Mysteriöser Datendiebstahl in einem Essener Sanitätshaus

Rechnungen und Kontoauszüge, die im Garten landeten.
Rechnungen und Kontoauszüge, die im Garten landeten.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die sensiblen Kundenunterlagen eines Essener Sanitätshauses sind in Nachbargärten gelandet. Dazu tauchte ein seltsames Schreiben auf. Die Polizei ermittelt.

Essen.. Ganz besondere Luftpost ist am windigen Wochenende in den Gärten der Anwohner der Siedlung „Quartier 4“ an der Veronikastraße in Essen-Rüttenscheid gelandet. Es waren Rechnungen, Überweisungen und Rezepte gespickt mit vielen persönlichen Daten von Kunden des benachbarten Sanitätshaus Lang. Was auf den ersten Blick an Schludrigkeit im Umgang mit sensiblen Daten erinnert, hat sich zu einem Kriminalfall entwickelt. „Wir haben die Polizei eingeschaltet und Anzeige erstattet“, sagte am Montag Inhaber Peter Selmaier der WAZ.

Die feuchten Papiere, die beispielsweise eine Anwohnerin der Veronikastraße am Samstag im Garten fand, gaben eindeutig Auskunft: Über einen 60-Jährigen Essener, der an einem diabetischen Fußsyndrom leidet. Über die Seniorin aus dem Essener Norden, die einen Toilettenstuhl benötigt. Jeweils mit Adresse, Geburtsdatum und Kontonummer. „Wie kommen solche Informationen in die Öffentlichkeit?“, fragte die besorgte Finderin. Da sie am Wochenende niemand beim Rechnungssteller, dem Sanitätshaus Lang, erreichte, deponierte sie die 60 Zettel bei unserer Zeitung.

Übergabe der sensiblen Unterlagen im Sanitätshaus

Am Montag, bei der Übergabe der sensiblen Unterlagen im Sanitätshaus an der Veronikastraße, zeigten sich die Inhaber René Giese und Peter Selmaier überrascht. Die Papiere, so konnten sie nachvollziehen, waren im August 2014 an das Entsorgungsunternehmen Rhenus übergeben worden, einen Experten für Aktenvernichtung. „Das läuft über eine versiegelte Tonne, die von uns gefüllt und von Rhenus abgeholt wird“, erklärte Peter Selmaier. Warum die Unterlagen nicht entsorgt wurden? „Das wüssten wir auch gerne“, so der Inhaber des Unternehmens.

Sein Geschäftspartner René Giese wurde am Montagmorgen mit einem weiteren Fund überrascht. Im Briefkasten des Sanitätshauses war ein dicker Umschlag deponiert: Gefüllt mit weiteren Unterlagen, die aber nicht aus dem Geschäftsjahr der Gartenfunde stammen und mit diesen auf den ersten Blick nichts zu tun haben.

Papierordner vermutlich entwendet

„Diese Papiere stammen aus einem Papierordner, der bei uns entwendet worden sein muss“, sagte Peter Selmaier. Dem Umschlag war ein Schreiben beigelegt. Im dem steht unter anderem: „Wenn Sie das nächste Mal Rechnungen und Auszüge vernichten wollen, machen Sie es bitte besser, denn sie haben nicht mit uns gerechnet.“ Unterschrieben ist der Brief mit „I“, „N“, „E“ und „M“ sowie vier Fragezeichen. Im handgeschriebenen Brief steht zudem groß „Blau & Schlau“ sowie ein gehässiger Hinweis auf frühere Geschäftszahlen des Sanitätshauses, die sich offenbar aus den Akten ablesen lassen.

„Wir können uns nicht erklären, wer das war und was das soll“, sagte am Montag Peter Selmaier. Die Essener Polizei hat nach der Anzeige die Ermittlungen aufgenommen.