„Mutter Furie“ geht nach Russland

Die Städtepartnerschaft mit dem russischen Nischni Nowgorod spielt für die Studio-Bühne eine besondere Rolle: Seit 20 Jahren besucht das Krayer Amateurensemble die dort beheimateten Kollegen des Theaters Vera. Auch wenn auf Bundesebene die diplomatischen Beziehungen zwischen den Ländern aktuell kühler sind als Wodka mit Eis: Die Theaterfreundschaft bleibt bestehen.

Und so machen sich auch in diesem Jahr rund ein Dutzend Vertreter des freien Theaters aus Essen auf in die fünftgrößte Stadt Russlands: Vom 23. bis zum 29. Mai reisen sie zum inzwischen achten Mal – auch um dort Theater zu spielen.

Wo genau, weiß die Truppe allerdings noch nicht: „Das Theater Vera hat, ähnlich wie wir, ein Problem mit seiner Spielstätte“, erläutert die künstlerische Leiterin Kerstin Plewa-Brodam. Da dort eine Totalsanierung vonnöten sei, sei das Theater Vera momentan obdachlos und gastiere deshalb für die Dauer der Sanierungsarbeiten an unterschiedlichen Orten.

Wo auch immer sie landen werden: Klar ist, dass die Studio-Bühne ihr Stück „Mutter Furie“ mitbringen wird. Die Bearbeitung der gleichnamigen Novelle von Guy de Maupassant passe ideal, so Plewa-Brodam, die in der Inszenierung auch eine der beiden Hauptrollen übernimmt. Denn das Theater Vera hat sein aktuelles Programm auf die russischen Festivitäten zum Ende des Zweiten Weltkriegs abgestimmt.

Der aktuelle Ukraine-Konflikt hat für neue Gräben in den deutsch-russischen Beziehungen gesorgt. Davon wollen sich die Essener Theatermacher jedoch nicht beeinflussen lassen: „Im Zentrum des Austauschs steht seit jeher das Menschliche“, betont Siegfried Plewa. Der Gründer der Studio-Bühne war schon bei der ersten Fahrt 1995 dabei. „Damals, kurz nach dem Ende der Sowjetunion wussten wir gar nicht, was uns erwartet“, so Plewa. Doch die anfängliche Distanz, die man vielleicht aus gegenseitigen Vorurteilen heraus wahrte, sei schnell einem freundschaftlichen Miteinander gewichen. „Wir haben bald erkannt, dass wir alle trotz der politischen Unterschiedlichkeiten gar nicht so unähnlich ticken.“.