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Monopoly ums Minarett

14.11.2007 | 19:49 Uhr

Islamische Gemeinde muss nachbessern beim Bauantrag für die Moschee in der Hagenbeck. Die Politik hält sich noch bedeckt. Doch hinter den Kulissen werden Ersatz-Bauplätze diskutiert

SCHWERPUNKT MOSCHEEBAU Der geplante Bau einer neuen, größeren und repräsentativen Moschee mit Kuppel und Minarett in der Hagenbeck gehört zu den heißen kommunalpolitischen Themen dieser Tage. Obwohl das islamische Gebetshaus als "Integrationszentrum" angelegt ist, gibt es im Stadtteil Unsicherheiten und Ängste, Vorurteile und Missverständnisse. Derzeit dreht sich die Diskussion in Richtung: Ist eine Moschee anderswo im Essener Westen besser aufgehoben? Die WAZ liefert die wichtigsten Fakten zum Stand der Dinge:

Das Vorhaben:

Seit Jahren versucht die türkisch-islamische Union "Ditib", die mitgliederstärkste Migrantenorganisation in Deutschland mit Anbindung an den türkischen Staat, in Altendorf eine neue Moschee zu bauen. Bislang mussten die rund 300 Gemeindemitglieder ihre Religion in einem ausrangierten Ladenlokal in der Helenenstraße ausüben. Die beengte Hinterhof-Atmosphäre will man überwinden, ein "offeneres Haus" werden.

Der Bauplan:

Nach etlichen Versuchen konnte die Gemeinde im Frühjahr ein Grundstück im Gewerbegebiet "In der Hagenbeck" erwerben. Der renommierte Essener Architekt Oylar Saguner will eine ehemalige Lagerhalle aus der Insolvenzmasse des Schuhhauses Böhmer für rund 1,2 Millionen Euro zu einer Moschee umbauen, mit Kuppel und einem 21 Meter hohen Minarett, von dem aus nicht zum Gebet gerufen werden soll. Die muslimische Gemeinde legt Wert darauf, dass sie keine "Großmoschee" errichten will, sondern ein "Integrationszentrum" mit Seminarräumen für Deutsch- und Religionsunterricht, mit Jugendräumen, Turnhalle, Bibliothek und Lebensmittelladen. Ein Bauantrag ist gestellt, die Stadt hat ihn aber zurück geschickt: Es gebe Nachbesserunsgsbedarf.

Die Gegner:

Der Apotheken-Zulieferer Noweda, der seinen Betrieb ebenfalls "In der Hagenbeck" unterhält, befürchtet logistische Nachteile durch die neue Nachbarschaft. Man befürchtet vor allem zum Freitagsgebet Engpässe beim Parkraum und die Störung des An- und Auslieferbetriebs. Noweda hat der Stadt mit einer Standort-Verlagerung gedroht, falls die Moschee gebaut wird. Auch im Stadtteil gibt es Sorgen, dass das Gebetshaus die Tendenz zur "Parallelgesellschaft" verstärken könnte. Wenige hundert Meter weiter hat sich in einer aufgegebenen Kirche des Bistums eine sehr rührige polnische Gemeinde angesiedelt, deren Gottesdienste am Wochenende oft zu Parknotstand führen.

Die Befürworter:

Mit Blick auf die erfolgreiche Integrationsarbeit rund um die Moschee in Katernberg mit einem aufgeschlossenen Imam erhoffen sich Teile der politischen Linken und auch die Kirchen von dem neuen Altendorfer Gebetshaus eine weitere Öffnung der muslimischen Gemeinschaft in Essen. Der Integrationsbeauftragte des Landes Thomas Kufen (CDU) und die SPD-Landtagsabgeordnete Britta Altenkamp haben sich ebenfalls für einen Neubau stark gemacht.

Die Politik:

Stadtspitze und Mehrheitsfraktionen halten sich bislang mit einer Bewertung der Moschee-Pläne zurück. Die Begutachtung eines entsprechenden Bauantrags der Gemeinde sei Verwaltungssache und kein politischer Vorgang.

Das weitere Verfahren:

Architekt Oylar Saguner wird einen nachgebesserten Bauantrag vorlegen, Parkkonzept inklusive. Bisher sind 91 Parkplätze auf dem Moschee-Gelände ausgewiesen.

Die Alternativen:

Die Wirtschaftsförderer der EWG haben sich auf die Suche nach Alternativstandorten gemacht. Ein Gelände im Weichbild des Krupp-Gürtels erwies sich als zu groß. Viel versprechend sind Verhandlungen über einen Standort am Westbahnhof in einem neu zu erschließenden Wohngebiet. Für den Standort in der Hagenbeck gibt es Interessenten, die der islamischen Gemeinde das Böhmer-Gelände wieder abkaufen wollen.

Die Spekulation:

Mit dem Grundstück in der Hagenbeck hat die türkische Gemeinde ein Faustpfand erworben für die nun unausweichliche Standort-Diskussion. In der ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen. Letztlich, sagen Insider, wird die Politik sich nicht länger drücken können um die Frage, wo im Essener Westen sie eine Moschee angesiedelt sehen will. Viele glauben: Es gibt bessere Standorte.

Von Tobias Blasius und Kai Süselbeck

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