Mord an Masseurin ging offenbar Streit um Geld für Tantra-Dorf voraus

Der 35-jährige Boris S. aus Köln ist wegen Mordes angeklagt: Er soll eine Tantra-Masseurin (54) aus Essen in ihrer Wohnung umgebracht haben.
Der 35-jährige Boris S. aus Köln ist wegen Mordes angeklagt: Er soll eine Tantra-Masseurin (54) aus Essen in ihrer Wohnung umgebracht haben.
Was wir bereits wissen
Prozessauftakt in Essen: Boris S. soll im November eine 54-Jährige ermordet haben, die als Tantra-Masseurin und "Therapeutin" sexuelle Blockaden lösen wollte.

Essen.. Hochgewachsen, kräftig, seriös gekleidet. Auf den ersten Blick passen die Vorwürfe der Anklage nicht zu dem smarten Mann auf der Anklagebank. Doch Boris S. (35) soll am 13. November eine 54-jährige Essenerin in ihrer Wohnung an der Sybelstraße in Frohnhausen brutal ermordet haben. Heimtückisch habe er ihr einen Hammer auf den Kopf geschlagen, sie mit insgesamt 29 Messerstichen ermordet, behauptet Staatsanwalt Joachim Lichtinghagen am Donnerstag in der Anklage. Es geht um Sex, um Geld.

Zu Lebzeiten betrieb die Getötete in Rüttenscheid eine Tantra-Massage-Praxis. Das Stichwort Sex-Massage beschreibt die Beschäftigung nur unzulänglich. Esoterisch mutet an, wie die 54-Jährige im Internet für ihre Dienste warb. Da geht es um die Öffnung von sexuellen Blockaden, als “Therapeutin” wird sie bezeichnet, gab auch Seminare an der Privatuni Witten-Herdecke. Ausdrücklich verneint sie, dass es in ihrer Praxis zur sexuellen Vereinigung bei der Tantra-Massage kommt.

Todesopfer wollte Tantra-Dorf in Dülmen aufbauen

Doch ausgeschlossen ist der Sex offenbar nicht. Die Essenerin soll mit Kunden auch sexuell verkehrt haben: Dazu zählen laut Anklage Boris S. und ein Architekt aus dem münsterländischen Lüdinghausen. Sie sollen es gewesen sein, die der Masseurin einen Traum erfüllen sollten: ein Tantra-Dorf in Dülmen, ebenfalls Münsterland. Dort wollte sie Menschen mit sexuellen Problemen helfen. Planen sollte das Dorf der Architekt, die dafür notwendigen Millionen sollte Boris S. investieren.

Doch der reiche Geldgeber ist laut Anklage tatsächlich vermögenslos, verfügte die letzten Jahre nicht einmal über einen festen Wohnsitz. Trotzdem soll er es verstanden haben, den beiden seine finanzielle Potenz vorzutäuschen. Der Architekt, der weltweit wirtschaftlich erfolgreich aktiv ist, soll in Vertrauen auf Boris S. selbst Grundstücke in Dülmen für rund sechs Millionen Euro gekauft haben.

“Ich habe noch nie einen Tatort gehabt, der so sauber war”

Allerdings soll er im November Klarheit über den tatsächlichen Vermögensstatus des Kölners erlangt haben. In einem Telefonat am 13. November soll er die Masseurin informiert und Boris S. als “Hochstapler” bezeichnet haben. Die Anklage behauptet, dass es deshalb zum Streit zwischen Boris S. und ihr gekommen sei. Die 54-Jährige hätte sich dann an den Schreibtisch gesetzt und sei von hinten angegriffen worden.

Gewaltverbrechen Danach soll Boris S. die Leiche in die mit Wasser gefüllte Badewanne gelegt und sie mit einer Reinigungsflüssigkeit überschüttet haben. Die Wohnung soll er gründlich gereinigt haben. “Ich habe noch nie einen Tatort gehabt, der so sauber war”, sagt ein Kripo-Beamter.

Es gibt deshalb wenige Beweise, die auf Boris S. eindeutig hinweisen. Ein wichtiges Indiz könnten die SMS sein, die er nach der Tat vom Handy der Getöteten an den Architekten und an sich selbst abgesetzt haben soll. Sie erwecken den Eindruck, als habe er selbst die Rüttenscheider Wohnung früh verlassen und der Architekt ein Motiv für den Mord. An insgesamt neun Prozesstagen will das Schwurgericht die Beweislage prüfen.