Mord an Madeleine W. - Prozess in Essen verzögert sich erneut

Angeklagt wegen versuchten Mordes ist der Stiefvater von Madeleine W., Günter O. (48), wegen Beihilfe muss sich ihr Stiefbruder Daniel O. (22) verantworten.
Angeklagt wegen versuchten Mordes ist der Stiefvater von Madeleine W., Günter O. (48), wegen Beihilfe muss sich ihr Stiefbruder Daniel O. (22) verantworten.
Foto: Kerstin Kokoska/ FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Am Mittwoch sollten die Plädoyers im Mordprozes um den Tod von Madeleine W. gehört werden. Den Plan stoppte ein Verteidiger mit einem neuen Antrag.

Essen.. Der Mordprozess um den Tod der 23 Jahre alten Gelsenkirchenerin Madeleine W. verzögert sich erneut. Ein neuer Antrag des Verteidigers Wolfgang Weber stoppte am Mittwochmorgen die Planung des Essener Schwurgerichtes, sich die Plädoyers in dem am 13. August gestarteten Verfahren anzuhören. Vor fast einem Jahr war Madeleine W. getötet und unter Beton und Erde in einem Kleingarten verscharrt worden. Angeklagt wegen versuchten Mordes ist ihr Stiefvater Günter O. (48) aus Essen-Borbeck, wegen Beihilfe muss sich ihr Stiefbruder Daniel O. (22) verantworten.

Bereits Mitte November hatte der von Staatsanwältin Birgit Jürgens gestellte Antrag auf Sicherungsverwahrung das Verfahren um gut zwei Monate verzögert. Am heutigen Mittwoch sollte der Prozess aber in die Schlussphase gehen. Doch Verteidiger Weber wollte mit einem Antrag das rechtsmedizinische Gutachten in Zweifel ziehen, das die Einlassung seines Mandanten widerlegt hatte. Günther O. hatte jede Mordabsicht bestritten und von einem verunglückten Flaschenwurf als mögliche Ursache gesprochen.

Verteidiger Weber sah er sich nicht in der Lage, am Mittwoch zu plädieren

Seine Stieftochter Madeleine W., die ein Kind von ihm hatte und seit ihrem 14. Lebensjahr von ihm sexuell missbraucht worden war, hatte sich über ein Jahr lang vor ihm versteckt. Mit Hilfe seines Sohnes Daniel hatte er sie Anfang 2014 aufgespürt und in seinen Kleingarten in Essen-Dellwig gefahren. Dort soll er sie ermordet haben.

Weil Verteidiger Weber nach seinem Antrag erst noch einmal mit seinem Mandanten sprechen wollte, sah er sich nicht in der Lage, am Mittwoch zu plädieren. Darauf verweigerte sich auch die Staatsanwältin. Sie wolle nur plädieren, wenn am selben Tag auch der Anwalt seinen Antrag formuliere. Für diesen Standpunkt zeigte das Gericht Verständnis.

Staatsanwältin: “Vielleicht fällt mir bis Freitag ja auch noch etwas ein.”

Zwischen Staatsanwältin und Verteidiger kam es noch zu einem kurzen Wortgefecht. Birgit Jürgens fand es “unmöglich”, dass er so spät einen neuen Antrag gestellt habe. Weber konterte, er habe sich ja auch nicht über die Verzögerung durch ihren Antrag im November aufgeregt. Die Anklägerin reagierte ein wenig unsachlich: “Vielleicht fällt mir bis Freitag ja auch noch etwas ein.”

An der Situation änderte es nichts. Jetzt wird erst am Freitag plädiert. Das Gericht, so Richter Labentz, will dann auf jeden Fall ein Urteil verkünden: “Es kann ein langer Tag werden.”