Motivwagen - den Narren fehlt es an Geld, Zeit und Personal

Karikaturist Heiko Sakurai hat für die WAZ-Redaktion Essen einen politischen Karnevalswagen gezeichnet. Boxer Thomas Kufen (r.) verfolgt amüsiert den erbitterten Schlagabtausch in der SPD-Ecke mit der austeilenden Britta Altenkamp, einem angezählten Reinhard Paß und der niedergeschlagenen Angelika Kordfelder.
Karikaturist Heiko Sakurai hat für die WAZ-Redaktion Essen einen politischen Karnevalswagen gezeichnet. Boxer Thomas Kufen (r.) verfolgt amüsiert den erbitterten Schlagabtausch in der SPD-Ecke mit der austeilenden Britta Altenkamp, einem angezählten Reinhard Paß und der niedergeschlagenen Angelika Kordfelder.
Foto: Heiko Sakurai
Was wir bereits wissen
Beim Rosenmontagszug ist die KG Hahnekopp die einzige Gesellschaft, die einen Motivwagen auf die Straße setzt. OB-Wahl inspiriert WAZ-Karikaturist Heiko Sakurai zu einem Entwurf.

Essen.. Die Prognose für Rosenmontag ist vom Allerfeinsten: 11 Grad und strahlender Sonnenschein. Wieder werden rund 100 000 auf den Straßen sein, wenn sich der närrische Lindwurm durch die Essener City zieht. In die Freude über süße Kamellen, die tonnenweise aufs närrische Volk herabregnen, mischt sich allerdings – wieder einmal - ein kräftiger Schuss Bitterkeit. Denn die Zahl der Motivwagen ist recht übersichtlich: Es wird – Essen ist eben nicht Düsseldorf – dieses Mal nur den der KG Hahnekopp geben.

Wagenbau – das ist hohe karnevalistische Kunst: rollender Spott aus Pappmaché, gebaute Breitseiten gegen die Regierenden, ein deftiger Angriff auf die Lachmuskeln mit Boah-Effekt. Woran liegt es, dass die Essener Karnevalisten in dieser Königsdisziplin so jäh scheitern?

"Meisten Gesellschaften haben gar nicht die Mittel, um Wagen zu bauen"

„Wer berufstätig ist, dem fehlt schlicht die Zeit zum Wagenbau“, sagt Oliver Weiß, Sprecher des Festkomitees Essener Karneval. Hinzu komme der finanzielle Aspekt. „Die meisten Gesellschaften haben gar nicht die Mittel, um Wagen zu bauen.“ Die Folge: Sie gehen auf Nummer sicher und investieren in Wurfware.

Karneval „Wir haben Ende Oktober mit unserem Wagen angefangen und sind erst jetzt fertiggeworden“, berichtet Rüdiger Feuersenger, der Vorsitzende der KG Hahnekopp. Wagenbau – das koste sehr viel Zeit. „Du bist nach Feierabend im Einsatz und am Wochenende, die Stunden zählst du irgendwann gar nicht mehr.“

Reinen Materialkosten beliefen sich auf höchstens 400 Euro

Zusammen mit 15 anderen Gesellschaften bereiten die „Hahneköppe“ ihre stolze Flotte an der Schürmannstraße in den Hallen der Jugendhilfe vor. Sie besteht aus Zugmaschine mit Königswagen sowie Motivwagen. „Wir haben vier Wagenbauer aus unseren Reihen im Einsatz“, fügt Feuersenger hinzu. Die reinen Materialkosten beliefen sich auf höchstens 400 Euro. Selbstverständlich würde vorhandenes Material jedes Jahr aufs Neue eingesetzt.

Dem Motiv der Session – „Dat allet is Essen“ -- folgend präsentiert die KG auf ihrem Motivwagen dieses mal die „Essener Tafel“ – einen reich gedeckten Tisch, an dem lebende und bereits verstorbene Persönlichkeiten dieser Stadt ihren Platz haben, darunter Helmut Rahn und Diether Krebs, Juliane Werding und Otto Rehhagel sowie die Ehrensenatorin Petra Hinz (SPD-MdB). Zur Erinnerung: Letztes Jahr nahm der Motivwagen die NSA-Affäre auf die Schippe.

Am beliebtesten ist der Typus Gesellschaftswagen. „Je älter die Mitglieder einer Gesellschaft, desto mehr wollen oben auf den Wagen“, sagt Oliver Weiß. Einige, wie die Knüppelhusaren, würden Wagen komponieren, die einen Mix aus Gesellschafts- und Motivwagen darstellten. Für Lokalkolorit sorgen dabei Bilder vom Essener Rathaus und vom neuen Wahrzeichen der Stadt, der Welterbe-Zeche Zollverein.

Um künftige Wagenbauer ein wenig zu inspirieren, hat WAZ-Karikaturist Heiko Sakurai mit spitzer Feder und schnellen Strichen die Sonderanfertigung eines Motivwagens zu Papier gebracht. Der Zeichner nimmt darin das spannendeste kommunalpolitische Thema aufs Korn: die OB-Wahl im September, den Kampf um das Essener Rathaus. Helau!