Momo und die Montagsmaler

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Die Zeit läuft nicht, sie rinnt. Ein dünner Strahl Sand rieselt von der Bühnen-Decke, als hätten sie die Eieruhr des Lebens in die Box des Schauspiels gestellt „Ein ganz alltägliches Geheimnis“ wird hier aufgedeckt. Mit Menschen über 60, die die Zeit schon ganz unterschiedlich empfunden haben; anfangs scheinbar unendlich und irgendwann doch so knapp bemessen.

Zeit also, sich auf die Suche nach den „Zeitdieben“ zu machen. Im Theaterlabor der Theaterpädagogik am Schauspiel Essen, wo nicht nur die ganz Jungen den ersten Schritt auf die Bühne wagen, hat man sich mit Michael Endes Märchenroman-Heldin „Momo“ beschäftigt, denn die hat den Menschen die Zeit ja schließlich zurückgebracht. Die kurze, aber intensive Auseinandersetzung mit Endes, nach 40 Jahren hochaktuellen Parabel auf eine rastlose, auf Effizienz getrimmte Gesellschaft ist in dieser Woche insgesamt drei Mal vor ausverkauften Rängen auf der kleinen Bühne zu erleben. Regie-Assistentin Sarah Mehlfeld hat das Stück mit wenigen Requisiten und Raum für Improvisationen in Szene gesetzt. So werden die Schildkröte Kassiopeia und Meister Hora in lockerer „Montagsmaler“-Manier einfach auf einer Tafel fürs mitratende Publikum herbeigemalt.

Graue Herren und Damen sind sie inzwischen selber, die Theaterlaien, die da auf der Bühne stehen, während Romanhandlung und persönliche Lebensbilanz miteinander verschmelzen: reden über unerfüllte Träume und verpasste Chancen. Dabei tickt die Eieruhr, denn die Bühne ist auch eine Art große Gemeinschaftsküche, an deren Herd man zusammenkommt. Am Ende gibt es Kuchen für alle und die Gewissheit, diese dreiviertel Stunde Zeit mit Sinn gefüllt zu haben.