Mythenpflege auf dem Friedhof der Familie Krupp-Bohlen und Halbach

chwarzer Marmor für die Ewigkeit, und ein Adler passt auf: Die Grabmäler von Friedrich Alfred (li.) und Alfred Krupp auf dem Friedhof Bredeney.
chwarzer Marmor für die Ewigkeit, und ein Adler passt auf: Die Grabmäler von Friedrich Alfred (li.) und Alfred Krupp auf dem Friedhof Bredeney.
Foto: WAZ Fotopool
Der Privatfriedhof der Familie Krupp-von Bohlen und Halbach zeigt, welche Funktion ein Totenort auch haben kann: Deutungshoheit über den Tod hinaus, Pflege von Mythen und Traditionen. Eindrucksvoll in diesem Sinne sind die Gräber von Alfred und Friedrich Alfred Krupp.

Essen.. Große Familien haben auch im Tod das Bedürfnis nach großer Repräsentation. Das war schon immer so und ist auf vielen Friedhöfen zu besichtigen, auch wenn heute bei Grabmälern bescheidenere Formen üblich sind als etwa zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In Essen lässt sich historische Grabkultur vor allem an zwei Totenorten besichtigen: Auf dem Ostfriedhof, der im Rahmen dieser Serie noch eine Rolle spielen wird, und auf dem Privatfriedhof der Familie Krupp in Bredeney.

Der ursprüngliche Friedhof für viele alteingesessene Essener Familien, also auch für die Krupps, lag zwischen dem Hauptbahnhof und den heutigen Evonik-Hochhäusern und musste in den frühen 1960er Jahren dem Bau der Autobahn A 40 weichen. Die Familie von Bohlen und Halbach erwarb ein Areal auf dem Friedhof Bredeney, und bettete die Krupp-Toten und ihre Grabmäler dorthin um. Geschaffen wurde ein Totenort mit einer ganz eigenen, park-ähnlichen Atmosphäre, der zwar abgetrennt, aber für jedermann zugänglich ist.

Der Sarkophag von Alfred Krupp hat etwas Auftrumpfendes

Grabmale gehorchen den Moden der Zeit, aber wenn sie gelungen sind, dann symbolisieren sie etwas vom Leben des Toten. Zwei fallen sofort ins Auge. Der mächtige, hohe, fast abweisende Sarkophag von Alfred Krupp hat etwas Auftrumpfendes. Das passt, denn der eigentliche Begründer des Weltunternehmens gehörte nicht zur Gattung der Selbstzweifler. Er starb hoch angesehen 1887, und der respektvoll gemeinte Titel des „Kanonenkönigs“ war noch fern von moralisch-vorwurfsvollen Untertönen.

Ganz anders sein Sohn, der 1902 mit 48 Jahren unter nicht ganz geklärten Umständen starb, nachdem ihn die sozialdemokratische Presse in die Mangel genommen hatte. Vordergründig ging es um homosexuelle „Verfehlungen“ auf der Insel Capri, tatsächlich stand Friedrich Alfred Krupp im Zentrum der schärfer gewordenen Kämpfe zwischen „Kapital“ und „Arbeit“. Die Familie wollte ihn stets als Opfer sehen, dem man die Würde genommen hatte, was sein Grab auch symbolisiert: Ein Adler aus Bronze bewacht mit meterlangen Schwingen seine letzte Ruhe - eine starke Bildsprache.

Schlichter wollten es die Nachfahren. Bertha und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach ruhen einträchtig nebeneinander - man sagt, sie hatten bis zuletzt eine glückliche Ehe geführt. Auch viele ihrer Kinder sind in der Nähe versammelt, am Grab von Alfried Krupp, dem letzten Alleininhaber, liegen meist Blumen. Bis heute dient die stille Privatparzelle der Familie als Begräbnisort. An wenigen Orten in Essen lässt sich dem Mythos Krupp so eindrucksvoll nachspüren wie hier.