den Hausschlüssel anvertraut – und umgekehrt. „Braucht hier einer Hilfe, sagt niemand nein“, sagt die Nachbarin. Im Mai wollten sie dann gemeinsam verreisen: zur Bundesgartenschau ins Havelland. „Sie hatte noch so viel vor, ich habe einen lieben Menschen verloren.“