Mord an Madeleine W. - Prozess gegen Stiefvater droht zu platzen

Verteidiger Wolfgang Weber (links) stellte den Antrag auf Aussetzung des Verfahrens, weil seinem Mandanten Günther O. jetzt die Sicherungsverwahrung droht.
Verteidiger Wolfgang Weber (links) stellte den Antrag auf Aussetzung des Verfahrens, weil seinem Mandanten Günther O. jetzt die Sicherungsverwahrung droht.
Foto: Sebastian Konopka/WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Im Prozess um die Ermordung der 23-jährigen Madeleine W. aus Essen droht ihrem angeklagten Stiefvater die Sicherungsverwahrung. Das Essener Schwurgericht hat am Dienstag ein weiteres psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben. Möglicherweise muss der Prozess noch einmal von vorne beginnen. Das Gericht will alles versuchen, um das zu verhindern.

Essen.. Der Madeleine-Prozess droht zu platzen und müsste dann neu aufgerollt werden. Das Schwurgericht will aber alles versuchen, eine Neuauflage des im Sommer gestarteten Verfahrens zu verhindern.

Eigentlich hätte am Dienstag plädiert werden sollen, nachdem das Gericht in den vergangenen Monaten zahlreiche Zeugen vernommen hatte. Es geht um Mord. Dem Essener Günther O. wird vorgeworfen, seine Stieftochter Madeleine W. aus Gelsenkirchen getötet und in seinem Schrebergarten unter Erde und Beton vergraben zu haben. Sie hatte 2011 ein Kind bekommen, dessen leiblicher Vater Günther O. ist. Seit ihrem 14. Lebensjahr hatte er sie sexuell missbraucht. Das hatte er vor Gericht auch gestanden und von einer Art Liebesbeziehung gesprochen. Den Mord bestritt er dagegen, sprach von einem Unfall.

Prozess Zu den Plädoyers kam es am Dienstag nicht, weil Staatsanwältin Birgit Jürgens erst am letzten Verhandlungstag beantragt hatte, Günther O. noch einmal psychiatrisch untersuchen zu lassen. Es geht darum, ob er „einen Hang zu Straftaten“ hat und deshalb zusätzlich zu einer möglichen Verurteilung zu lebenslanger Haft in die Sicherungsverwahrung eingewiesen werden könnte.

Angeklagter wurde als voll schuldfähig bezeichnet

Das Gericht ging dem Antrag nach, erweiterte den bereits erteilten Auftrag für die psychiatrische Sachverständige um diesen Punkt. Während der Verhandlung hatte sie bereits ihr Gutachten erstattet und den Angeklagten als voll schuldfähig bezeichnet. Zusätzlich hatte sie ihn in die Nähe eines Psychopathen gestellt.

Mordprozess Verteidiger Wolfgang Weber reagierte konsequent auf die neue Prozesslage. Er stellte den Antrag, das Verfahren auszusetzen, damit sich der Angeklagte und sein Verteidiger auf die neue Situation einstellen können.

Richter Andreas Labentz machte klar, dass das Gericht den Angeklagten und den Zeugen auf jeden Fall eine Neuauflage des Prozesses ersparen will. Alle müssten nämlich neu vernommen werden, Zeugen müssten zum Teil aus Sachsen anreisen, wo Familie O. längere Zeit gelebt hatte.

Neue Prozess-Termine bis in den Februar

Deshalb stellte die Kammer die Entscheidung über Webers Antrag zurück. Kommt nämlich die Gutachterin zu dem Schluss, Günther O. sei kein Kandidat für die Sicherungsverwahrung, hätte sich der Aussetzungsantrag erledigt. Dies will man abwarten.

Weil die Gutachterin zeitliche Probleme hat, gibt es jetzt erst einmal neue Termine bis in den Februar. Verteidiger Wolfgang Weber zeigte sich kooperativ bei der Abstimmung über die neuen Sitzungstage, will offenbar auch keine Wiederholung der Sitzung: „An mir soll es nicht scheitern.“