Nach Scheich-Debakel - Folkwang-Neubau und Hotel auf Zollverein

Mit diesen Entwürfen aus dem Jahr 2010 wird weiter gearbeitet: Zumindest teilweise sollen sie auf dem Gelände von Zeche Zollverein errichtet werden. Im Hintergrund: Schacht 1/2/8 und links die Kokerei.
Mit diesen Entwürfen aus dem Jahr 2010 wird weiter gearbeitet: Zumindest teilweise sollen sie auf dem Gelände von Zeche Zollverein errichtet werden. Im Hintergrund: Schacht 1/2/8 und links die Kokerei.
Foto: WAZ FotoPool
Zwei Jahre nach dem Debakel mit einem Scheich als Investor, der ein großes Grundstück auf Zeche Zollverein kaufte, aber nie bezahlte, gibt es jetzt neue Eigentümer für 13000 Quadratmeter Weltkulturerbe-Areal. Entstehen soll ab nächstem Sommer der lang ersehnte Neubau für die Folkwang Hochschule und ein Hotel.

Essen.. Zwei Jahre nach dem spektakulären Scheitern jahrelanger Kauf-Verhandlungen mit einem saudischen Öl-Scheich gibt es erstmals realistische Zukunfts-Pläne für einen bedeutenden Teil des Zollverein-Geländes. Der lang ersehnte Neubau für die Folkwang Universität soll vom Sommer 2015 an errichtet und im Sommer 2017 bezogen werden. 500 Studierende des Fachbereichs Gestaltung werden dort eine neue Bleibe finden. Außerdem soll Ende des Jahres 2017 ein Hotel auf dem Weltkulturerbe-Gelände fertig sein. Entsprechende Kauf- und Mietverträge seien am Dienstag unterschrieben worden, teilte die Staatskanzlei des Landes NRW mit.

Sieben Jahre lang war mit dem Scheich Hani Yamani verhandelt worden, es kam sogar zum Vertragsabschluss – doch NRW löste den Vertrag im September 2012 wieder auf: Denn der Scheich hatte den Kaufpreis über die Fläche der künftigen „Designstadt“ nie entrichtet. Yamani hatte mehrere Neubauten auf dem Gelände des jetzigen Holzlagerplatzes geplant, die Rede war stets von einer 140-Millionen-Euro-Investition gewesen. Nach dem Scheitern musste der Grundstücksverkauf im letzten Sommer europaweit neu ausgeschrieben werden.

Land hat die Hälfte der Zollverein-Fläche verkauft

Das Land hat am Dienstag etwa die Hälfte der Fläche, die seinerzeit Scheich Hani Yamani kaufen und bebauen wollte, an eine neue Entwicklungsgesellschaft veräußert – hinter der „Welterbe Entwicklungsgesellschaft mbH & Co. KG“ stehen die RAG Montan Immobilien GmbH, die ihren Sitz in der Nähe der Zollverein-Kokerei hat, sowie die Essener Entwicklungsgesellschaft Kölbl Kruse.

Kölbl Kruse hat bereits viele Projekte in Essen realisiert - unter anderem die Sanierung des Glückaufhauses in Rüttenscheid mit dem Kino „Filmstudio“. Derzeit baut Kölbl Kruse die neue Zentrale des Logistikkonzerns DB Schenker in der Nähe des Hauptbahnhofs auf dem Gelände des früheren AEG-Gebäudes.

Über den Kaufpreis des Grundstücks wurde bislang Stillschweigen vereinbart; Details sollen in der nächsten Woche auf der Immobilienmesse „Expo Real“ in München bekanntgegeben werden. Der Neubau der Folkwang Hochschule soll wie bisher nach Plänen des Stuttgarter Architektenbüros MGF realisiert werden. Der Entwurf war bereits 2010 als Sieger aus einem Wettbewerb hervorgegangen. Für den Hotel-Neubau liegt ebenfalls bereits ein Entwurf vor. Für die zwei weiteren Grundstücke, die jetzt noch nicht verkauft worden sind, führt die Landesgesellschaft „NRW Urban“ derzeit „weitere Verhandlungen“, heißt es in einer Mitteilung der Staatskanzlei. Geplant sei die Entwicklung „von Flächen für die Kreativwirtschaft, teilweise auch kombiniert mit Wohnen“.